Sie glauben an Jesus und nicht an den Regenbogen: Wie christliche Spieler den Profi-Fußball aufmischen
Ein Beitrag von
Im Fußball tobt ein Glaubenskrieg. Abseits von Turnierbäumen, Taktik und Torbilanz geht es um die Frage: „Wie viel Gott verträgt der Sport?“ Doch religiöse Gesten auf dem Platz scheinen bei muslimischen Spielern deutlich mehr Akzeptanz zu genießen als bei christlichen.
Im aktuellen Kader der deutschen Nationalmannschaft stehen zwei Spieler, die aus ihrem Glauben keinen Hehl machen: Antonio Rüdiger, strenggläubiger Muslim, und Felix Nmecha, tiefgläubiger Christ. Beide haben mit ihren religiös geprägten Meinungsäußerungen schon für Ärger gesorgt, vor allem bei der Regenbogen-Bubble. Über die Weigerung, ein Zeichen für die queere Community zu setzen, schreibt das Fußball-Magazin 11 Freunde: „Das religiöse Gewissen meldet sich verlässlich immer nur dann, wenn es um ein bisschen Solidarität etwa mit homosexuellen Menschen geht.“
Doch zwischen den beiden Nationalspielern gibt es einen Unterschied: Nmechas evangelikaler Glaube gilt vor allem Linken als problematisch, während es bei Antonio Rüdigers Islamistenfinger und seiner Kopf-ab-Geste nur ein Shitstörmchen gab. Im Champions-League-Achtelfinale hatte er 2025 Fans mit einer „Kopf-ab“-Geste provoziert.
Nmecha wiederum gehört einer wachsenden Schar von Fußballprofis an, die ihren christlichen Glauben öffentlich zeigen und, etwa auf dem Rasen kniend, beten, sich bekreuzigen oder gar mit einer Bibel daherkommen. Ex-Bayern-Star David Alaba bekennt sich zur protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, und der Brasilianer Neymar gilt als Neo-Evangelikaler: Mehrmals trug er ein Stirnband mit der Aufschrift „100 % Jesus“.

Felix Nmecha gehört keiner festen traditionellen Landeskirche an, sondern ist evangelikaler Christ.
2023 sah sich Felix Nmecha mit dem Vorwurf konfrontiert, homophob zu sein: Auf Instagram teilte er einen Post, in dem die Queer-Bewegung mit dem Teufel verglichen wurde. Sowohl der DFB als auch der BVB waren offenbar alarmiert. „Wir werden das Gespräch mit Felix vor der nächsten Nominierung suchen“, teilte der Deutsche Fußball-Bund der Bild mit.
Felix Nmecha, geboren in Hamburg, deutsche Mutter, nigerianischer Vater, ist seit seiner Jugend bekennender Christ. Viele seiner Instagram-Posts sind mit einem Dank an Jesus versehen. Als Sechsjähriger wanderte er mit seiner Familie 2007 nach England aus, er besitzt beide Staatsbürgerschaften. Der 25-Jährige spielte für Englands U16, U18 und U19 und für Deutschlands U18 und U21, ehe er sich schließlich für das DFB-Team entschied. Auch sein großer Bruder Lukas ist Fußballprofi.
„Ein ganz normaler Junge“
Der BVB zahlte vor drei Jahren 30 Millionen Euro, um den Mittelfeldspieler aus Wolfsburg nach Dortmund zu holen. Doch vor dem Wechsel musste BVB-Boss Aki Watzke gegenüber der Süddeutschen Zeitung offenbar versichern: „Das ist ein ganz normaler Junge, ein normaler junger Fußballer.“ Dem Spieler sei klargemacht worden, dass er innerhalb des Vereins nicht missionarisch tätig werden könne.
Seit 2023 spielt Nmecha für die Nationalmannschaft, jetzt steht er im deutschen WM-Kader. „Er hat unfassbar beeindruckende physische Voraussetzungen, ist brutal schnell, groß, superbeweglich, einer der wenigen Mittelfeldspieler, die im Stand einen Spagat nach oben machen können“, schwärmt Bundestrainer Julian Nagelsmann im Interview mit dem Kicker. Im März hat der 1,90-Meter-Mann zudem seinen Vertrag in Dortmund bis 2030 verlängert. Sportlich läuft’s.

Nmecha konkurriert mit Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka um die Position im zentralen Mittelfeld.
Doch seine Posts sorgen immer wieder für Ärger: 2023 hatte Nmecha ein Video des konservativen Influencers Matt Walsh geteilt, in dem der Vater eines Trans-Kindes hart kritisiert wurde. Darunter schrieb Nmecha. „Wenn wir nicht sehen, was daran falsch ist ...“ Es hagelte Kritik, Nmecha musste klären.
„Allahu Akbar“ geht, „Amen“ aber nicht?
„Wenn Fußballstars zu Missionaren werden“, schrieb der Tagesspiegel vergangenen Sommer. Was auffällt: Es gibt wenige Artikel über streng muslimische Fußballstars. Weder Antonio Rüdigers Finger-Geste, noch die tiefverschleierte Frau von Ousmane Dembélé noch die Ramadan-Pausen während eines Spiels sind vielen linken Medien auch nur eine Zeile wert.
Zurück zu Felix Nmecha: 2025 ging sein Trauer-Post über die Ermordung des Aktivisten Charlie Kirk viral: Kirk habe „friedlich für seine Überzeugungen und Werte eingestanden“. Ein Attentat auf einen Vater und Ehemann „zu feiern“, sei „wahrhaft böse“, so zitiert n-tv. Daraufhin kündigte der BVB an, den Post „intern aufarbeiten zu wollen“. Nmecha wurde einbestellt, der Beitrag gelöscht.

Schon mehrmals sorgte der 25-Jährige mit seinen Posts für Aufregung.
Auch, wenn es in diesem Jahr keinen One-Love-Armbinden-Skandal bei der WM geben soll, scheint der Meinungstunnel noch enger zu sein, als der Spielertunnel. Laut Spiegel und Sport BILD soll Nmecha seine Social-Media-Beiträge mit seinem Arbeitgeber absprechen.
Doch es scheint, als lasse er sich nicht den Mund verbieten: Nmechas eigener Podcast „The Pursuit“ startete Anfang Mai. Mit dem ersten Gast, Fußballprofi John Bostock, spricht er (auf Englisch) über Identität und Glaube. Bostock wiederum betreibt den christlichen Instagram-Kanal @ballersingod mit 741.000 Followern. Ein Ableger zeigt Spielerfrauen der anderen Art: Frauen, die mit ihren Partnern beten, die Muttertags-Glückwünsche empfangen und Schwangerschaften verkünden.
Nach der Regenbogen-Aufregung der letzten WM ist es vermutlich gut, wenn sich die Religion nur im Himmel abspielt, und nicht auf dem Rasen.
Mehr NIUS:
Rudi Völler will Fußball ohne Politik: „Wir sind da, um eine Weltmeisterschaft zu spielen”
Dank Harry Kane: FC Bayern besiegt Stuttgart im Pokalfinale mit 3:0
Harald Schmidt über die Fußball-WM: „Ich freue mich schon auf eine politisch verrutschte Aktion der Nationalspieler vor dem ersten Spiel!”
Fußball-Legende Didi Hamann: „Wenn Leute sich zu Migration äußern, werden sie sofort in die rechte Ecke gestellt”
Das Wunder von Elversberg: Ein Dorf will die Bundesliga aufmischen
Bye-Bye-Bayern: Paris zieht nach 1:1 gegen München ins Champions-League-Finale ein
Adidas auf Rekordjagd: 14 Fußball-WM-Teams tragen die drei Streifen
Antonio Rüdiger beschimpft Gegenspieler Stanišić
Mehr NIUS:
Fußball-Legende Didi Hamann: „Wenn Leute sich zu Migration äußern, werden sie sofort in die rechte Ecke gestellt”
Das Wunder von Elversberg: Ein Dorf will die Bundesliga aufmischen
Bye-Bye-Bayern: Paris zieht nach 1:1 gegen München ins Champions-League-Finale ein
Adidas auf Rekordjagd: 14 Fußball-WM-Teams tragen die drei Streifen
Antonio Rüdiger beschimpft Gegenspieler Stanišić
11.500 Dollar für ein Ticket: Wie die FIFA mit dynamischen Preisen bei der Fußball-WM abkassiert
Brutalo-Foul, Islamistengruß, Halsabschneider-Geste: Soll Antonio Rüdiger mit zur WM?
Fußball-Doku „Ein Sommer in Italien“ über die WM 1990: Warum ich mit Lothar Matthäus ein paar Tränen verdrückt habe
Melanie Grün
Artikel teilen
Kommentare