Vom Publikum gefeiert, von der Kritik verrissen: Die Anti-Macho-Komödie „Ladies First”
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Die Anti-Macho-Komödie „Ladies First“ läuft erst seit kurzem auf Netflix, und schon wird wild diskutiert: Feministinnen feiern den Film, Kritiker sind entsetzt. Sacha Baron Cohen („Borat“) spielt Damien, einen typischen Business-Platzhirschen in einem Londoner Büro. Nach einem Zusammenprall mit einem Laternenpfahl, wacht er in einer Parallelwelt auf, in der die Frauen sich wie Machos aufführen und, in der Männer entweder Assistenten oder Sexualobjekte sind: Auf jedem Werbeplakat räkelt sich ein halbnackter Kerl, der Dessous-Laden heißt Victor’s Secret, gegessen wird Burger Queen.

Die Komödie verzeichnete in den ersten zehn Tagen weltweit rund 31 Millionen Abrufe.
Aus Komödie wird „Gendertainment“
Und in dieser neuen Welt erlebt der frühere Chauvi, wie es ist, vom anderen Geschlecht ständig übergangen zu werden: Weibliche Chefinnen unterbrechen seine Wortbeiträge, übergehen seine Ideen und kommen mit schlüpfrigen Sprüchen. Das hat jede Frau schon einmal erlebt. Hier wird es klug gespiegelt und sorgt für manche Lacher, in die sich ein erschrockenes Oha mischt: So ist es ja wirklich oft.
Der Film, eine Neuauflage der französischen Gender-Swap-Komödie „Kein Mann für leichte Stunden“, macht fast über die gesamte Länge Spaß, kippt aber dann ins platt-feministische Genre und wird schließlich zu Gendertainment. Und das kommt nicht bei allen gut an.
Die Financial Times ätzt: „Sacha Baron Cohen wird gleich zu Beginn der Netflix-Komödie ‚Ladies First‘ bewusstlos geschlagen – ein Film, bei dem man sich hin und wieder wünscht, es möge einem selbst ebenso ergehen.“ Die Süddeutsche Zeitung schreibt über den Cast: „Neben Baron Cohen und Pike ist ein Who’s Who der britischen Theater- und Filmkunst vertreten. Doch auch die können diesen missglückten Film nicht retten.“ Die New York Times findet, der „bequeme Feminismus“ nutze sich rasch ab.

Girlboss-Vibes: Die frühere Angestellte wird jetzt selbst zum Büro-Macho.
Feminismus mit der Brechstange
Und das ist leider wahr: Die lustige Idee mit dem ernsten Hintergedanken kommt als Feminismus mit der Brechstange daher. Linke Frauen feiern den Film für seine „Girlboss“-Charaktere, die Männer aus Prinzip nicht ins Machtzentrum lassen, sich auf Chefsesseln fläzen, dreckige Witze reißen, sich in der U-Bahn an Typen reiben und bei der kleinsten Befindlichkeit fragen, ob der Kollege „diese Zeit des Monats“ habe.
Hauptdarsteller Damien, dessen Namen sich niemand merken kann, muss dennoch mitmachen: Er muss sich die Weichteile waxen lassen und bekommt Penis-Filler, um fürs andere Geschlecht attraktiv zu sein. Er quält sich beim Sport und kauft neue Kleidung. Die Kritikerinnen jubeln – und vergessen offenbar, dass auch Männer unter Umständen ins Gym und zur Kosmetik rennen, um im Spiel zu bleiben. Der Spiegel schreibt, man wolle „permanent auf Pause drücken, zurückspulen und daraus virale Videos für Social Media machen“, so detailverliebt sei dieser Rollentausch. Die Bücher im Film heißen „Harriet Potter“, im Fernsehen spricht eine Päpstin. Der Spiegel schreibt, „dass man als Zuschauerin aus dem heftigen Nicken nicht mehr herauskommt. Weil das alles für Millionen von Frauen total alltäglich ist.“ Der Film sei ein Meisterinnenwerk.
Wer einfach nur zwei Stunden Entertainment will, der verfolgt jetzt, wie der abservierte Mann und seine neue Vorgesetzte sich bekriegen, sich dann eine Ringkampf-ähnliche Bettszene liefern. Es folgt: das ganze alte Lied von Affären mit Untergebenen, einer Klage, Damiens Abstieg. Er wird gefeuert, zieht wieder bei Mutti ein und trägt Pulli statt Anzug.
Das Ende? Spoilern wir nicht. Aber es ist so platt, dass Feministinnen frohlocken und Kritiker würgen. Eine Komödie, die jeden und jede bei den eigenen Vorurteilen packt, ist gelungen. Eine Komödie, die am Ende alles ideologisch zurechtbiegt, ist nur halb gelungen. Wer all das ausblenden kann, hat sicher trotzdem einen netten Abend.
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Melanie Grün
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