AOK Baden-Württemberg streicht bei Wahl-Ratgeber alle AfD-Kandidaten
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Als Körperschaft des öffentlichen Rechts ist eine Krankenkasse wie die AOK Baden-Württemberg eigentlich der Sachlichkeit und Neutralität verpflichtet. Doch in ihrem Landtagswahl-Ratgeber „Gesunde Wahl BW“ lässt die Quasi-Behörde nur genehme Spitzenkandidaten zu Wort kommen. Kandidaten von „Die Linke“ oder der „Alternative für Deutschland“ ignoriert der Ratgeber vollständig.
Auf einem interaktiven Webportal lässt die AOK Badenvier Spitzenkandidaten zu gesundheitspolitischen Themen zu Wort kommen. Überschrieben ist das Segment mit dem Titel „Die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl“. Problem: Den AfD-Spitzenkandidaten (laut INSA im Auftrag von NIUS aktuell bei 20 Prozent) erwähnt das Portal mit keiner Silbe. Stattdessen darf sich Hans-Ulrich Rülke, Spitzenkandidat der 5-Prozent-FDP, ausführlich äußern.

Diese vier Spitzenkandidaten listet die AOK auf. Alle dürfen sich mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit wenden.
AfD wird bewusst aus Wahl-Ratgeber gestrichen
Dass Parteien wie Linke und AfD nicht vorkommen, ist eine bewusste Entscheidung der AOK, wie man auf NIUS-Nachfrage bestätigt. Dabei gibt es inhaltlich doch viel zu debattieren. In Sachen Gesundheitspolitik hat die AfD zentrale Forderungen formuliert wie: „Die Krankenhausinfrastruktur muss auch im ländlichen Raum vollumfänglich erhalten werden.“ Oder: „Die AfD lehnt daher alle Bestrebungen ab, einem Menschen nach einem diagnostizierten Hirntod Organe zu entnehmen, ohne dass eine zu Lebzeiten dokumentierte Einwilligung hierzu vorliegt.“ Auch die Linke hat Forderungen, welche die AOK nicht zu Wort kommen lässt: So fordert der Landesverband die „Einführung einer Bürgerversicherung mit solider Finanzierung des Gesundheitssystems und die Rekommunalisierung privater Kliniken.“

AfD-Außenpolitiker und Spitzenkandidat in BW: Markus Frohnmaier
AOK: Nur Parteien berücksichtigt, die an Regierungsbildung beteiligt sein werden
NIUS fragte bei der AOK nach: Warum hat man den AfD-Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier nicht aufgelistet? Die Quasi-Behörde antwortet, dass man nur die „Positionen der politischen Parteien, die am wahrscheinlichsten an der Regierungsbildung aufgrund ihrer Aussagen bezüglich möglicher Koalitionen im Nachgang der Wahl beteiligt sein werden“, vorstellen wolle. Der Verwaltungsrat „hat sich im Oktober 2025 darauf verständigt, die vier Parteien Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und FDP dabei einzubeziehen.“
Bedeutet: Die Krankenkasse weiß bereits vor der Wahl, dass eine Zwanzig-Prozent-Partei wie die AfD mit Regierungsbildung nichts zu tun haben werde.

In einer interaktiven Wahlkreiskarte werden die AOK-genehmen Kandidaten der jeweiligen Bezirke aufgelistet.
Im Verwaltungsrat der AOK BW sitzen etwa Maren Diebel-Ebers, stellvertretende Landesvorsitzende des steuergeldfinanzierten DGB. Diebel-Ebers sitzt ebenfalls im SWR-Rundfunkrat. Ebenfalls an der Entscheidung beteiligt war Marianne Kugler-Wendt, die für die SPD lokalpolitisch aktiv ist. Die Mitgliederliste der AOK-Verwaltungsräte können Sie hier abrufen. Der AOK-Bundesverband wird seit 2022 von der Ex-SPD-Abgeordneten Carola Reimann geführt. Kurz zuvor war sie noch als Sozialministerin im Kabinett Weil aktiv.

Was auffällt: In keinem Bezirk findet die AOK einen AfD-Kandidaten. Es kommt auch keiner zu Wort.
Aktuelle Sonntagsfrage von NIUS zur Landtagswahl
In der aktuellen repräsentativen Sonntagsfrage zur Landtagswahl in Baden-Württemberg, von INSA exklusiv für NIUS erhoben, liegt die CDU mit 29 Prozent klar an der Spitze. Trotz eines Minus von zwei Prozentpunkten gegenüber Oktober 2025 beträgt ihr Vorsprung auf die Grünen, die auf 21 Prozent kommen, acht Prozentpunkte.

Die AfD erreicht 20 Prozent und wäre damit drittstärkste Kraft, gefolgt von der SPD, die um einen Prozentpunkt auf 10 Prozent abrutschte. Die Linke bleibt bei 7 Prozent, die FDP verliert zwei Prozentpunkte und könnte mit fünf Prozent knapp den Einzug in den Landtag verfehlen. Dennoch wollte die AOK lieber den FDP- als etwa den AfD-Kandidaten zu Wort kommen lassen.
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