Erfolgshungrig und bodenständig: Warum die Deutschen Poldi immer noch feiern
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So einen wie ihn bräuchte Fußballdeutschland jetzt wieder. Wenigstens als Netflix-Doku gibt es jetzt eine Extra-Portion Poldi.
Zwei Jahre lang hat sich Lukas Podolski, 41, von der Produktionsfirma „bildtonfabrik“ begleiten lassen. Das Ergebnis: ein Film über einen Mann, auf den sich irgendwie alle einigen können.

Zwei Jahre lang ließ sich der 41-jährige Podolski vom Kamerateam in Privatjets, auf dem Fußballplatz und beim Familienleben begleiten.
Einer von uns
Nicht ohne Grund schoss die 90-minütige Doku direkt an die Spitze der Netflix-Charts. Wer nach all den Fußball-Dokus auf die immergleichen Spiel-Triumph-Szenen vorbereitet war, wird positiv überrascht: Es sind Poldis Tanten an der Kaffeetafel, seine Oma Zofia und sein Vater Waldemar, die zu Wort kommen. Und, ja, auch Weggefährten wie Jogi Löw, Oliver Kahn, Thomas Müller und Toni Kroos.
Doch es sind vor allem die Bilder von Poldi mit seiner Familie, seiner Frau Monika und seinen drei Kindern, die ihn am besten erklären: dieses Geerdetsein trotz Döner-Kette und Eisdielen, trotz Flügen im Privatjet und einem vollen Terminplan. Er könnte einer von uns sein, ein einfacher Junge mit polnischen Wurzeln, der Vater Fußballer (der berühmte Sohn schenkte ihm von seinem ersten dicken Geld einen Audi), die Mutter früher Putzfrau. Der Sohn bei der WM 2006 zum Best Young Player gekürt, 2014 Weltmeister in Brasilien (obwohl er dort nur 53 Minuten Spielzeit hatte).

Podolski wurde bei der WM 2006 „Bester junger Spieler" und hängte den damals 21-jährigen Cristiano Ronaldo und den 19-jährigen Lionel Messi ab.
Man kann diesen Mann nicht nicht mögen, so geradeheraus spricht er, so herzlich wirkt er, so viel Lust auf Erfolg hat er immer noch. Und das alles mit dem ewigen Lausbuben-Charme. Bei der Premiere im Kölner Stadion vergangene Woche – kleiner hatte er’s nicht – sagte Podolski vor 500 geladenen Gästen: „Wenn man die Hosen runterlässt, muss man sie auch unten lassen.“
Und man sieht im Film viel von Poldi mit runtergelassenen Hosen: in der Onzen-Quelle in Japan (wo er von 2017 bis 2020 spielte), aber im übertragenen Sinne auch mit seinen Kindern, 18, 10 und 3 Jahre alt.
Wohin mit all der Power?
Für die Doku hat seine eher medienscheue Frau eine Ausnahme gemacht und Interviews gegeben, weil sie diese andere Seite an ihm zeigen wollte: die schwere Ehekrise 2008, den liebevollen, lustigen Familienvater, der auch mal von seinen Jugendsünden erzählt: Diebstähle, Einbrüche, Ticketverkäufe auf dem Schwarzmarkt. Wir sehen Poldi als Papa, der seinem Sohn zusammen mit Opa Waldemar beim Fußball zuschaut, der dort den Biss, den Hunger vermisst, den er selbst immer hatte. Andere werden mit 41 behäbig, Poldi scheint immer noch vor Energie zu platzen. Sein Händchen fürs Geschäft haben den umtriebigen Kölner nicht nur erfolgreich, sondern extrem beliebt werden und bleiben lassen. Zur Eröffnung eines seiner Döner- oder Eisläden kommen Hunderte Fans, regelmäßig muss die Polizei anrücken.
Poldis Fußballstationen klingen beeindruckend: Köln, München, Köln, London, Mailand, Türkei, Japan, Türkei, Polen. Seine aktive Karriere ging mit einem Pokalsieg für den polnischen Verein Górnik Zabrze zu Ende. Was nun? Wohin mit all der Power? Bundestrainer würde er nicht werden wollen, so Poldi.

Eine Modekollektion, eine Dönerkette, Eisdielen, ein Festival – Podolski ist nach seiner Karriere als Unternehmer aktiv.
Der dpa sagte er in einem Interview, die Deutschen hätten einen Hang zum Neid und zum Meckern. Vielleicht deshalb hob er das „Glücksgefühle-Festival“ am Hockenheimring aus der Taufe, ein Fest mit 100.000 Besuchern, wo er selbst gern mal campt und Würstchen brät.

Zur Premiere ins Stadion kamen NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Fußballer wie Christoph Kramer und Prominente wie Oli Pocher.
Die WM 2026 wird sich der Unternehmer sicher anschauen. Poldi ist oben angekommen und mit den Füßen immer fest am Boden geblieben. So einen bräuchten wir jetzt.
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Melanie Grün
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