„Citizen Vigilante“: Regisseur Uwe Boll erklärt, warum er den Film über Migrantengewalt und Rache drehte
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Ein Independent-Film sorgt für Aufregung: „Citizen Vigilante“ dreht sich um Migrantengewalt in Europa und einen einsamen Rächer. Im Gespräch mit NIUS erklärt Filmemacher Uwe Boll, was ihn motivierte.
Der streitbare deutsche B-Filmemacher Uwe Boll hat einen Actionthriller gedreht, der für das Narrativ des politischen und medialen Establishments veritablen Sprengstoff in sich birgt: In „Citizen Vigilante“ (etwa: der Bürger-Rächer) geht es um Migrantengewalt in Europa und einen schwachen Rechtsstaat, in den die Bürger das Vertrauen verloren haben, weshalb ein Mann selbst für Gerechtigkeit sorgt.
Nun gibt es großen Wirbel um die Entscheidung der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK), dem Streifen nicht einmal FSK 18, sondern das seltene Label KK („Keine Kennzeichnung“) zu vergeben. Damit wird die reguläre Auswertung in Kinos, im Handel, im Fernsehen und auf großen Streamingplattformen praktisch blockiert – ein „faktisches Verbot“ und damit ein Fall von Zensur, wie Kritiker meinen. Auch Regisseur Uwe Boll sprach gegenüber der englischen Tageszeitung Daily Telegraph von einer „klaren Zensurentscheidung“, gegen die er schon – bisher erfolglos – juristisch vorging.
Eine gute Nachricht für alle, die sich selbst ein Bild machen wollen: Dank Elon Musk ist Uwe Bolls „Citizen Vigilante“ jetzt für 48 Stunden auf der Plattform X zu sehen. Wie der Regisseur im Gespräch mit NIUS sagte, werde der Film damit zum Thema im Kulturkampf. Es sei „wichtig, dass man die Barriere durchbricht“.
„Dieser Film ist zornig wegen der Politiker, die uns regieren“
Im Film geht es um den in Europa ansässigen amerikanischen Immobilienunternehmer Sanders (gespielt von Armie Hammer), der die Nachsicht staatlicher Institutionen mit Tätern aus Afrika und der islamischen Welt satt hat und zur Selbstjustiz greift. Daran und an den durchaus brutalen Szenen, die „Citizen Vigilante“ zweifellos enthält, kann die Vergabe von KK nicht liegen. In zahlreichen erfolgreichen Actionfilmen üben die Protagonisten Selbstjustiz, und in den vier „John Wick“-Filmen tötet der Hauptdarsteller insgesamt 439 Personen.
Brisant ist vielmehr, dass Boll hier einen Gegenentwurf zum üblichen „Tatort“ geschaffen hat, in dem Ausländer immer zu Unrecht verdächtigt werden und sich am Ende ein weißer Mann als Täter entpuppt – gern ein Unternehmer, Banker oder Immobilienmakler. Für Boll hat das mit der Realität nichts zu tun. Er wollte einen „radikalen Film“ drehen, der eine Debatte über die extremen Schattenseiten der illegalen Migration auslöst.
Boll sagte NIUS, er sehe dringenden Handlungsbedarf: „Dieser Film ist zornig wegen der Politiker, die uns regieren.“ Sein Werk ergebe ein „alternatives faktisches Stimmungsbild“, es zeige, was man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verschweige. Wenn man Selbstverständlichkeiten ausspreche, werde man dafür angegriffen: „Es ist keineswegs eine rechte Gesinnung, weil man Missstände ausspricht.“

Uwe Boll hat aus ehrlichem Frust einen zornigen Film produziert.
„Keine faire Diskussion über die echten Probleme“
„Meine Motivation, den Film gedreht zu haben“, so Boll zu NIUS: „Weil’s kein anderer macht.“ Er sei seit 20 Jahren Outsider und greife Themen auf, die die Leute wirklich interessieren. Und die hätten das Gefühl, sich nirgendwo mehr politisch zu Hause zu fühlen. „Wir haben keine faire Diskussion darüber, was man für die Sicherheit im Land tun kann oder gegen die Islamisierung, nur eine Diskussion über ein AfD-Verbot.“
Die FSK hingegen meint, Bolls Film würde zur Gewalt gegen Migranten anstiften und die Hauptperson Sanders sei geeignet, als Vorbild zu erscheinen. Bei aller Fiktionalität habe der Film „einen hohen Realitätsbezug insbesondere durch die verhandelten Themen und die Spiegelung des Geschehens in TV-Nachrichten und sozialen Medien, so dass für gefährdungsgeneigte Jugendliche, auf die bei der Entscheidung abgestellt wurde, eine ausreichende Distanzierung ausgeschlossen und vielmehr ein Verfangen der problematischen Aspekte und Botschaften angenommen wurde“.
Gefährlich nah an der Realität
Boll weist das im Gespräch mit NIUS zurück. Schon beim Einspruch gegen die FSK-Entscheidung hatten seine Anwälte argumentiert, der Film sei kein Aufruf zur Gewalt, lege Selbstjustiz nicht als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung vermeintlicher Gerechtigkeit nahe, sondern zeige die Eskalation einer außerhalb des Rechts handelnden Einzelfigur.
„Citizen Vigilante“ ist ein fiktionales Konstrukt, das allerdings gefährlich nah an der Realität ist – und das macht ihn für die FSK so gefährlich. Es beschreibt, was passieren könnte, wenn sich die Europäer gegen die kulturfremde Einwanderung wehren. Der Protagonist des Films knöpft sich migrantische Kriminelle vor. Am Ende tötet er sechs Jugendliche, die ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigten, sowie die muslimische Familie eines der Täter, die archaische Wertevorstellungen pflegt und meint, das Opfer habe es „verdient“, weil es die Jungs mit leichter Bekleidung provoziert habe.
Boll wurde inspiriert von einem ähnlichen Fall, der sich 2016 in Hamburg ereignete. Bis auf einen kamen alle Täter mit Bewährungsstrafen davon. Sanders tötet im Film jedoch nicht nur die kriminellen Jugendlichen, sondern auch den Richter, der das milde Urteil mit fehlenden Bemühungen der Gesellschaft begründete, die Migranten zu integrieren, sie also selbst zu Opfern machte.
Gerechtigkeit herstellen, wo der Staat versagt
Sanders stellt – wie in dem satirischen Independent-Film „Muxmäuschenstill“ – durch seine Selbstjustiz die Gerechtigkeit her, die den Opfern von staatlicher Seite nicht widerfährt. Er sendet Videobotschaften aus, in denen er verpixelt zu sehen ist und die Menschen dazu aufruft, sich gegen diejenigen zur Wehr zu setzen, die ihnen die eingewanderte Kriminalität zumuten, also Richter, Staatsanwälte, Polizisten, korrupte Beamte. Seine Appelle kommen an, einige Menschen, die sich sonst hilflos fühlen, betrachten ihn als ehrenwerten Rächer.

Filmszene: Sanders (Armie Hammer) lauert den jungen Vergewaltigern auf.
Es sind wohl diese „Call-to-Action“-Aufrufe des Protagonisten, die man für gefährlich hält. Jedenfalls in den Kreisen, aus denen die FSK besetzt ist. Boll meint dazu, die Jurys setzten sich, wie die Rundfunkräte, aus Vertretern der sogenannten „Zivilgesellschaft“ zusammen: aus Kirchen, Gewerkschaften und Vereinen, also dem NGO-Komplex, und die leugneten die dramatische Realität. Fakt sei aber, dass Massenvergewaltigungen vor allem von jungen Migranten begangen würden. Der Regisseur meint, es gehe jedenfalls nicht an, dass acht Jurymitglieder darüber bestimmen, was 50 Millionen Deutsche sehen.
Der Rachefeldzug der fiktiven Figur Sanders, der in „Dexter“-Manier bislang davongekommene Verbrecher selbst bestraft, ist dabei nicht blindwütiger Art. Meist gibt er eine zweite Chance und erklärt noch einmal die Regeln: „Die Gesetze sollen die Opfer schützen, nicht die Täter“, sagt er dem Richter, der die sechs jungen Vergewaltiger freisprach. Zur muslimischen Familie: „In den sozialen Medien hat Ihr Sohn geschrieben, sie habe es wegen ihres Miniröckchens verdient, vergewaltigt zu werden … Sind das die Werte, die Sie Ihren Kindern vermitteln?“
Kein expliziter Aufruf zur Gewalt
Jugendlichen Schwarzfahrern erklärt er, dass, „wenn man seine Busfahrkarte nicht bezahlt oder im Laden eine Banane stiehlt“, letztendlich die Kosten für alles für alle anderen steigen. Sie hören nicht auf ihn, überfallen später einen Jungen, berauben und verprügeln ihn – und Sanders bricht ihnen die Knochen.
Das alles kann man brutal, übertrieben oder geschmacklos finden, ein expliziter Aufruf zur Gewalt jedoch lässt sich objektiv nicht aus der Handlung herauslesen. In einer seiner Videobotschaften sagt Sanders zwar: „Ich tue das für euch, bis ihr lernt, es für euch selbst zu tun“. Und im Abspann heißt es: „Dieser Film ist den Tausenden von Vergewaltigungs- und Mordopfern in Europa gewidmet, die von unserem Rechtssystem im Stich gelassen wurden.“ Doch bleibt der Film, wenn auch stark an die Realität angelehnt, fiktional. Europäische Zuschauer werden allerdings an die eigene Gewohnheit der Passivität und des Gehorsams erinnert, die der Staat ihnen verordnet, wenn es um die Folgeschäden der unkontrollierten Massenmigration geht.
Ein Held ist Sanders nicht
Ansonsten erscheint Sanders nicht wirklich als Held. Wenn das Vergewaltigungsopfer über die Täter sagt: „Ich will sie alle hinter Gittern sehen. Für den Rest ihres Lebens“, vollstreckt Sanders nicht den Willen des Mädchens, sondern vereinnahmt sie für seine eigene Gewaltlogik.
So betrachtet er seine älteren Angestellten, die nicht so jung und stark sind wie er, mit Geringschätzung („Hier riecht’s wie im Pflegeheim, hier gehört dringend frisches Blut rein“) und fordert sie dazu auf, die Mieter seiner Gebäude bei Mietrückständen umstandslos auf die Straße zu werfen. Er ist geldgierig und scheint beziehungsunfähig zu sein, weshalb er ein Bordell aufsucht, wo sich eine bizarre Szene abspielt. Als Identifikationsfigur taugt er nicht.

Selbstjustiz: Mit Gewalt sorgt Sanders für späte Gerechtigkeit.
Uwe Boll, der die Missstände in Deutschland beklagt, wünscht sich, „man sollte den Film im TV zeigen und anschließend eine Podiumsdiskussion machen“. Daraus dürfte nichts werden; dafür erlebt der Filmemacher ungewohnte Zustimmung zu seinem Werk, reichliche Erlöse aus US-Kinos und Aufrufe auf Streaming-Plattformen und weit mehr Aufmerksamkeit, als er ohne die FSK-Entscheidung erlangt hätte. In den sozialen Netzwerken kursieren Links zum Film, es gibt heftige Debatten, Videos, Podcasts, in denen es um Bolls Film geht. Ein Paradebeispiel für den „Streisand-Effekt“, der den ungeschickten Versuch beschreibt, eine unliebsame Information zu unterdrücken, um das Gegenteil zu erreichen, in diesem Fall also die Reichweite von „Citizen Vigilante“ (obwohl er – jedenfalls bisher – nur in Englisch zu sehen ist), um ein Mehrfaches zu steigern.
Die FSK „prüft“ noch einmal, Ende offen
Die Angelegenheit ist noch nicht ausgestanden. Uwe Boll hat mit der FSK gesprochen, sie will „Citizen Vigilante“ noch einmal sichten. Möglicherweise stuft sie ihn dann als FSK 18 ein, sodass Erwachsene den Film problemlos sehen können. Eben das versuchen jene zu verhindern, denen sehr wohl bewusst ist, wie wütend die Menschen auf die Politik und die Justiz sind, und die sich angesichts archaischer Gewalttaten religiöser Fanatiker vom Staat im Stich gelassen fühlen.
Diese aber werden kriminalisiert, wenn sie sich über migrantische Gewalt äußern. Boll verwehrt sich gegen solche Vorwürfe („Ich bin kein Nazi!“) und sieht sich einem Klima ausgesetzt, in dem jede kritische Haltung zu Themen wie Asyl, Migration oder Sozialpolitik sofort in eine rechtsextreme Ecke gestellt werde. In Ländern wie Deutschland oder Großbritannien werden solche „Hassverbrechen“ schließlich härter verfolgt als schlimmste Gewalttaten eingewanderter Männer.
„Eine Zensur findet nicht statt“, lautet der berühmte Satz aus Artikel 5 Absatz 1 des deutschen Grundgesetzes (GG), der die freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit garantiert. Die FSK-Entscheidung aber bedeutet genau das: eine Beschneidung der künstlerischen Freiheit durch die Hintertür, weil der Staat die Zensur, die er selbst nicht ausüben darf, an die „Zivilgesellschaft“ auslagert.
Uwe Boll hat übrigens den Regieverband, den Drehbuchverband, den Produzentenverband und die Filmakademie angeschrieben und gefragt, wie diese zur Zensur stünden – er erhielt nicht eine einzige Antwort.
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Claudio Casula
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