Die Frau hinter der bewegendsten Rolle des Jahres: Was Sie über Oscar-Gewinnerin Jessie Buckley wissen müssen
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Sara DouedariIn der vergangenen Nacht gewann Jessie Buckley den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre bewegende Darstellung der Agnes Hathaway im Drama Hamnet. Damit krönt die Schauspielerin eine außergewöhnliche Awards-Saison: Nach dem Critics’ Choice Award und dem Golden Globe holte sie sich nun auch den Oscar nach Hause. Mit ihrer vielschichtigen Rolle als trauernde Mutter lieferte sie eine der eindringlichsten Performances des Jahres und schrieb zudem Geschichte als erste irische Schauspielerin, die den Academy Award in dieser Kategorie gewinnt.
Sie gehört längst zu den spannendsten Schauspielerinnen ihrer Generation. Jessie Buckley überzeugt mit starken Rollenentscheidungen, großer emotionaler Tiefe und einer Karriere, die alles andere als geradlinig verlief. Von einer britischen TV-Castingshow über Theaterbühnen bis zu den großen Festival-Leinwänden von Cannes und Venedig führte ihr Weg schließlich bis nach Hollywood. Jessie Buckley beweist, dass Talent, Mut und das richtige Timing manchmal wichtiger sind als ein klassischer Karriereplan.

Jessie Buckley in Chanel-Robe auf dem roten Teppich der Oscars 2026.
Spätestens seit ihren gefeierten Auftritten in Wild Rose, I’m Thinking of Ending Things oder Wicked Little Letters ist ihr Name aus Film und Fernsehen nicht mehr wegzudenken.
Doch wer ist Jessie Buckley eigentlich abseits der Leinwand? Diese fünf Fakten sollten Sie über die frisch gebackene Oscar-Gewinnerin kennen:
1. Eine TV-Castingshow brachte den Stein ins Rollen
Jessie Buckleys Karriere begann überraschend in einer TV-Castingshow. 2008 nahm sie an der BBC-Talentshow I’d Do Anything teil, in der eine Hauptrolle für ein Musical im Londoner West End gesucht wurde. Buckley belegte den zweiten Platz. Zwar gewann sie die Show nicht, doch ihr Auftritt brachte ihr viel Aufmerksamkeit in der Theaterwelt. Bald folgten erste Engagements auf der Bühne und wenig später auch Filmrollen. Rückblickend war die Sendung genau der Moment, der alles ins Rollen brachte.

BAFTA-Gewinnerin für Hamnet bei den EE BAFTA Film Awards 2026 in London.
2. Sie liebt die Musik und hat eine außergewöhnliche Stimme
Aufgewachsen ist sie in einer kreativen Familie in Irland, in der Musik immer eine wichtige Rolle spielte. Dieses Gefühl für Rhythmus und Emotion bringt sie auch in ihre Rollen ein, besonders sichtbar etwa in Wild Rose, wo sie eine angehende Country-Sängerin spielt. Jessie Buckley besitzt nicht nur eine außergewöhnliche Stimme. Sie spielt auch Klavier, Harfe und Klarinette.

Wenige Tage vor der Oscar-Verleihung beim traditionellen Pre-Oscar-Dinner von Chanel im Beverly Hills Hotel in Los Angeles.
3. Andrew Lloyd Webber erkannte ihr Talent früh
Schon während ihrer Teilnahme an „I’d Do Anything“ fiel Jessie Buckley besonders auf. Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber, der Teil der Jury war, zeigte sich beeindruckt von ihrer Stimme und ihrer Bühnenpräsenz. Eine ihrer Performances bezeichnete er damals sogar als außergewöhnlich für jemanden in ihrem Alter. Auch wenn Buckley später nicht den klassischen Musical-Weg einschlug, zeigte sich schon damals, welches Potenzial in ihr steckt.

Die frisch gekürte Oscar-Preisträgerin
4. Erst Indie, dann Serie, jetzt Oscar
Zu ihren frühen TV-Auftritten zählt auch eine deutsche Produktion: In der Serie „Shades of Love“ (deutscher Titel Vier Frauen, basierend auf Geschichten von Rosamunde Pilcher) war Jessie Buckley in drei Episoden zu sehen.
Ihr eigentliches Filmdebüt folgte 2017 mit der Hauptrolle im Drama „Beast“, in dem sie Moll Huntford spielte. Den internationalen Durchbruch schaffte die schöne Irin schließlich mit „Wild Rose“ (2018). Für ihre Rolle als Country-Sängerin erhielt sie eine BAFTA-Nominierung. Danach folgten Auftritte in der HBO-Serie „Chernobyl“, in Charlie Kaufmans Netflix-Film „I’m Thinking of Ending Things“, in der Serie „Fargo“ sowie in den Filmen „The Lost Daughter“ und „Wicked Little Letters“ an der Seite von Olivia Colman. Für The Lost Daughter wurde sie außerdem für einen Oscar nominiert.

Jessie Buckley und Paul Mescal im Oscar-prämierten Film Hamnet.
5. „Hamnet“ wurde zu ihrer erfolgreichsten, aber auch persönlichsten Rolle
Mit der Literaturverfilmung „Hamnet“ von Regisseurin Chloé Zhao gelang Jessie Buckley schließlich ihr bisher größter Erfolg. Im Film spielt sie Agnes Hathaway, die Frau von William Shakespeare, die mit dem Verlust ihres Sohnes Hamnet zu kämpfen hat.
Die intensive Arbeit an dieser Rolle hatte auch persönliche Auswirkungen: In einem Podcast erzählte Buckley später, dass das Projekt in ihr erstmals einen starken Kinderwunsch ausgelöst habe. Kurz nach den Dreharbeiten wurde sie tatsächlich schwanger.
Heute ist sie Mutter einer Tochter und mit Freddie verheiratet, der im Bereich psychische Gesundheit arbeitet und das Rampenlicht lieber ihr überlässt. Über ihn ist kaum etwas bekannt. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Blind Date in London, organisiert von einem gemeinsamen Freund. Ihr erstes Treffen führte sie zu einem Spaziergang am Regent’s Canal und danach noch auf einen Drink. Heute lebt die Oscar-Preisträgerin mit ihrer Familie zwischen London und Norfolk.

In der Rolle der Agnes Hathaway im Drama Hamnet mit Baby im Arm.
In Hamnet spielt sie Agnes Hathaway nicht nur als trauernde Mutter, sondern als spirituelle Frau, die eng mit der Natur verbunden ist, Kräuter sammelt, Menschen und ihre Umgebung aufmerksam wahrnimmt. Besonders eindringlich ist die Szene, in der sie ihr erstes Kind ganz allein in der Stille des Waldes zur Welt bringt. Auch ihre Beziehung zu William Shakespeare wirkt spürbar echt. Buckley spielt eine Frau, die ihren Mann als Künstler stärkt, das Leben der Familie zusammenhält und schließlich eine tiefe Trauer nach dem Tod ihres Sohnes durchlebt, die in jeder Geste und jedem Blick spürbar wird.
Mit Hamnet gewann Jessie Buckley in dieser Saison praktisch alles, was es zu gewinnen gibt: BAFTA, Golden Globe, Critics’ Choice Award und schließlich den Oscar – der bisher größte Erfolg ihrer Karriere.
Lesen Sie auch: Hamnet: Gucken oder nicht gucken, das ist hier die Frage.
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Sara Douedari
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