Kinotipp „Toy Story 5“: Endlich mal ein Familienfilm ohne erhobenen Zeigefinger!
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Quentin Tarantino hat schon angekündigt, sich „Toy Story 5“ nicht anzusehen. Der Grund: Es sei, so der Kult-Regisseur, nicht möglich, die Teile 1–3 zu toppen. Selbst schuld. Denn der fünfte Teil der Spielzeug-Heldensaga ist klug, kurzweilig und versöhnlich.
Wieder geht es um den Cowboy Woody (im Deutschen gesprochen von Michael „Bully“ Herbig), der mit Altherrenglatze und Plauze daherkommt. Es geht auch um die in die Jahre gekommene Jessie, eine Art Cowgirl-Chefin der Spielzeugrasselbande. Natürlich ist auch ihr Verehrer Buzz Lightyear dabei, der Verstärkung von einer ganzen Lightyear-Armada bekommt. Jessie will für ihre Besitzerin Bonnie, eine schüchterne Einzelgängerin, unbedingt Freunde finden. Der Haken: Es ist Amerika, und Kinder werden im Elterntaxi zu Playdates kutschiert. Die achtjährige Bonnie liebt ihre Spielzeuge und erfindet fantasievolle Szenen, während die Mädchen, mit denen sie gern befreundet wäre, nur am Tablet hängen und die Nachbarskinder kein Interesse an neuen Freundschaften zeigen.
Die traurigsten Kameraschwenks über die Wohnstraße zeigen lauter blaue LED-Screens in den Fenstern. Und jeder, wirklich jeder, muss sich im Kinosaal an die eigene Nase fassen: So ist unsere Realität heute. Wer schon mal erlebt hat, wie Kinder bei einem Treffen nebeneinander ins Handy schauen, anstatt draußen zu spielen, weiß, wovon die Rede ist. Es geht um süchtig machende Apps, das Gefühl, etwas zu verpassen, und „echte“ Freundschaften, mit denen Chatgruppen eben nicht mithalten können.

Neue Abenteuer mit Buzz und Woody
Versöhnliches Fazit
Bonnie wünscht sich also auch ein Tablet und wird mit dem froschartigen Lilypad erstmal glücklich. Weil sie für ihre Kindlichkeit (mit 8!) gemobbt wird, werden die ollen Spielzeuge kurzerhand in die Garage verbannt. Als sich die Chat-Freundschaften als Flop entpuppen, blasen die Spielzeuge zur Gegenoffensive. Sie tun sich sogar mit dem Endgegner zusammen – ein paar ausrangierten Elektrospielzeugen und einem Tablet –, um endlich mal ein paar echte Freunde für das einsame Einzelkind aufzutreiben.
Und das ist das Schöne in Zeiten von KI und Social-Media-Verbots-Diskussionen: Toy Story 5 ist kein Film des „Entweder-oder“. Es ist ein Film fürs UND. Kinder brauchen fantasievolle, analoge Spiele, Erwachsene brauchen Zeit ohne Devices. Doch die elektronische Welt darf helfen, sich zu informieren und zu vernetzen. Ob es mit dieser Koexistenz aus alter und neuer Welt im echten Leben ein Happy End gibt, wissen wir alle nicht. Im Kino gibt’s eins. Klar, denn es ist immer noch Hollywood. Toy Story 5 ist ein Film, der nachdenklich macht, ohne mit erhobenem Zeigefinger daherzukommen. Übrigens hatte im Kinosaal während der gesamten 102 Minuten niemand sein Smartphone in der Hand.
Toy Story 5 ist ab 23. Juli in den deutschen Kinos.
Der Soundtrack zum Film von Taylor Swift „I Knew It, I Knew You“ läuft auch bei NIUS Das Radio.
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Melanie Grün
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