Neue Erkenntnisse im Sechsfachmord von Stade: Welche Rolle spielt die Mitbewohnerin des Täters, Enise Ö.?
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Am 30. Juni 2026 erschoss ein 45-jähriger Mann in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade sechs Menschen. Die Tat ereignete sich unmittelbar nach einem Gespräch über das Sorgerecht für sein drei Monate altes Baby. Der Täter, Fatih G. aus Garbsen, hatte zuvor eine Waffe aus dem Auto geholt und gezielt auf die anwesenden Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamts gefeuert.
Trotz intensiver Ermittlungen der Polizei bleiben viele Fragen offen. Exklusive Recherchen von NIUS werfen nun ein neues Licht auf eine Frau namens Enise Ö. Das Auto war bereits fünf Wochen vor der Tat von Enise Ö. auf Sylvia S. umgemeldet worden. Fatih G., der Täter, ist an derselben Adresse wie Enise Ö. gemeldet.
Wie die Tat ablief
Fatih G. und die Mutter des Kindes befanden sich in der Einrichtung in Stade, weil es um das Sorgerecht für ihre gemeinsame Tochter ging. Das Jugendamt hatte den Eltern das Baby wegen des Verdachts auf Misshandlung entzogen. Während des Gespräches eskalierte die Situation.
Der Täter verließ kurz den Raum, holte eine Waffe und kehrte zurück. Er erschoss zuerst den Heimleiter, der gerade aus dem Gebäude kam und nach Hause fahren wollte. Danach ging er in den Raum, in dem sich weitere Personen aufhielten, schickte die Mutter seines Kindes hinaus und erschoss fünf weitere Menschen. Insgesamt starben sechs Personen.
Nach der Tat flüchtete er zusammen mit Sylvia S. im Auto. Die Ermittler gehen davon aus, dass er die Frau unter Waffengewalt zwang, mit ihm zu fliehen und das Auto zu fahren. Der Täter wurde später festgenommen. Er wollte sich nach der Tat selbst das Leben nehmen, hatte allerdings keine Munition mehr.
Das Motiv
Nach bisherigen Erkenntnissen sehen die Ermittler den Sorgerechtsstreit als zentrales Tatmotiv. Die Inobhutnahme des gemeinsamen Kindes hatte den Konflikt zwischen den Eltern und dem Jugendamt erheblich verschärft. Sowohl die Eltern als auch Sylvia S. machten den Behörden schwere Vorwürfe und sollen sich von ihnen ungerecht behandelt gefühlt haben.
Hinzu kommt eine Vorgeschichte aus der Türkei: Dort soll gegen Fatih G. wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs seiner Tochter aus früherer Partnerschaft ermittelt worden sein. Laut Unterlagen des türkischen Justizsystems UYAP befand er sich zeitweise in Untersuchungshaft, floh jedoch und kam nach Deutschland. Die Tat war demnach keine spontane Verzweiflungstat, sondern die Eskalation lang anhaltender Konflikte mit den Behörden.
Das Fluchtauto wurde fünf Wochen vor der Tat umgemeldet
Das Auto, mit dem Fatih G. und Sylvia S. vom Tatort flohen, war ursprünglich auf Enise Ö. zugelassen. Erst fünf Wochen vor der Tat wurde es auf Sylvia S. umgemeldet.
Die Ummeldung erfolgte zu einem Zeitpunkt, zu dem es bereits Indizien für einen Tatplan gab. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Enise Ö. und der Täter die Patentante bewusst getäuscht haben könnten, um die Verbindung zwischen Fatih G., Enise Ö. und dem Fahrzeug zu verschleiern. In diesem Fall wäre die Ummeldung des Fahrzeugs kein zeitlicher Zufall gewesen, sondern eine bewusste Maßnahme zur Spurenverwischung. Es würde auch bedeuten, dass die Tat bereits vor mindestens fünf Wochen geplant wurde.
Die mysteriöse Rolle von Sylvia S.
Offen bleibt, ob Sylvia S. den Fluchtplan kannte und bewusst geholfen hat, den Täter aus der Einrichtung zu bringen, oder ob sie – wie die Ermittler zunächst annahmen – unter Waffengewalt zum Fahren gezwungen wurde. Hätte sie im Auto vor der Tür gewartet, hätte sie die zeitliche Abfolge der Schüsse direkt mitbekommen, zumal der erste Mord direkt im Vorgarten der Einrichtung geschah. Zeugenaussagen, die besagen, dass das Auto bereits mit laufendem Motor auf den Täter wartete, würden zu einer gemeinsam geplanten Flucht passen.
Weitere Fragen wirft ein rund 20-seitiger Brief von Sylvia S. auf, der drei Tage vor der Tat an verschiedene Medien verschickt wurde. In dem Schreiben erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden und das Jugendamt. Ob Sylvia S. den Brief auf eigene Initiative hin verfasste oder ob Fatih G. Einfluss auf die Entstehung des Dokuments nahm, ist Gegenstand weiterer Ermittlungen.
Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt inzwischen auch gegen Sylvia S. wegen Mordverdachts. Ihre genaue Rolle, ob sie von dem Täter instrumentalisiert wurde oder ob sie tiefer in die Vorbereitung und Fluchtplanung involviert war, gehört derzeit zu den zentralen offenen Punkten der Ermittlungen.
Die Ermittlungen zum Sechsfachmord von Stade sind noch nicht abgeschlossen. Es gibt viele offene Punkte: Wie tief war Enise Ö. wirklich in die Vorbereitung der Tat involviert? Warum wurde das Auto genau fünf Wochen vorher umgemeldet? Und die entscheidende Frage: War Sylvia S. Teil des Mordkomplotts oder nur das Opfer einer perfiden Manipulation durch den oder die Täter?
Richtigstellung:
In einer früheren Fassung dieses Artikels ist uns ein Fehler unterlaufen. Aufgrund einer Namensgleichheit haben wir Enise Ö. falsch zugeordnet. Wir gingen zunächst davon aus, dass es sich bei der fraglichen Person um Enise Ö. aus Hannover handelt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Enise Ö. aus Garbsen. Das stellen wir hiermit richtig. Den Fehler bitten wir zu entschuldigen.
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Florian Morsch
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