Ist das der schönste Liebesfilm des Jahres?
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- „Past Lives“ ist ein südkoreanisch-amerikanischer Film.
- Er erzählt von einer Liebe, die lange pausiert – und deswegen fast endet.
- Und ist definitiv einer der schönsten Filme des Jahres.
Es gibt eine einfache, aber wunderbar treffsichere Formel für Liebesgeschichten, die so altmodisch ist, dass man sie eigentlich gendern müsste: „Boy meets Girl“.
Ein junger Mann trifft ein junges Mädchen („Trifft“ bedeutet hier, dass es kräftig zwischen ihnen funkt). Dann verliert er sie („Boy loses Girl“). Und dann gewinnt er sie zurück.
Geht natürlich inzwischen problemlos mit einer jungen Dame, die den Mann zurückgewinnt. Aber das ist bei dem koreanisch/amerikanischen Film „Past Lives“, der gerade in unseren Programmkinos läuft (und sicherlich noch lange laufen wird), nicht das Thema.
Drei Menschen sitzen an der Bar
Wir beginnen mit einer Szene in einer schicken Bar in New York: eine asiatische Frau zwischen einem ebenfalls asiatischen und einem amerikanischen Mann. Zwei Stimmen aus dem Hintergrund wundern sich darüber, wie sie sich kennengelernt haben und ob und wie sie zusammengehören.
Die Beantwortung dieser Frage wird einen ganzen Film lang dauern, bei dem wir genau wieder bei dieser Szene landen. Inzwischen wird uns das Leben dieser Menschen in drei Teilen erzählt. Jeder zauberhafter, als der andere – aber ohne Hollywood-Kitsch, mit viel Herz und ebenso viel Verstand.
Es beginnt in Südkorea
Die zwölfjährige Na Young (Seung Ah Moon) und den gleichaltrige Hae Sung (Seung Min Yim) verbindet eine wunderbare Freundschaft – aber immer nur in den Parametern, die ihre strenge Kultur und Tradition ihnen vorgibt. Na Young wird bald nach Amerika auswandern, da ihre Eltern dort bessere berufliche Chancen für sich und ihre Tochter sehen.

Na Young und Hae Sung waren als Teenager beste Freunde.
Dies ist alles geplant und nach Außen undramatisch, obwohl wir fühlen können, dass diese Trennung für beide sehr schmerzhaft ist. Aber Schmerz zeigt man in Asien nicht, sondern fügt sich dem Schicksal. Die Szene, in der beide einfach einen anderen Weg gehen, ist so klug und subtil inszeniert, dass sie einem das Herz bricht.
Zwölf Jahre später kommt Facebook ins Spiel
Durch einen Zufall kommen Na Young, die sich jetzt als Nora amerikanisiert hat und von der großartigen Greta Lee gespielt wird, wieder mit Hae Sung (nun gespielt von Teo Yoo) in Kontakt. Facebook macht es inzwischen möglich, tausende von Kilometern virtuell zu überwinden und Stunden am Tag miteinander zu verbringen. Aber die geografische Distanz ist weit, ihre Leben inzwischen sehr verschieden und eine gemeinsame Zukunft nicht absehbar.
Ohne zu viel verraten zu wollen: Es wird ein weiteres Dutzend Jahre dauern, bis wir zum Ende des Films kommen. Und zu dem Zeitpunkt ist Nora glücklich verheiratet und auch Hae Sung hat eine Freundin.
Und? Wird es nun eine erfüllte oder unerfüllte Liebe?
Im Gegensatz zu einem Hollywoodfilm, bei dem Richard Gere im angetackerten Happy End aus dem Dach seiner Stretch-Limousine mit einem Blumenstrauß winkt, gibt uns „Past Lives“ keine klare und erst recht nicht botanische Antwort.

Filmplakat zu „Past Lives“
Und das ist so, weil Regisseurin Celine Song es uns in ihrem Filmdebüt nicht zu einfach machen möchte, weil das Leben es ja auch nicht tut. Ihr Film ist klar autobiografisch, ihre Bildsprache subtil. Und ihre Betrachtung des Themas eher philosophisch: kann man Menschen zu ganz verschiedenen Zeiten und auf verschiedenen Kontinenten lieben, ohne dieses Gefühl jemals zu verlieren? 
Regisseurin Celine Song wurde 1988 in Südkorea geboren. Mit zwölf Jahren wanderte sie mit ihren Eltern nach Kanada aus.
Nicht jeder Kinozuschauer kann, wird oder will mit einem so subtilen Film klarkommen – insbesondere nicht in der Originalversion, weil man vor lauter Tränen oft nicht die Untertitel lesen kann. Gerade weil die Charaktere nicht weinen, tun wir es für sie.
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Eine schönere Liebesgeschichte dürfte man bis zum Jahresende kaum im Kino finden.
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Karsten Kastelan
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