Grammys 2026: Momente zwischen Protest, Predigt und Pop
Ein Beitrag von
Der Abend begann wie immer mit ausgerolltem rotem Teppich und dem Versprechen großer Momente. Bad Bunny war der Star des Abends – blieb aber nicht der einzige, der bei den Grammy Awards 2026 für Gesprächsstoff sorgte. Im Mittelpunkt standen nicht die Auftritte und emotionalen Dankesreden, sondern vor allem politische Statements – und ein paar Szenen, die in den sozialen Medien für hochgezogene Augenbrauen sorgten.
Als Bad Bunny die Bühne betrat, um den Grammy für das beste Música-Urbana-Album entgegenzunehmen, verlor er keine Zeit. „Bevor ich Gott danke“, sagte er auf Englisch, „sage ich: ICE out.“ Der Applaus im Saal hielt lange an. „Wir sind keine Wilden. Wir sind keine Tiere. Wir sind keine Außerirdischen. Wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner.“ Es war eine der deutlichsten politischen Aussagen des Abends. Bad Bunnys „ICE raus“-Statement wirkte entschlossen – nicht zuletzt mit Blick auf seine bevorstehende, bereits stark politisierte Super-Bowl-Halbzeitshow. Bad Bunny wird als erster Künstler eine vollständig spanischsprachige Halftime-Show spielen. Nicht dabei: Donald Trump. Der US-Präsident hat angekündigt, in diesem Jahr nicht zum Super Bowl zu reisen und ließ im Vorfeld keinen Zweifel daran, dass er mit der Auswahl der Acts wenig anfangen kann.
Politik schlägt Pop
Währendessen sorgte Moderator Trevor Noah mit Trump-Witzen immer wieder für „Unterhaltung“. Er eröffnete den Moment rund um Song of the Year mit einem Seitenhieb: „Song of the Year! Glückwunsch, Billie Eilish. Wow – das ist ein Grammy, den jeder Künstler haben will. Fast so sehr, wie Trump Grönland haben will. Was Sinn ergibt, denn seit Epstein tot ist, braucht er eine neue Insel, auf der er mit Bill Clinton abhängen kann.“
Für den US-Präsidenten war das offenbar zu viel. Kurz darauf meldete sich Trump auf seinem Netzwerk Truth Social zu Wort, bezeichnete die Grammys als „das Schlimmste“ und „praktisch nicht anschaubar“. Zudem bestritt er, jemals auf Epsteins Insel gewesen zu sein, nannte Noah einen „totalen Loser“ und kündigte an, seine Anwälte einzuschalten.
Wenn Glaube plötzlich stört
Später am Abend dann ein anderer Ton. Jelly Roll gewinnt den Grammy für Best Contemporary Country Album und spricht in seiner Dankesrede über das, was sein Leben verändert hat: Musik und Jesus. Er bedankt sich für seinen Glauben, hält kurz eine Bibel hoch und erzählt von einem persönlichen Wendepunkt. Es ist ein intimer, berührender Moment – aber offenbar keiner, der noch als „chic“ gilt. Während der Moment im Saal überwiegend ruhig aufgenommen wird, kippt die Stimmung anschließend in den sozialen Medien. Von „religiöser Psychose“ ist die Rede.
Auch Billie Eilish nutzte ihren Moment für ein deutliches politisches Statement. Nachdem sie für „Wildflower“ als Song of the Year ausgezeichnet wurde, sagte sie in ihrer Dankesrede: „Niemand ist illegal auf gestohlenem Land.“ Sie sprach darüber, wie schwierig es aktuell sei, die richtigen Worte zu finden, und rief dazu auf, weiter laut zu sein, zu protestieren und sich einzumischen. Billie Eilishs Rede wurde gefeiert – sie passte perfekt in den politischen Grundton des Abends und blieb weitgehend unumstritten. Modisch lief es für sie weniger rund: Ihr Look sorgte eher für Irritation und landete auf mehreren „Worst Dressed“-Listen. Ihr Wednesday-Addams-inspirierter Look mit Bomberjacke, Gürtelrock und weißen Socken war ein klarer Fehlgriff.
Ähnlich verlief es bei Olivia Dean, die als Gewinnerin von Best New Artist ihre Familiengeschichte in den Mittelpunkt stellte. Sie sprach über ihre Großmutter, die als Immigrantin nach Großbritannien kam. Die Reaktion fiel überwiegend positiv aus. Die Frage, warum Herkunft inzwischen fast zwingend Teil jeder Dankesrede sein muss, stellte an diesem Abend jedoch niemand. Wo doch Kunst von Freiheit lebt, und nicht von Pflichtbotschaften.
Politisch korrekt, modisch daneben

Heidi Klum in hautfarbenem Latex-Look.
Auch modisch lieferte der Abend Gesprächsstoff. Aus Sicht der Daily Mail gehörte Heidi Klum mit ihrem hautfarbenen Latexkleid zu den auffälligsten Mode-Fauxpas – aus der Distanz wirkte der Look beinahe nackt. Chappell Roan sorgte mit einem transparenten Mesh-Kleid, das lediglich von Nippelpiercings gehalten wurde, für einen der provokantesten Auftritte des Abends. Mehr ist manchmal doch mehr.

Chappell Roan in einem bordeauxroten Chiffonkleid von Mugler setzt auf ein ausgesprochen gewagtes Dekolleté.
Aus einer Musikpreisverleihung wurde mal wieder ein Kulturkampf in Abendgarderobe. Und die Musik? Die läuft irgendwo dazwischen.
Lesen Sie auch:
Zwischen Glamour, Business und Politik
Mehr NIUS:
Überraschende Töne von Campino: „Dieses Bild der Brandmauer, das hat auch schon seine Probleme“
„Unpolitisch Korrekt“ am Sonntag ab 9 Uhr auf NIUS Radio
Sorge um Udo Lindenberg! Rock-Legende im Krankenhaus
Britisches Königshaus stoppt Renovierung von Frogmore Cottage für Harry und Meghan
„Palästina 36“: Wie ein Spielfilm die Anfänge des Nahost-Konflikts verfälscht
Im neuen Lied der „Toten Hosen“ heißt es: „Der Sohn ist nicht rechts, doch nach zwei, drei Schnäpsen hebt er den rechten Arm“
Flachwitz und politisch brave Teilnehmer: Warum LOL die unlustigste Comedyshow ist
Wie „Top Gun“ mit dem Antikriegsfilm aufräumte
Mehr NIUS:
Britisches Königshaus stoppt Renovierung von Frogmore Cottage für Harry und Meghan
„Palästina 36“: Wie ein Spielfilm die Anfänge des Nahost-Konflikts verfälscht
Im neuen Lied der „Toten Hosen“ heißt es: „Der Sohn ist nicht rechts, doch nach zwei, drei Schnäpsen hebt er den rechten Arm“
Flachwitz und politisch brave Teilnehmer: Warum LOL die unlustigste Comedyshow ist
Wie „Top Gun“ mit dem Antikriegsfilm aufräumte
ESC: Bulgarien gewinnt, Deutschland abgehängt, Antisemiten missbrauchen Veranstaltung für Israel-Hass
Die kroatische Band Lelek geht beim Eurovision Song Contest mit einem Anti-Islamisierungs-Song an den Start
Santiano machen auf der Bühne Stimmung „gegen rechts“
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare