Merz’ katastrophale Kommunikation – die große Analyse
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Nach den vergangenen Tagen muss ich eingestehen, dass ich mich möglicherweise in Friedrich Merz getäuscht habe. Ich hege nunmehr den schrecklichen Verdacht, dass der Bundeskanzler noch unfähiger ist, als ich dachte. Seine Unfähigkeit beginnt und endet mit seiner Kommunikation.
Die „Achtung, Reichelt!“ Folge vom 1. Juni sehen Sie hier:
Als Journalist und politischer Chronist dieses Landes ist es faszinierend, die kommunikativen Bruchlandungen des Kanzlers in Dauerschleife zu beobachten, so wie alles nie Dagewesene immer faszinierend ist. Aber als Staatsbürger, der seinem Land eine vernünftige, seriöse Regierung und eine Rückkehr zum Wachstum wünscht, ist es nur noch furchterregend.
Sie erinnern sich an den Albatros aus Walt Disneys Bernhard und Bianca, der sich ständig überschlägt, wenn er zu landen versucht? Friedrich Merz ist der Albatros der Kommunikation. Wann immer der Bundeskanzler mit seinen Worten bei irgendwem landen will, überschlägt er sich.
Merz’ Kommunikation ist noch schlechter als seine Politik
Einen so katastrophal schlechten Kommunikator wie Friedrich Merz hat es an der Spitze der Bundesregierung noch nie gegeben. Um es klar zu sagen: Gute Kommunikation würde die Politik von Friedrich Merz inhaltlich kaum besser machen. Aber: Merz schafft es, dass seine Kommunikation sogar NOCH schlechter ist als seine Politik, die nahezu ausschließlich aus Wortbruch, Lügengeschichten, Untätigkeit und verheerenden Zugeständnissen an die SPD besteht. Normale Politiker beschönigen, besänftigen und umschmeicheln durch Kommunikation.
Friedrich Merz verschlimmert, beschimpft die Bürger und bringt Millionen Menschen gegen sich auf.
In einer spektakulären Abrechnung mit der Kommunikation des Bundeskanzlers hat der Publizist Albrecht von Lucke vor wenigen Tagen gesagt, die einzige Bevölkerungsgruppe, die Merz noch nicht gegen sich aufgebracht habe, seien Kleinkinder:
Wer sagen muss, dass er der König ist, ist nicht mehr der König
Friedrich Merz hat die Aura der Macht längst verloren. Eine der ältesten Machtregeln der Weltgeschichte lautet: Wenn Du sagen musst, dass Du der König bist, dann bist Du nicht mehr der König. Es gibt kaum eine Rede, in der Friedrich Merz nicht erwähnt, dass er der Bundeskanzler ist. Er muss sich kommunikativ selbstvergewissern, weil er spürt, dass ihn niemand mehr ernst nimmt, und genau dadurch erodieren die Reste seiner Macht nur noch mehr.
Er versucht mit Worten zu heilen, was er mit Worten angerichtet hat.

Friedrich Merz hat die Aura der Macht längst verloren.
Friedrich Merz ist der Typ Mensch, der anderen gerne sagt, ich hab’s Euch ja gesagt, was im Fall von Friedrich Merz auch stimmt, weil er zu jedem Thema zu allen schon wirklich alles gesagt hat.
Der Bundeskanzler duldet keinen Widerspruch, außer von sich selbst.
Friedrich Merz erzählt jedem Raum, was der Raum gerade hören will, weil er das Zeitalter der globalen Echtzeitkommunikation nicht verstanden und nicht begriffen hat, dass es keine geschlossenen Räume mehr gibt. Er lebt in der hermetischen Welt des Zeitungszeitalters, in der Worte und Sätze träge waren und zu langsam reisten, um großen Schaden anzurichten. Wie der schnelle Videoclip die Welt verändert hat, vermag Merz nicht zu nutzen. Stattdessen liebäugelt er mit autoritären Ideen, dieses lästige Social Media zu regulieren und den Zugang einzuschränken. Merz, so sagt er es selbst, will jetzt Klarnamen sehen. Schluss mit den anonymen Witzen und Memes über die Mächtigen.
In Merz’ Reden geht es nicht ums Land, sondern um ihn
Merz kommuniziert viel zu häufig und unausgewählt, weil er so gerne große Reden schwingt und historische Linien zieht. In seinen Reden geht es nicht ums Land und die Menschen, sondern um ihn, Friedrich Merz, der mit dem immer dramatischeren inhaltlichen Scheitern zu einer immer gewaltigeren, historischen Heldengestalt wird, der – in seinen eigenen Worten – nicht nur Deutschland vor dem Vierten Reich bewahren, sondern auch noch ein Land reformieren muss, in dem die Menschen leider arbeitsscheu und satt sind, nicht mehr so flink und flexibel wie die Trümmerfrauen. In der großen Erzählung des Friedrich Merz hat Friedrich Merz es mit Deutschen zu tun, die nur allzu bereit sind, sich wieder in den Fanatismus zu stürzen, wovon er sie abhalten muss, aber leider nicht mehr so fleißig wie nach dem Krieg, weswegen er, Merz, sie antreiben muss.
Ein politischer Gewohnheitslügner mahnt das Land zu mehr Ehrlichkeit
Erstaunlich ist, dass Merz bis heute nicht verstehen will, warum diese Sicht auf die Deutschen ihn zum unbeliebtesten Politiker des Landes gemacht haben könnte. Merz versteht nicht, dass die Deutschen sich nur ungern als extremismusverdächtige Faulpelze beschreiben lassen. Merz, der die Menschen belogen hat wie kein Kanzler vor ihm, möchte als Mahner unbequemer Wahrheiten anerkannt sein. Er mahnt das politische Deutschland zu mehr Ehrlichkeit:
Merz merkt wirklich nichts mehr – und er hat offenbar niemanden mehr, der ihn von solchen Sätzen abhält. Ein politischer Gewohnheitslügner, der im Land mehr Ehrlichkeit anmahnt, verliert die Menschen erdrutschartig. Natürlich tut er das. Aber Merz versteht das nicht.
Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
Friedrich Merz ist auch ein Dampfplauderer, dem kaum jemand folgen kann. Die Sätze, die ihm wichtig sind und von Geoökonomie und tektonischen Verschiebungen handeln, versteht kein Mensch, vermutlich nicht mal er selbst.
Friedrich Merz ist überzeugt davon, dass er am besten ist, wenn er ganz er selbst ist, wenn er einfach ausspricht, was ihm gerade einfällt. Das Problem ist: Erstens funktioniert politische Kommunikation so nicht. Und zweitens weiß niemand mehr im Land, wann denn Merz er selbst ist, weil er zu allem schon alles und das Gegenteil gesagt und seine kernigsten Aussagen fast immer zurückgenommen hat.
Hier ist der Bundeskanzler, für den es nur Krisenkommunikation gibt, weil nahezu alles, was er sagt, eine Krise auslöst:
Mal war es zutreffend, was Merz gesagt hat, mal frei erfunden. Manches war vollkommen falsch, anderes völlig richtig. Aber immer war es unkontrolliert und undurchdacht.
Hochmut. Kontrollverlust. Überheblichkeit.
Kommunikation ist Kontrolle. Kontrolle der Botschaft. Die besten Politiker schaffen es, spontan emotional zu wirken, während sie komplett kontrolliert sind und wie herausragende Schauspieler scheinbar spontan aussprechen, was sie sich vorher mühsam aufgeschrieben haben. Bei Friedrich Merz ist es umgekehrt. Er wirkt unwirsch, unbeherrscht und unkontrolliert, selbst wenn er vom Teleprompter abliest.
Friedrich Merz ist nicht fleißig genug, um sich VORHER mal Gedanken zu machen, was er den Deutschen eigentlich mitteilen will.
Er hält diesen Fleiß für überflüssig, weil er sich dem Land und seinen Menschen überlegen fühlt. Das nennt man Hochmut. Friedrich Merz ist ein hochmütiger Gernegroß. Hochmut. Kontrollverlust. Überheblichkeit.
Kein deutscher Politiker hat sich häufiger von sich selbst distanziert, sich selbst schärfer widersprochen, sein Wort häufiger gebrochen und revidiert als Friedrich Merz.
Rhetorisches Schleudertrauma
Allein, was Friedrich Merz alles zur AfD gesagt hat, ist ein rhetorisches Schleudertrauma: Mit Landräten und Bürgermeistern der AfD müsse man zusammenarbeiten, dann nein, man dürfe auch auf kommunaler Ebene nicht mit der AfD arbeiten. Ich gucke nicht nach links, ich gucke nicht nach rechts, ich gucke nur geradeaus, aber es darf keine Zufallsmehrheiten mit der AfD geben. Ich stelle zur Abstimmung, was ich für richtig halte, aber ich bedauere, dass DIE DA zugestimmt haben. Brandmauer ist nicht meine Wortwahl, aber wir SIND die Brandmauer, meine Damen und Herren. Links ist vorbei, aber ich habe mich abschließend entschieden, politische Mehrheiten nur noch mit der SPD zu suchen.

Allein, was Friedrich Merz alles zur AfD gesagt hat, ist ein rhetorisches Schleudertrauma.
„Friedrich Merz hat die Nerven verloren“
Nun aber hat Friedrich Merz kommunikativ vollends die Nerven verloren. Das sage nicht nur ich, das sagen Journalisten von Table Media bis zur FAZ. Hier ist Table-Media-Chefredakteurin Helene Bubrowski:
Die FAZ kommentiert das wie folgt: „Wer dazu neigt, die Nerven zu verlieren, beendet damit jede Diskussion über seine Eignung im Amte. Die Urkraft eines Sprachbilds: Er ist dem Amte ‚nicht gewachsen‘, nervlich nicht und darum gar nicht, denn nichts geht ohne Nerven, so viel Naturalismus muss sein. Es war deshalb nicht weniger als ein Todesstoß, als Helene Bubrowski, Co-Chefredakteurin von Table.Briefings, bei Markus Lanz sagte: ‚Friedrich Merz hat die Nerven verloren.‘ Lanz sinnierte denn auch beziehungsreich nach: ‚Die Nerven verloren‘, dabei ohne Worte den Umstand auskostend, dass unter diesem Psychobefund noch etwas liegt: das politische K.-o.-Argument.“
Weiter schreibt die FAZ: „Wieder hatte Merz’ unbeherrschte Reaktion Verstärkerfunktion für Spekulationen, die wie auf den Teppichboden fallende Asche cool ausgetreten werden sollten, dort aber den Flächenbrand erzeugten. ‚Noch nicht mal ignorieren‘ – wer erzählt Friedrich Merz von Helmut Kohls politischer Überlebensformel?“

Die Kommunikation des Bundeskanzlers ist katastrophal – und jetzt hat er auch noch die Nerven verloren.
Souveränität auf dem Niveau von Erich Honecker
Friedrich Merz hat die Nerven verloren, nachdem sie in der Union angezweifelt haben, dass er der Bundeskanzler ist, obwohl er doch in nahezu jeder Rede extra betont hat, dass er der Bundeskanzler ist. Merz hat seine Leute losgeschickt und verkünden lassen, dass Kritik am großen Vorsitzenden das ganze System, ja, die Handlungsfähigkeit des Parlamentes gefährde und das Land in Brand setzen könnte.
Das bewegt sich ungefähr auf dem Souveränitätsniveau von Erich Honecker oder von einem 14-jährigen Mädchen nach acht Stunden auf Instagram.
In der CDU, wo jeder weiß, dass dieses finale Kommunikationsdebakel von Merz persönlich angeordnet wurde, sagt man dem Kanzler nun offen im Fernsehen, dass man ihn nicht für den Hellsten hält. Hier ist der Genosse Günther aus Kiel:
„Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der so unklug ist“, sagt der Genosse Günther über seinen Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Friedrich Merz. Für „so unklug“ kennt der Volksmund ein einfaches, knappes Wort, das wir hier gar nicht mehr aussprechen müssen.
Es ist nicht bloß die AfD, die Merz als Bundeskanzler für ungeeignet hält. Es ist die CDU.
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Julian Reichelt
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