„Jeanne Du Barry“: Ungewohnte Rolle beim Comeback von Johnny Depp
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- „Jeanne du Barry“ war dieses Jahr der Eröffnungsfilm in Cannes.
- Der Film könnte ein Comeback für Johnny Depp bedeuten.
- Es ist die historische Geschichte einer starken Frau und eines schwachen Mannes.
Marie-Jeanne Bécu wurde im Frankreich des Jahres 1743 als uneheliches Kind geboren. Also in äußerst ärmlichen Verhältnissen, die damals wirklichen Hunger bedeuteten und nicht einfach nur kein Geld für Pommes-Majo nach der Schule. Jeannes Mutter war Näherin, kam aber schnell auf die Idee, dass die hübsche Tochter ein weitaus größeres Einnahmepotential darstellte als sie selbst – was diese auf einen Karrierepfad führte, der genaugenommen beim unehrenhaften, aber sehr erträglichen Job der Kurtisane endete.
Dass Geschichtsbücher und inzwischen auch Filmemacher sich noch an sie erinnern, hat damit zu tun, dass sie es bis an die Spitze ihrer Profession schaffte. Als Kurtisane war man – damals wie schätzungsweise auch heute – nämlich nur so gut, wie der momentane Kunde. Und an oberster Spitze stand damals eben nicht ein Tech-Millionär oder Plattenproduzent, sondern der König von Frankreich. Und bei dem sollte sie über ein paar Umwege landen.
Seltsame Diäthinweise
Wir reden hier selbstverständlich von Louis XV, dessen Sohn später in Schwierigkeiten kommen sollte, weil seine österreichische Frau einen seltsamen Ernährungstipp an das Volk weitergab. Dieses fand den Slogan „Sollen sie doch Kuchen essen“ im 18ten Jahrhundert noch unwitziger als deutsche Wähler den „Veggie Day“ der Grünen 2013. Und damals ging nicht die Quote leicht runter, sondern der Kopf ganz ab.
Aber zurück zum Vater, der wohl ein ziemlicher Hallodri und Miesling war – und in dem neuen Film „Jeanne du Barry“ ausgerechnet von Johnny Depp gespielt wird, der laut Aussagen seiner Frau in einem gefühlt zehn Jahre andauernden Prozess auch nicht immer sehr nett gewesen sein soll.

Jeanne du Barry (Maïwenn) und Johnny Depp (Louis XV)
Dies war die größte Schlagzeile, als der Film die Ehre erhielt, als Eröffnungsfilm in Cannes zu laufen – dem heiligsten Boden des europäischen Filmgeschäfts und genaugenommen an seinem größten Feiertag.
Und wie ist der Film nun?
Ja, das wäre eigentlich die wichtigste Frage, aber – wie beim Heizungsgesetz, muss man manchmal ein Problem (z.B. einen Herrn Graichen) entsorgen, bevor man an die Substanz ran kann.
Und die hat es in sich. „Jeanne Du Barry“ ist ein wunderschönes Zeit- und Sittengemälde, das uns in der Jetztzeit zwar gelegentlich zuzwinkert, aber sich hütet, uns mit alten Sitten und Gebräuchen so zuzuschütten, als würden wir immer noch in Tippelschritten vor dem König zurücktreten (Ausnahme: die Queen of England).
Vor allem ist es aber die unglaublich starke und auch romantische Geschichte einer Frau, deren Überleben erst einmal von der Gunst der Männer abhängt. Bis sie klug bemerkt, dass Aussehen, (in feinen Salons bei unfeinen Dingen gewonnene) Bildung und Mut es ihr zumindest erlauben, sich dann den besten und in diesem Falle reichsten zu suchen.
Ganz viel Frauen-Power von einer Frau ohne Nachnamen
Inszeniert von der Bretonin Maïwenn (Vorname und nun auch Künstlername), einer bereits sehr erfolgreichen Regisseurin, Autorin und Schauspielerin, die auch die Hauptrolle übernommen hat, ist „Jeanne Du Barry“ eine Ode an die Weiblichkeit. Immer schlauer, als die Männer, den bösen adligen Frauen gewachsen und nicht immun gegen eigene Gefühle. Sie liebt Louis wirklich, zumindest im Film, weiß aber auch, dass er sich schneller eine neue Kurtisane ordern kann, als man heutzutage Pornos auf dem Internet findet. Sie muss ihn halten – aus Liebe, aber auch aus Selbsterhaltungstrieb und um andere Menschen zu schützen, die sie auch liebt.
Wie politisch korrekt ist der Film?
So gut wie gar nicht. Er enthält sogar eine Szene, in der Jeanne ein großes Geschenk vom König erhält. Das Paket wird abgestellt, der Deckel wird gelüftet. Und man denkt, da springt gleich ein kleiner Löwe raus. Kontinent stimmt, Spezies nicht. Und statt dies zum politischen Thema zu machen, schafft es Maïwenns Film, daraus eine sehr emotionale Story zwischen einer privilegierten Frau und ihrem Diener (eigentlich Sklaven) zu machen. Natürlich erst, wenn der Film wieder läuft, da er wahrscheinlich nach der Szene angehalten werden musste, um die Herzinfarkte bei zufällig anwesenden Linken zu versorgen.

Johnny Depp in Cannes
Was allerdings auch zeigt, dass die französischen Filmemacher, die Franzosen generell und erst recht die Regisseurin mit Themen wie Sexualität, Konsum von gutem Speis und Trank und sogar ihrer (auch rassistischen) Vergangenheit besser umgehen können, als wir Deutschen. Aber auch das ist gemeinhin bekannt, wird nur zu selten gesagt.
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Und was wird nun aus Johnny Depp?
Seine Hollywood-Agenten dürften halbwegs zufrieden sein. Er hat nach Jahren wieder einen tollen, großen Film, in dem er zwar noch ein wenig von seinem komödiantischen Talent zeigen kann (mehr augenzwinkernd, da er dies tatsächlich genauso tut). Kein weltweiter Blockbuster, aber er darf uns noch erinnern, was er gut kann. Und mit einer Regisseurin und Hauptdarstellerin, von der man noch Großes erwarten darf.
Ein großes Geschichts- und Sittenepos. Aber akkurat, witzig und romantisch erzählt.
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Karsten Kastelan
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