Woke Neuverfilmung des „Schneewittchen“-Märchens: Wie Disney sich selbst verzwergt
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Der Zeichentrickfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ von 1937 gilt heute als Klassiker. Jetzt hat Disney eine Neuverfilmung in die Kinos gebracht. Über die Hintergründe dieser Neuverfilmung hat sich der Kolumnist Harald Martenstein im Zeit-Magazin Gedanken gemacht.
NIUS dokumentiert den Text in Auszügen:
Zwerge dürfen nicht Zwerge spielen
„Die Produzenten standen naturgemäß vor der Frage, wie sie die sieben Zwerge besetzen sollten. Sie wollten kleinwüchsige Schauspieler nehmen. Sofort gab es Protest. Es sei diskriminierend, wenn kleine Menschen einen Zwerg spielen. Auf der anderen Seite meldeten sich kleinwüchsige Schauspieler, die gegen den Protest protestierten. Im Filmbusiness gebe es normalerweise nicht allzu viele Angebote für sie. Nun aber seien in einer großen Hollywoodproduktion endlich mal sieben gut dotierte Rollen frei. Und dann sollen sie die nicht annehmen dürfen?“
Schneewittchen ohne Zwerge
„Egal, was Disney tat, es war immer falsch. Also beschloss man Schneewittchen und die sieben Zwerge ohne Zwerge zu verfilmen. Das wäre ähnlich revolutionär, wie eine Neuverfilmung von Moby-Dick, in der keine Wale vorkommen. Aus den Zwergen sollten magische Wesen werden, verkörpert durch gutaussehende Menschen von unauffälliger Größe. Sie wurden vorschriftmäßig getestet, also divers. Zwei magische Wesen waren schwarz, eines weiblich; ein magisches Wesen war kleinwüchsig, Letzteres sollte ein Friedensangebot an alle sein. Als während der Dreharbeiten die ersten Bilder der Ersatzzwerge auftauchten, tobte sofort wieder ein Sturm der Entrüstung.“
Die Idee mit den 14 Zwergen
„Wie wäre es, wenn in Schneewittchen und die Zwerge nicht sieben, sondern 14 Zwerge auftreten, besser gesagt: sieben kleine plus sieben große? Schneewittchen ist als moderne junge Frau konzipiert, die für Gleichstellung kämpft. Eine der Folgen dieser Entscheidung besteht darin, dass der Prinz in alter Form abgeschafft wurde. Der Prinz ist, wie ich den Kritiken entnehme, jetzt eine Art politischer Aktivist. Das Ganze kommt offenbar wie eine Lovestory zwischen Carola Rackete und Jan Böhmermann rüber. Ich kann das nicht anschauen, sorry.“
Warum nicht Meghan und Harry?
„Ich hätte es für gut gefunden, wenn Meghan das Schneewittchen gespielt hätte und Harry den Prinzen. Die beiden suchen doch ständig Jobs. Meghan ist außerdem der Beweis dafür, dass einige moderne Frauen durchaus auf Prinzen abfahren. Die Schneewittchen-Debatte war noch in vollem Gange, als Donald Trump Präsident wurde. Disney hat sich den neuen Zeiten sofort angepasst, seine Diversitätsprogramme zusammengestrichen und der Wokeness Goodbye gesagt. Wenn Trump also schon 2021 zum zweiten Mal Präsident geworden wäre, dann hätte womöglich der alte Sylvester Stallone den Prinzen gespielt. Oder sogar Elon Musk? Disney möchte halt unbedingt immer alles richtig machen.“
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