Ein „Puff für alle” im Lehrplan: Dieses Phänomen ist nicht neu!
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Gerade empörten sich die digitale Gemeinde, Eltern und Politik über eine Schule in NRW, auf der zweifelhaftes Material im Sexualkundeunterricht benutzt wurde, unter anderem habe die Unterrichtseinheit „Ein Puff für Alle“ auf dem Lehrplan gestanden. Kinder ab 14 Jahren sollten also ein Bordell zusammenstellen, in dessen Zimmern diverse sexuelle Spielarten angeboten werden.
Tatsächlich kursieren diese Materialien seit mindestens 14 Jahren in deutschen Schulen. Das entsprechende Lehrbuch von Frau Prof. Tuider stammt aus dem Jahr 2008 (!) und stand zeitweise gar auf der Empfehlungsliste der Bildungsministerien. Tuider lehrt heute als Professorin an der Universität Kassel, wo sie das Fachgebiet Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtigung der Dimension Gender leitet und zu Queer Studies und den Postcolonial Studies veröffentlicht.
Man bekommt dann, was man bestellt hat. Als ich im Jahr 2014 in meinem ganz fantastischen Bestseller „Gendergaga“ im gleichnamigen Kapitel „Ein Puff für Alle“ die Problematiken der neuen deutschen Sexualpädagogik der Vielfalt anschaulich mit zahlreichen Beispielen veröffentlichte, warf man mir einst wahlweise Homohass oder Polemik vor und weitere übliche Stigmatisierungen für jene, die es nicht für pädagogisch wertvoll halten, Kindergartenkindern schon Sexualpraktiken aus dem Dark Room linker Kinderfreunde zu erklären.
An dieser Stelle also aus aktuellem Anlass einmal die Passagen aus meinem Buch Gendergaga. Aus dem Jahr 2014, wohlgemerkt. Man konnte damals schon wissen, was in deutschen Schulen geschieht und was von den Bildungsministerien aller Parteien nicht nur nicht gestoppt, sondern auch noch finanziell gefördert wurde. Der „Puff für Alle“ ist dabei noch nicht einmal das Schlimmste.
Lesen Sie hier die besagte Passagen:
Gendergerechtes Spielen reicht nicht aus, um Kinder auf die richtige Spur zu bringen, da muss man schon ein bisschen mehr tun, damit sie gleich mit einem toleranten Verständnis zur Geschlechterwelt groß werden. Kampfbegriff hierfür ist die „sexuelle Vielfalt“.
Vielfalt, das klingt sympathisch, weltoffen und tolerant. Doch merke: Überall, wo sexuelle Vielfalt draufsteht, ist das verqueere Gender drin. Damit kein Kind durch die Lappen geht, gibt es nur einen Weg, diese sexuelle Vielfalt flächendeckend im Land an jedes Kind heranzutragen: die Schule. Dank der Schulpflicht wird dort jedes Kind erreicht, und was aus der Genderperspektive noch viel besser ist: Die Eltern bleiben außen vor. Herrlich!
Eltern, das sind doch diese heterosexuellen, zwangsdeterminierten Störenfriede, die in der Regel in unterdrückenden Zweierbeziehungen leben, auch „Ehe“ genannt. Eltern, diese verklemmten Spießer, die ihren Kindern eine ordentliche Aufklärung in Sachen Sex verweigern. Weiß man doch! Wie soll sich ein Kind da sexuell entfalten und all seine vielen möglichen Geschlechter entdecken oder gar ausprobieren, wenn Elternhäuser mit Erziehung, Moral, Anstand oder gar Kirche um die Ecke kommen? Eltern sind aus der Gender-Perspektive also Verhinderer Nummer 1 für eine flächendeckende Sexualaufklärung jenseits von Bienchen und Blümchen, Störfaktoren bei der sexuellen Entfaltung ihrer Kinder.
Und wie man hört, beharren manche von ihnen tatsächlich immer noch auf ihrem elterlichen Erziehungsrecht. Das kann man ihnen nicht so einfach nehmen, weil es dummerweise im Grundgesetz garantiert wird. Eifrige Sexualaufklärer haben also eine ganz andere Strategie entwickelt, um an den Eltern vorbeizukommen: Sexuelle Vielfalt wird neuerdings einfach zur Allgemeinbildung erhoben. Sex als Kernkompetenz! Man schreibt es in den Lehrplan, verbreitet passendes Lehrmaterial und schon wird aus Sex Bildung. Wollten wir nicht alle schon immer mal alles über Sex wissen und haben uns bloß nicht zu fragen getraut? Eben!
Sex nach Lehrplan
Und so tobt 2012 im beschaulichen Baden-Württemberg ein mittlerer Kulturkampf um die Frage, ob die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ fächerübergreifend in den Lehrplan aufgenommen werden soll. Die grün-rote Landesregierung will es, die Eltern haben mit fast 200.000 Unterschriften und in zahlreichen Demos dagegen protestiert. Nun haben sich zwar gerade die Grünen immer für Bürgerbeteiligung in der Politik stark gemacht, aber bitteschön nur, wenn es die richtigen Bürger sind, mit den richtigen Themen und der richtigen Gesinnung. Also, wenn wir zum Beispiel für mehr Froschzäune an Bundesstraßen, gegen Bahnhöfe in Stuttgart oder für den Veggie-Day an Ganztagsschulen eintreten würden, könnten wir wohl auf die volle Unterstützung der Grünen zählen. Aber nicht, wenn es um die sexuelle Vielfalt unserer Kinder geht.
Die Fronten in Baden-Württemberg wurden nach den ersten Elternprotesten gleich nach bislang erfolgreichem Schema festgenagelt: Die Guten waren selbstredend die Befürworter des neuen Bildungsplans. Weltoffen, tolerant und ganz sicher sexuell vielfältig. Die Bösen waren die Unterzeichner der Petition gegen den Bildungsplan, die Demonstranten, die Eltern, auch bekannt als Fundamentalisten, Toleranzgegner, Christen, Homophobe und irgendwie auch Rechtsradikale. Ja, das sollte als Stigmata ausreichen.
Bislang ging die Rechnung ja auch immer auf, alle Gender-Gegner in die gesellschaftliche Strafecke zu verbannen. Da wurde blumig über Toleranz schwadroniert, die die einen üben wollen, die anderen aber angeblich verweigern. Herrlich auch die Verrenkungen, die manche machten, um die Begriffe „Toleranz“ und „Akzeptanz“ in einen Topf zu werfen. Der Bildungsplan in Baden-Württemberg sah nämlich nicht „Toleranz“ sexueller Vielfalt als Bildungsziel vor, sondern „Akzeptanz“.
Toleranz war gestern! Es reicht den Gender-Aktivisten nicht, dass wir still hinnehmen, dulden, also „tolerieren“, dass manche anders sind oder sein wollen – nein, unsere Kinder müssen die Seite wechseln, gut finden, das Konzept der sexuellen Vielfalt „akzeptieren“. Also Gesinnungsunterricht par excellence. Und zwar nicht nur im Sexualkundeunterricht, sondern fächerübergreifend. Sowas muss man sich erstmal ausdenken.
Immer schön ist auch der Einwand der Ahnungslosen, es sei doch angesichts der gelebten Realität geboten, dass man an den Schulen auch neue Familienformen bespricht oder mit den Schülern über Homosexualität, Transsexualität oder Sonstwiesexualität rede. In Zeiten von Conchita Wurst und wöchentlich neuen öffentlichen Outings seien die Schüler doch mit der Thematik ständig konfrontiert. Und Recht haben diese Leute noch dazu, das muss man. Und deswegen tun wir es ja schon seit Jahren. Mit den aktuellen Lehrplänen und ohne dass wir es fächerübergreifend in den gesamten Unterricht packen müssten. Fragt sich aber, ab welchem Alter und mit wie vielen Details. Muss mein Neunjähriger in der Grundschule wirklich lernen, Kondome über einen Holzpenis zu streifen, weil sonst die Gefahr besteht, dass er aus Versehen seine Sitznachbarin schwängert?
Für alle, die immer noch daran glauben, dass Sexualkundeunterricht ja nur aufklären will, weil die Eltern eben zu verklemmt dafür sind, dass Gender Mainstreaming nur so ein Gleichheitsding von Mann und Frau ist; für alle, die immer noch glauben, dass die Akzeptanz sexueller Vielfalt im Bildungsplan von Baden-Württemberg lediglich auf ein friedliches Miteinander aus ist und die Beschimpfung „schwule Sau“ vom Schulhof verbannen möchte; ja, für all diejenigen empfehle ich einmal die Lektüre der Praxisbücher und Unterrichtsmaterialien von einschlägigen Sexualpädagogen, die sich schon längst an die Umsetzung gemacht haben.
Es ist doch immer schön, über Fakten zu sprechen, anstatt zu theoretisieren, und wir beginnen unsere Reise durch die wunderbare Welt der sexuellen Vielfalt des bereits existierenden Sexualkundeunterrichtes an deutschen Schulen in Berlin, dem Gender-Mekka Deutschlands. Die Stadt ist ja bekanntlich sexy. Entsprechend ist die „sexuelle Vielfalt“ schon seit längerem im Lehrplan, und man hat mit dem Segen der Berliner Senatsverwaltung sexuell vielfältiges Material geschaffen. Ja, das müssen schon ganz besondere Pädagogen sein, die sich beispielsweise Pantomime-Spiele ausgedacht haben, bei denen Schüler Begriffe wie „Darkroom“, „zu früh kommen“, „Sadomaso“ oder „Porno“ als lustige Spieleinheit vor der ganzen Klasse vorführen sollen. Enthalten in einer Handreichung des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM). Laut Spielanleitung sei mit einem „Spaßfaktor“ zu rechnen. Und wenn einem Kind das zu peinlich ist, dann muss es eben daran arbeiten, nicht mehr so verklemmt zu sein.
So ein Spaß sollte eigentlich nicht nur für 13- und 14-Jährige zur Verfügung stehen. Das sollten Sie unbedingt bei der nächsten Betriebsfeier im Büro als Eisbrecher unter den Kollegen vorschlagen. Sie können auch einfach Ihre sexuellen Vorlieben diskutieren oder ein paar der anderen Begriffe nehmen, wie „Selbstbefriedigung“, „Prostituierte“ oder „Orgasmus“. Das hat doch den Film „Harry und Sally“ auch zum Kassenschlager gemacht. Gut, möglicherweise haben Sie anschließend eine Anzeige wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz am Hals, dann können Sie aber einfach darauf verweisen, dass so etwas ganz normal ist und sogar Bildung. Das wird jeden Richter überzeugen.
Doch auch die Planung eines „schwulen oder lesbischen Wochenendes“ in Berlin kann laut dieser Unterrichtsempfehlung als Bildung gelten. Arbeitsaufgabe: „Stell dir vor, deine lesbische Cousine/dein schwuler Cousin kommen für ein Wochenende zu Besuch nach Berlin. Du möchtest ihnen ein spannendes Wochenende bieten und überlegst dir daher, was Menschen von Freitagabend bis Sonntagabend in Berlin machen können, wenn sie lesbisch oder schwul sind.“ Ziel der Unterrichtseinheit soll sein, aufzuzeigen, dass das Freizeitverhalten von Homosexuellen sich gar nicht groß von dem der Heterosexuellen unterscheide. Man will also Gemeinsamkeiten aufzeigen. Spontan fällt einem ein: Dann können die doch ein bisschen Sightseeing machen, Kino, Clubs, Musik, Tanzen, was junge Leute eben interessiert, völlig egal, wer nun wen liebt.
Stattdessen greift man hier voll in die Klischeekiste, die eher Vorurteile verstärkt als abbaut: Da soll der Schüler in Magazinen wie „Siegessäule“ recherchieren. Weil in dem „queeren“ Magazin nicht alles jugendfrei ist, muss der Lehrer vorher die Hefte zensieren. Man darf aber auch online arbeiten, und um „das Aufsuchen nicht jugendfreier Seiten zu vermeiden, sollten vorher einige Links angegeben werden oder die Suche auf den Internetauftritt der Siegessäule beschränkt werden.“ Klar, daran halten sich Jugendliche bei ihren Recherchen über Sex im Internet sicher.
Doch auch bei „Siegessäule“ finden sich tolle Freizeittipps der besonderen Art: Von der Porno-Messe bis hin zur Schlagerparty im „Ficken 3000“, was offenbar der Name der Lokalität ist. Die Beschreibung ist vielversprechend: „Im Oktober hieß es erstmals Schlager Marsch im Ficken 3000! Fortan wird jeden ersten Donnerstag im Monat die kuschelige Bumshöhle zu einer Helene-Fischer-Gedächtnis-Orgie. Und nicht nur quietschfidele Schlagermucke wird geboten, sondern ebenso eine Transenshow und heißer Striptease. Im Keller darf man dann wie gewohnt die Hose zum Hossa! runter lassen.“ Toll auch die Kleinanzeigen, da kann der Cousin gleich neue Freundschaften schließen: „Sportler 39 sucht Teenboy/Boy Kerl, dünn, geil und willig“ oder auch „Kliniksklave 43/1,84/73kg, sportlich gesund, immer geil und willig. Suche dom. Doktor für tiefgründige Untersuchung“.
Die Berliner Pläne gelten übrigens fächerübergreifend auch für Biologie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Sozialkunde, Ethik, Psychologie und Latein. In Latein beispielsweise sollen Catulls Gedichte zur Knabenliebe übersetzt und diskutiert werden, hübsch aufgelistet mit Themenbereichen wie „Analverkehr als Strafe für unzüchtige Knaben“ oder auch „Passive Hingabe als Karrieremittel“.
Da bemüht man sich also auf der einen Seite selbst mit Zensurversuchen im Internet, mit von Krankenkassen geförderten Programmen und mit Pädagogen, die „Generation Porno“ wieder in die Spur zu kriegen, während auf der anderen Seite Pädagogen und „Aufklärer“ versuchen, selbst mithilfe von Lehrplänen Sexualpraktiken bis ins Detail als Bildung zu verkaufen. Wie das so mit Jugendlichen und Pornos ist, darüber gibt es nämlich zwischen normalen Spießbürgern und fortschrittlichen Sexualpädagogen wieder geteilte Meinungen.
Porno für Anfänger
Wissenschaftlich tonangebend ist in dieser Debatte das Hamburger Institut für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Deutungshoheit erlangt es vor allem deshalb, weil es das einzige Institut in dieser Thematik ist, also praktischerweise konkurrenzlos. Und so arbeitet die sogenannte „Hamburger Schule“ auch für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die wiederum erstellt die Broschüren, die man an den Schulen unseren Kindern in die Hand drückt. Freundschaftlich verbunden ist man auch mit Pro Familia, dem eifrigen Aufklärungsinstitut, das ebenfalls gerne Sexualkundeprojekte an Schulen macht und im Nebengeschäft mit Abtreibung Geld verdient. Die Hamburger UKE-Forscherin Silja Matthiesen ist zum Beispiel gleichzeitig Mitarbeiterin bei Pro Familia und findet Pornokonsum bei Jugendlichen unproblematisch, denn die meisten Teenager hätten sich längst eine „reflektierte Pornografie-Kompetenz“ erarbeitet.
Pornografie-Kompetenz, wow, und das auch noch reflektiert. Bestimmt kommt das auch bald in die Lehrpläne, denn Kompetenzen kann man schließlich nicht genug haben.
In Hamburg haben wir auch Kurt Starke. Auch er ist der Meinung, Pornografie schadet Jugendlichen nicht. Die Veröffentlichung dieses bahnbrechenden und sicher ganz neutralen Forschungsergebnisses hat er sich übrigens von der „Huch Mediegruppe“ bezahlen lassen.
„Huch!“, wird da sicher der Eine oder Andere sagen, wenn er sich online auf den Seiten der Unternehmens umschaut, denn es handelt sich um einen Erotikdienstleister und bei Huch kann man nicht nur wissenschaftliche Expertise finden, sondern auch neue Freunde.
Starke wehrt sich gegen den Vorwurf, er und seine Mitstreiter würden das Thema Porno verharmlosen, und sicher ist die finanzielle Verbindung zur Pornobranche einfach nur ein dummer Zufall und hat nichts mit dem Inhalt seiner Arbeit zu tun. Forschung müsse eben bezahlt werden, sagte er im Interview mit der Zeit und „als Freiberufler muss man auch noch von etwas leben.“ [vi]Das verstehen wir alle, Herr Starke. Wenn die Tabakindustrie ein Gutachten bezahlen würde, das zu dem Ergebnis kommt, dass Rauchen unbedenklich ist und uns Sucht-Kompetenz vermittelt, dann wäre das doch auch absolut glaubwürdig.
Für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist Sexualkompetenz für Kinder keine neue Idee. Dort hat man gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO schon längst die Empfehlung ausgesprochen, dass sexuelle Aufklärung bereits ab vier Jahren stattfinden soll. Auf UN-Ebene kämpfen entsprechende, vor allem auch feministische Lobbygruppen schon seit Jahren darum, dass „sexuelle und reproduktive Rechte“ schon für Jugendliche gelten, dort setzt man die Altersgrenze ab 12 Jahren. Im Klartext hier: Kinder ab 12 sollen bereits ohne Zustimmung der Eltern Zugang zu Verhütungsmitteln haben und Abtreibungen vornehmen lassen dürfen. Ja, was für ein Fortschritt, am besten sollte man das gleich im Grundgesetz als Kinderrecht verankern!
Als ich im März 2013 in der Sendung „Maischberger“ zu diesem Thema aus einem Zeitungsbericht zitierte, in dem Grundschüler in Baden-Württemberg beigebracht bekamen, dass Lesben sich gegenseitig befriedigen, indem sie sich „lecken“, reagierte die Moderatorin Sandra Maischberger hektisch mit der Frage, um wieviel Uhr die Sendung ausgestrahlt wird – also ob dies spät genug ist, damit keine Kinder mehr vor dem Fernseher sitzen. Der intellektuell etwas benachteiligte Teil der Internet-Gemeinde freut sich bis heute am Wort „lecken“ im deutschen TV. Aber zumindest haben wir eine neue Erkenntnis: abends im TV ist das Wörtchen „lecken“ ein Problem. Morgens in der Grundschule ist es Bildung. Gut, dass wir das geklärt haben.
In Nordrhein-Westfalen wiederum ist es für Jungen möglich, mit freundlicher finanzieller Unterstützung des Familienministeriums NRW einen „Kondom-Führerschein“ zu machen, mit Silikonpenis und Augenbinde, damit es auch im Dunkeln funktioniert. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt dieses Projekt für Schulen, gerne werden dafür externe Kooperationspartner mit ins Boot geholt, wie etwa Pro Familia. Mit zum Konzept gehört, dass selbst der Lehrer aus dem Raum geht, damit es ganz unverklemmt zugehen kann, am Schluss also gar keine vertraute Person der Kinder mehr anwesend ist, wenn es um das Intimste geht.
Schwule Prinzen
In NRW existiert auch das Projekt „Schule der Vielfalt – Schule gegen Homophobie“, selbstredend ebenfalls gefördert mit Steuergeldern aus dem Schulministerium. Kooperationspartner ist dort auch das „Netzwerk SchLAu NRW“, gefördert vom Emanzipationsministerium NRW. Nach erfolgreicher Teilnahme darf sich die Schule ein Schild mit der Aufschrift „Come in/ Wir sind offen – lesbisch-schwul-bi-hetero-trans*“ an die Tür heften, und wenn man ganz besonders eifrig war, gibt es anschließend den Vorschlag einer gemeinsamen Fahrt zum nächsten Christopher Street Day, als Solidaritätsbekundung. In Berlin wurde auch ein eigener Medienkoffer für die Kindergärten entworfen, damit die Vierjährigen endlich „Rollenstereotype durchbrechen“, und zwar bevor sie überhaupt wissen, dass es sowas wie Rollenstereotype gibt.
Wie zum Beispiel im Buch „König und König“, wo auch der schwule Prinz endlich jemanden zum Heiraten findet. Mit der Thematisierung gleichgeschlechtlicher Liebe soll dort die „soziale Kompetenz“ der Vierjährigen gefördert werden. Im Buch von „Prinzessin Pfiffigunde“ hingegen werden alle heterosexuellen Heiratskandidaten mit einem Kuss in Kröten verwandelt, damit hat sie „endlich wieder ihre Ruhe und führt eine glückliches Leben“. Ist doch gut, wenn schon Kindergartenkinder lernen, dass es toll ist, wenn Schwule heiraten, für die kleinen Hetero-Mädchen die Ehe aber nichts ist. Die haben nämlich sonst keine Ruhe vor den Hetero-Jungs.
Die Leiterin der Koffer-Initiative, Conny Kempe-Schälicke, erklärte gegenüber der Presse die Zielsetzung: „Vielmehr geht es um Vielfalt. Weg von der klassischen Vater-Mutter-Kind-Familie, hin zu Modellen, in denen Kindern auch glücklich sein können.“ Die Kinder sollten sich Gedanken darüber machen, „wie es ist, wenn man nicht genau weiß, ob man männlich oder weiblich ist. Als Jugendliche können sie sich dann bewusst für eine sexuelle Identität entscheiden, so wie für eine Religion”.
Demnächst werden die Kinder dann wohl auch darüber entscheiden müssen, welche Hautfarbe sie haben, denn die Hautfarbe ist ja irgendwie auch diskriminierend. Fehlt nur noch, dass sie lernen, ihr Geschlecht zu tanzen.
Ein absolutes Schmankerl ist allerdings das als „Standardwerk“ empfohlene Buch „Sexualpädagogik der Vielfalt“ aus dem renommierten wissenschaftlichen Juventa-Beltz Verlag. Eine echte Fundgrube, Baden-Württemberg kann sich schon mal freuen. Die Zielsetzung ist dort ganz im Sinne von Gender Mainstreaming die „Vervielfältigung von Sexualitäten, Identitäten und Körpern (!)“, aber auch die „Verwirrung“ und „Veruneindeutigung“ der Jugendlichen. Ein Ziel könne auch im „Verstören, im Aufzeigen verschiedener Identitätsmöglichkeiten und im Schaffen neuer Erlebnisräume“ liegen. Erlebnisräume, ja, das passt super zum Bildungsplan in Baden-Württemberg, denn die Jugendlichen sollen ja laut Plan im Internet über neue sexuelle Identitäten recherchieren. Da wird sich dem ein oder anderen sicher ein großer „Erlebnisraum“ der Sexualität auftun, vor allem bei der Bildersuche: „Nein, Mama, ich gucke keine Pornos, ich recherchiere für die Hausaufgaben.“
Aber soweit muss der Schüler gar nicht gehen, er kann einfach am Alles-kann-nichts-muss-Fachunterricht teilnehmen. Dildos, Potenzmittel (für Kinder ab 14!), Lack, Leder, Latex, Aktfotos, Vaginalkugeln und Handschellen sollen laut „Sexualpädagogik der Vielfalt“ beispielsweise als Unterrichtsmaterialien von den Schülern für verschiedene Parteien eines Mietshauses „ersteigert“ werden. In dem wohnt zwar kein einziges heterosexuelles Paar mit Kindern, was der Lebenswirklichkeit der meisten Kinder in Deutschland am nächsten käme, dafür aber alleinerziehende Mütter, Lesben mit und Schwule ohne Kind, aber auch ein klassisches Heteropaar ohne Kinder. Nicht geklärt ist, wer von ihnen die Handschellen bekommt.
Die Schüler können alternativ den „neuen Puff für alle“ kreieren, was sicher ebenfalls einen hohen Spaßfaktor bietet. Das Haus soll im Unterricht mit allerlei Zimmern bestückt werden, indem man der pädagogisch wertvollen Fragestellung nachgeht: „Welche sexuellen Vorlieben müssen in den Räumen wie bedient und zufriedengestellt werden?“, wobei explizit verschiedene sexuelle Präferenzen und auch Praktiken benannt werden sollen. Super, wer da in der vierten Klasse schon beim „Lecken“ gut aufgepasst hat, denn für den und die sind „Blowjob“ und „Cunnilingus“ keine Fremdwörter mehr.
Versext und zugenäht
Sollten sich unter den Jugendlichen doch noch ein paar Verklemmte finden, die mit der Prostitution an sich ein Problem haben , hat das Praxisbuch ebenfalls wertvolle Tipps: Die Lehrkraft soll bei kritischen Fragen der Diskussion „die Tiefe nehmen“, „indem sie auf die persönliche Freiheit hinweist, sexuelle Dienste in Anspruch nehmen zu dürfen bzw. diese anzubieten“. Im Klartext: Der Lehrer soll selbst dann noch Prostitution verteidigen, wenn Schüler diese kritisch sehen. Na, wenn das mal nicht unverkrampft und modern ist!
Die Autorin dieses „Werkes“, das beispielsweise in Hamburg auf der offiziellen Literaturliste des Lehrerinstituts stand, bevor es im Oktober 2014 nach Protesten entfernt wurde, ist Elisabeth Tuider, seit 2011 Inhaberin des Lehrstuhls „Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtigung der Dimension Gender“ in Kassel. Seit in zahlreichen Zeitungen über die Frage diskutiert wird, ob 12-Jährige wirklich wissen müssen, was „Gangbang“ oder „Taschenmuschis“ sind, ist man in Kassel ein bisschen verschnupft. Die Universität spricht von „diffamierenden Schmähungen“ in sozialen Medien. Dabei sollte Frau Tuider doch als Wissenschaftlerin froh sein, dass wir alle uns so ausführlich mit ihrem Wissen beschäftigen. Wann bekommt man schon eine derartige Aufmerksamkeit für seine Arbeit und das gratis?
Ähnlich schizophren wie in der oben zitierten Maischberger-Sendung verläuft auch die öffentliche Debatte über den Bildungsplan in Baden-Württemberg. Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Bernd Saur, warnte im Magazin „Focus“ davor, Kinder „nicht vertretbaren Übergriffen durch entfesselte, öffentlich komplett enttabuisierte Sexualpädagogen“ auszusetzen, denn „Themen wie Spermaschlucken, Dirty Talking, Oral- und Analverkehr und sonstige Sexualpraktiken inklusive Gruppensex-Konstellationen, Lieblingsstellung oder die wichtige Frage ‚Wie betreibt man einen Puff?‘ sollen in den Klassenzimmern diskutiert werden“. Prompt empörte sich die Bildungsexpertin der Grünen, Sandra Boser, mit den Worten: „Was Bernd Saur von sich gibt, ist ekelhaft.“ Dabei hatte er lediglich aus „Bildungsmaterialien“ zitiert. Für ein Gespräch unter Erwachsenen in der Öffentlichkeit fiel also das Urteil „ekelhaft“, morgens in der Schule ist es aber „Bildung“.
Alles dreht sich nur noch um Sex, möglichst früh, möglichst ausführlich, mit Bildern, Filmen, Literatur. Eltern, Lehrer, Vertraute stören dabei, es sollen echte Experten an die Kinder ran. Ja, es scheint derzeit kein drängenderes Problem zu geben, als Kindern Sex zu erklären. Wer es mit wem machen könnte, wie genau und warum und wem man davon erzählen soll und wem nicht. Und zwar schon bevor sie auch nur das erste Mal verliebt waren. Da wird alles im Unterricht totgequatscht, noch bevor es auch nur ansatzweise passiert ist.
Und natürlich nutzt das den Kindern, oder? Sie sollen frei sein, tolerant werden und haben doch ein Recht auf eigene Sexualität, nicht wahr? Warum nur kommt einem diese Rhetorik so bekannt vor? Richtig: Wir kennen sie schon aus der Zeit der Kinderläden, der „sexuellen Befreiung“, der Reformpädagogik. Bis heute gibt es unappetitliche Zusammenhänge zwischen der Szene der Befürworter pädophiler Sexualität und den heutigen Sexualpädagogen der Vielfalt. Was damals nicht geschafft wurde, soll heute mithilfe von „Gender“ und „Vielfalt“ zu Ende geführt werden. Und wie schön, wenn die Kinderlein schon mal thematisch vorbereitet sind.
Vernetzte Sexperten
Nachdem wir nun schon Frau Tuider ein bisschen kennengelernt haben, ist es erhellend, sich das Netzwerk der Sexualbefreier unserer Kinder genauer anzusehen. Da haben wir zum Beispiel Uwe Sielert. Er ist Professor für Sozialpädagogik in Kiel, Mitbegründer der Gesellschaft für Sexualpädagogik (GSP) und angesehener Experte für Sexualaufklärung. Er sitzt in zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten, handelt auch im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und arbeitete selbst in einer Kommission zur „Sexualethik“ der Evangelischen Kirche mit. Sielert kommt aus der sogenannten „neoemanzipatorischen Sexforschung“, die wiederum von dem bereits verstorbenen Helmut Kentler begründet wurde.
Kentler war einst Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung und saß im Beirat der Humanistischen Union. Seinen wissenschaftlichen Ruf ruinierte er dadurch, dass er in einem Modellprojekt verwahrloste Teenager-Jungs bei bekannten Pädophilen unterbrachte. „Diese Leute haben diese schwachsinnigen Jungen nur deswegen ausgehalten, weil sie eben in sie verliebt, verknallt und vernarrt waren“, so Kentler. Das Projekt sei ein „voller Erfolg“ gewesen, berichtete er Jahre später in einem Gutachten. „Mir war klar, dass die drei Männer vor allem darum so viel für ‚ihren‘ Jungen taten, weil sie mit ihm ein sexuelles Verhältnis hatten“. Gestört hat damals offenbar niemanden die Verbindung von Homosexualität und Pädophilie. Es waren ja auch die Zeiten, als bei den Grünen die berühmt-berüchtigte „Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle“, liebevoll auch SchwuP-AG genannt, am Werke war, die sich für eine Straffreiheit von sexuellen Beziehungen zu Kindern einsetzte.
Auch 20 Jahre später störte es immer noch niemanden, da erhielt Kentler von der Berliner FDP-Jugendsenatorin Cornelia Schmalz-Jacobsen den Auftrag, die Eignung Homosexueller als Pflegeeltern zu beurteilen. Wie die Zeitung „taz“ berichtet, lieferte der Wissenschaftler unverlangt auch eine Empfehlung für Sex mit Schutzbefohlenen ab. Kentler selbst war ledig, bekennender Homosexueller und hatte drei Adoptivsöhne. Was für ein Zufall. Wie man außerdem Wikipedia entnehmen kann, war er „väterlicher Freund“ von oben genanntem Uwe Sielert. Und so schließt sich der Kreis.
Im Oktober 2014 fand übrigens in Leipzig eine Fachtagung für 120 Kita-Erzieherinnen zum Thema Sexualerziehung im Kindergarten statt. Da wird keine Zeit verschwendet, damit auch im Kindergarten schon die sexuelle Vielfalt erblühen kann. Zu den Referenten zählte Frau Professorin Christa Wanzeck-Sielert. Von ihr stammen Bücher wie „Mädchen und Jungen in der KiTa: Körper, Gender, Sexualität“ und auch gemeinsam mit Professor Uwe Sielert hat sie bereits veröffentlicht, man teilt nicht nur Anschrift und Namen, man arbeitet wohl auch am gleichen Projekt
Man stößt auch in anderem Zusammenhang wieder auf Frau Professor Tuider. Ihre Dissertation wurde von Uwe Sielert begutachtet, und gemeinsam mit Stefan Timmermanns haben Sielert und Tuider das Buch „Sexualpädagogik weiter denken. Postmoderne Entgrenzungen und pädagogische Orientierungsversuche“ herausgegeben. Timmermanns ist bei dem Schmankerl „Sexualpädagogik der Vielfalt“ ebenfalls als Herausgeber genannt.
2008 dann verfasste die gleiche Elisabeth Tuider den Nachruf auf den Pädophilen-Versteher Helmut Kentler. Kein Wort darin von seinen, freundlich ausgedrückt, schwierigen Ansichten zum Thema Pädophilie. Im Interview[xvii] verteidigt Tuider die Weglassung und möchte zwischen Arbeit und Privatleben Kentlers trennen. Im Nachruf heißt es dann aber so: „Der Weg zwischen persönlicher Erfahrung und beruflichem Engagement war bei Kentler stets kurz.“ Aha …
Der Nachruf auf Kentler wurde übrigens gemeinsam mit Rüdiger Lautmann verfasst. Anscheinend ebenfalls ein Buddy im Netzwerk. Dieser Bremer Soziologe wandert gern auf grenzwertigen pädophilen Pfaden. 1994 erschien sein Buch: „Die Lust am Kind. Porträt des Pädophilen“, in dem er zwischen bösen und guten Pädophilen unterscheidet und die Theorie aufwirft, dass eine pädophile „Beziehung“ die Entwicklung eines Kindes fördern könne. Auch Lautmann ist wie Sielert Mitglied im Beirat der Humanistischen Union. Im Jahr 2006 war Lautmann außerdem Mitglied des Beirats des Forschungsvorhabens „rechtsstaatsächliche Untersuchung zur Situation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften/Lebensgemeinschaften“ im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz. Sein Verwischen der Grenzen zwischen Homosexualität und Pädophilie schien auch dort niemanden zu stören.
In einem muss man Sandra Boser von den Grünen also absolut recht geben: Das Thema ist ekelhaft.
Und damit kommen wir am Ende nochmal zum „Netzwerk SchLau“, das mit seinen Schulprogrammen nicht nur in NRW, sondern auch in Niedersachsen die Kinder ganz schlau in Sachen sexuelle Vielfalt macht. Niedersachsen, das Land, das gerade ebenfalls einen neuen Bildungsplan unter besonderer Berücksichtigung von sexueller Vielfalt erarbeitet, nach dem Vorbild von Baden-Württemberg.
Mitarbeiter der SchLau-Netzwerke haben eines gemeinsam: Sie werden in der „Waldschlösschen-Akademie“ ausgebildet, so berichtet die FAZ. Eine sexuell sehr vielfältige Akademie, wie man dem Programm entnehmen kann. Erst im Dezember 2014 ist sie mit dem Modellprojekt „Akzeptanz für Vielfalt – gegen Homo-, Trans*- und Interfeindlichkeit“ vom Familienministerium mit 450.000 Euro zur Förderung bedacht worden. Zum Jahreswechsel konnten dort Schwule von 18 bis 88 beim „Flughafen Waldschlösschen – Airport der Lüste“ entspannen, und dort wird ebenso die Ausbildung zum fortschrittlichen Sexualaufklärer an Schulen angeboten.
Und was für ein Zufall, wen treffen wir im Waldschlösschen wieder? Lautmann und Tuider. Offenbar ein weit herumgekommenes Duo. Lautmann sitzt gar im Stiftungsbeirat, zusammen unter anderem mit Jürgen Trittin. Auch hier scheint sich niemand an seinen sonstigen Ansichten, zum Beispiel zur Pädophilie, zu stören. Die Ausbildung in den Workshops „queer_school“ rühmt sich wiederum damit, auf Grundlage des Buches von Frau Prof. Tuider stattzufinden. Ja, genau, dieses schlaue Buch, aus dem man lernen kann, wo der „Penis sonst noch stecken“ könnte.
Niedersachsens Schüler haben also auch allen Grund zur Freude, wenn es mit der sexuellen Vielfalt an den Schulen demnächst so richtig losgeht.
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Birgit Kelle
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