Chef des Handelsverbands: „Ich erwarte, dass die Politik erkennt, dass es im Handel mittlerweile zwölf Uhr ist und nicht fünf vor zwölf“
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Geschlossene Geschäfte, verlassene Innenstädte: Die Vorzeichen für ein brummendes Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel stehen in diesem Jahr schlecht: Umfragen zufolge wollen die Konsumenten beim Geschenke-Kauf sparen. Im Interview mit der Welt spricht Alexander von Preen, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), über die Probleme der Branche, über die Stadtbild-Debatte und über Forderungen an die Politik.
„Die Branche stagniert seit Jahren. Für 2025 erwarten wir zwar ein preisbereinigtes Umsatzplus von 0,5 Prozent. Das ist aber viel zu wenig und total ernüchternd“, so der HDE-Präsident. Man habe große Erwartungen an das zweite Halbjahr gehabt, vor allem nach dem Regierungswechsel. „Diese Erwartungen wurden aber nicht erfüllt – auch weil die neue Koalition etliche Ankündigungen nicht umsetzt. Deutschland verharrt weiter in der Krise und die Menschen bekommen zunehmend Angst um ihre Arbeitsplätze.“

13. November 2025: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nimmt neben dem Präsidenten des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Alexander von Preen, und der Moderatorin Judith Rakers am Deutschen Handelskongress teil.
Zuletzt habe das Investitionsvolumen in der Branche bei rund 20 Milliarden Euro gelegen. Für einen gesunden Einzelhandel müsste das Volumen laut von Preen allerdings doppelt so hoch sein. „Wenn Geschäfte erstmal weg sind, ist es unglaublich schwer, aus diesen Ecken wieder florierende Standorte mit einem attraktiven Handel zu machen.“ Deshalb brauche es dringend und schnell ein besseres Umfeld für lebendige Innenstädte.
„Es würde schon helfen, wenn Versprechen aus dem Koalitionsvertrag eingehalten werden“
„Ich erwarte, dass die Politik erkennt, dass es im Handel mittlerweile zwölf Uhr ist und nicht fünf vor zwölf. Und dass sie für einen der drei größten Wirtschaftsbereiche in Deutschland die Rahmenbedingungen so gestaltet, dass wir unseren Beitrag leisten können und aus der Abwärtsspirale rauskommen“, so der HDE-Chef weiter. „Es würde schon helfen, wenn Versprechen aus dem Koalitionsvertrag eingehalten werden. Ein Beispiel ist die angekündigte Absenkung der Stromsteuer, die dann kurzerhand einfach gestrichen wurde. Für unsere Branche ist das wirklich ein Schlag ins Gesicht.“ Für den Einzelhandel mache das alleine 700 Millionen Euro aus. „Dieses Geld war einkalkuliert, fehlt jetzt aber für Investitionen. Es geht uns nicht um Subventionen. Anreize würden schon reichen, etwa Sonderabschreibungen auf Investitionen in der Innenstadt. Das hilft dann auch der Binnenwirtschaft. Denn mehr Aufenthaltsqualität und bessere Einkaufserlebnisse steigern die Frequenzen und die Verweildauer in den Städten.“
Es fehle auch an „Sicherheit, Sauberkeit und Erreichbarkeit“
Sicherheit, Sauberkeit und Erreichbarkeit seien wesentliche Dinge, die eine Stadt liefern müsse, damit Menschen in die Städte kommen und sich dort wohlfühlen und einkaufen. „Das fehlt mittlerweile aber vielerorts.“ Autos würden verbannt, die Alternative funktioniere aber auch nicht, der öffentliche Personennahverkehr werde „systematisch kaputtgespart“. Dazu komme das Thema Sicherheit. „Da haben wir ein Thema, auch länger schon – und zwar Ethnien übergreifend.“

Eine volle Einkaufsstraße im vorweihnachtlichen Essen: Laut dem HDE-Präsidenten spielt die Beleuchtung eine große Rolle.
„Leistung statt Umverteilung“
Über die Stadtbild-Debatte sagt von Preen: „Wir weisen schon seit Jahren darauf hin und fordern eine entsprechende Debatte. Nur dass wir nicht den Namen Stadtbild genutzt haben. Schade ist, dass die Diskussion jetzt aus parteipolitischem Kalkül aus dem Ruder läuft. Ich finde es bedauerlich, dass man aus fast jedem Satz von Friedrich Merz für die eigene Klientel Profit zu ziehen versucht. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Bundeskanzler der CDU sich Gedanken darum macht, wie man die Gesellschaft und die Gemeinschaft nach vorne bringt.“
Der HDE-Chef weiter: „Ich möchte in einer sozialen Marktwirtschaft leben und in einem politischen Umfeld, wo jeder Mensch wertgeschätzt wird und wo Leistung im Fokus steht, statt Umverteilung.“
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