Santiano machen auf der Bühne Stimmung „gegen rechts“
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Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschen Bands: die Piratenrocker von „Santiano“. Sieben aufeinanderfolgende Top‑1-Alben, über fünf Millionen verkaufte Tonträger, mehr als eine Milliarde Album-Streams – das ist die Bilanz der Norddeutschen. Am vergangenen Wochenende nutzte „Santiano“ einen Live-Auftritt vor 9.000 Fans in Bad Segeberg, um eine politische Botschaft abzusondern, nach der gar niemand gefragt hatte. Frontmann Björn Both wurde deutlich:
„Wir beobachten, dass sich gerade mit großem Eifer an freiheitlichen Demokratien vergriffen wird. Hierzulande ist auch die sogenannte politische Mitte sehr weit nach rechts gerückt, sodass man eigentlich von einer politischen Mitte in dem Sinne gar nicht mehr sprechen kann.“
„Da braut sich was zusammen“ heißt die Open-Air-Tour, genauso wie das aktuelle Album. Während die Lokalpresse wie die „Lübecker Nachrichten“ Santiano brav für die „klare politische Haltung“ lobt, braut sich auf Social Media vor allem eins zusammen: ein kräftiger Shitstorm.

Stürmische Brise: „Santiano“-Fans sind nach dem politischen Wutausbruch auf der Bühne irritiert.
Moral statt Musik
Die Fans, teils in Piratenaufmachung erschienen, fanden nicht alles lustig, was die 2011 in Flensburg gegründete Band von sich gab. Auf das „Santiano“-Lieblingsthema Meeresschutz können sich offenbar noch viele einigen. Bei linker Agitation ist für einige aber Schluss. Nicht nur verkaufen die Musiker bei Konzerten T-Shirts mit dem Aufdruck „Wir sind die Meerheit“, es gibt auch noch politische Belehrung dazu:
„Was wir aber eben auch beobachten, ihr Lieben, ist, wie kürzlich auch in Ungarn geschehen, dass, wenn man solche Knalltüten einfach mal zehn Jahre machen lässt, bis sie das Land dann wirklich zerrüttet haben, wenn es vor Korruption einfach nur so trieft, wenn Rechtsstaatlichkeit ausgehebelt wird, wenn Pressefreiheit abgeschafft wird, wenn queere Menschen verfolgt und belästigt und bedroht werden, wenn Rassismus und völkisch-nationaler Gedankenschrott und Besoffenheit langsam wieder salonfähig werden, dann werden die Menschen wach. Dann werden sie wach und erkennen, dass dieser ganze rechtsnationale Bullshit einfach zu gar nichts taugt.“
Songs mit dem Titel „Dann bin ich weg“ und „Nie wieder Krieg“ lassen schon ahnen, dass es hier nicht nur um harmlose Schunkel-Shanty-Musik geht, sondern darum, den politischen Takt vorzugeben – und das für Tickets zum Preis von 69 bis 99 Euro.

Der deutsche Kulturbetrieb bietet Bands mit der richtigen politischen Botschaft offenbar gern eine Bühne.
Bezahlt: Konzert. Bekommen: Wahlempfehlungen
Man stelle sich das Ganze nur andersherum vor: Eine Band würde konservative Botschaften vor 9.000 Menschen verbreiten, es gäbe einen medialen Nervenzusammenbruch. Doch weil die Kulturbrise steif von links pfeift, kann „Santiano“ ungehindert wettern und sogar eine Wahlwarnung aussprechen:
„Deswegen an Euch der Appell von uns an dieser Stelle: Auch wir haben Landtagswahlen. Lasst uns das gar nicht erst versuchen! Das haben wir einmal ausprobiert, das ging richtig in die Hose, weil einfach solche Wahlentscheidungen am Ende immer ins Desaster führen. Wir sind sehr dankbar, dass wir das Euch nochmal erzählen können. Ist uns wichtig wegen dieser Landtagswahlen. Lass uns das lieber anders machen! Lass uns das machen mit dieser wehrhaften Demokratie oder wie das hieß, lass uns einfach lieber frei bleiben.“
Die Kommentare in den sozialen Medien sind teils vernichtend. Auf X schreibt ein User: „Man geht auf ein Konzert, bezahlt ein Vermögen für eine Karte und man erlebt dann das halbe Konzert mit politischer Hetze, Lügen und linker Propaganda.“
Ein anderer stellt fest: „Letztendlich ist es egal, wo man für Propaganda bezahlt.“
Und ein User behauptet: „Da ist Staatskohle geflossen, das ist ja wohl sicher!“
Auch auf Instagram machen User ihrem Ärger Luft: „Wenn ich Propaganda sehen will, dann schaue ich die Tagesschau. Hört auf, Konzerte für diesen Mist zu missbrauchen.“
Live-Bühnen als Plattform für politische Propaganda – das ist eine Trendwelle, auf der auch Herbert Grönemeyer seit längerer Zeit surft. Doch die Gefahr ist groß, dass das musikalische Vermächtnis bei so viel selbstgerechter Moral irgendwann mal absäuft.
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