„Barbie“, der Film: Ganz anders als befürchtet
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- „Barbie“ ist der Überraschungserfolg des Sommers.
- Männer und Frauen bekommen gleichermaßen ihr Fett ab.
- Der Film ist feministisch, aber auf verspielte und nicht verbrämte Art.
„Barbie“ beginnt, wie sollte es auch anders sein, mit einer Hommage an Stanley Kubricks Meisterwerk „2001“, nur das diesmal kein Monolith zur Erde schwebt, um eine neue Evolution unter den Primaten einzuläuten. Nein, es ist die erfolgreichste Plastikpuppe aller Zeiten in ihrer ganzen, rosa Plastikschönheit.
Was natürlich dazu führt, dass eine ganze Generation von gelangweilten Mädchen strahlend zu ihr aufblickt, ihre drögen Babypuppen wegschmeißt, wie einen blöden Knochen und die Welt endlich so schön, kunterbunt und feministisch wird, wie sie es eigentlich sein sollte.
Wirklich die ganze Welt?
Nein, natürlich nicht. Nur Barbieland, wo wir auch gleich nach dieser Einführung landen. Hier heißt jede Frau Barbie, ist wunderschön, erfolgreich und beginnt den Tag mit einem strahlenden Lächeln, das bis zum Sonnenuntergang nicht wieder verschwinden soll. Häuser haben weder Wände noch Treppen, Autos keine Motoren und Frauen alles fest im Griff.
Aber auch dies kann natürlich nicht wirklich so weitergehen, weil die von Margot Robbie gespielte Original-Barbie (man könnte auch sagen Stereotypen-Barbie) plötzlich seltsame Veränderungen durchlebt. Sie beginnt über den Tod nachzudenken, ihre Füße werden flach und zu allem Überfluss deutet sich ein wenig Zellulitis in ihrer Hüftregion an.
Hier den Trailer zum Film ansehen:
Dies deutet auf eine Katastrophe von kosmischen Ausmaßen hin – und so muss „unsere“ Barbie Hilfe bei der „Seltsamen Barbie“ (Kate McKinnon) suchen, die (im Gegensatz zur „Präsidenten-Barbie“) gleich eine Antwort parat hat. Irgendetwas muss das Raum-Zeit-Gefüge (oder so etwas) gestört haben, so dass Barbie nun nach Los Angeles reisen muss (so nennt man in Barbieland ironischerweise die wirkliche Welt), um dort herauszufinden, was schiefgelaufen ist.
Und was ist mit Ken?
Ja, stimmt, den gibt es auch noch, beziehungsweise sehr viele, da hier (bis auf einen armen Außenseiter namens Allan) natürlich alle Männer Ken heißen. Im Gegensatz zu den erfolgreichen Frauen um sie herum haben sie nur wenig zu tun – der Haupt-Ken des Films (Ryan Gosling) steht zum Beispiel hauptsächlich am Strand rum (kann aber nicht schwimmen) und hat seine einzigen Glücksmomente, wenn Barbie ihn mal anlächelt. Was bleibt ihm auch sonst so, denn wie im Spielzeugregal haben auch die Barbies und Kens im Film keine Genitalien. Außer Schmachten ist also nichts drin.
Aber zumindest schafft er es, sich in Barbies Auto und damit auf den Trip nach Los Angeles zu mogeln, wo ihn Barbie natürlich gleich an irgendeiner Straßenecke stehen lässt. Schließlich hat sie wichtigeres zu tun: die Welt zu retten; zumindest die ihre. Was sich noch als großer Fehler herausstellen soll, da Ken währenddessen das Patriarchat entdeckt und nach Barbieland exportiert.
Was weiterhin passiert, sollte man sich am besten selbst anschauen, aber es geht bei „Barbie“ von Anfang bis Ende weniger um die Handlung, die nur einen roten Faden darstellen soll, an dem sich eine Unzahl an irrwitzigen Gags entlanghangeln, so dass man aus dem Lachen kaum mehr herauskommt.
Dass dies so gut funktioniert, dürfte vor allem daran liegen, dass das Drehbuch von zwei der talentiertesten Indie-Filmemachern unserer Zeit geschrieben wurde: Greta Gerwig („Lady Bird“), die auch Regie führt, und ihrem Partner Noah Baumbach („Marriage Story“).

Szene aus dem neuen Barbie-Film
Beide haben offensichtlich wenig bis gar kein Interesse daran gehabt, dem Film eine Ernsthaftigkeit zu geben, die hier nur deplatziert und lächerlich wäre, sondern eine kunterbunte Welt entworfen, in der sie sich gnadenlos austoben können und in der auch scharfe, nicht immer politisch korrekte Seitenhiebe vorkommen. Ob es nun der singuläre Allen ist, darauf aufmerksam macht, dass er zwar ein Mann sei, aber keine Macht habe und fragt, ob ihn dies nicht zur Frau mache? Oder Barbies erste Begegnung mit einem jungen Mädchen, dass sie sofort als Faschistin bezeichnet.
Der schönste Aspekt des Films ist aber, dass er eben nicht so „woke“ ist, wie es vielfach befürchtet wurde, sondern einfach nur unterhaltsam. Zum einen gibt es in „Barbie“ tatsächlich nur zwei Geschlechter – und die stereotypischen Unterschiede zwischen ihnen werden vergnüglich ausgebreitet. Aber auch die feministische Message („Barbies sind halt die besseren Kens“) wird so comicmäßig überzogen, dass man als Mann über sich lachen kann und als Frau über sich. Und noch viel häufiger übereinander.
Und das ist weitaus mehr wert, als jede noch so gut gemeinte Belehrung über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen!
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Karsten Kastelan
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