Wird Werbung für Fleischprodukte bald verboten?
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Um das Ziel der Klimaneutralität 2050 zu erreichen, hat Amsterdam Werbung für Fleisch und Wurst verboten. In Deutschland sind die Werbeflächen dagegen voll von Grillvergnügen in verschiedensten Variationen. Noch. Denn auch in Deutschland wollen Städte klimaneutral werden. Und das natürlich noch früher als in Holland. Gut möglich, dass wir gerade die letzte WM erleben, bei der in deutschen Städten noch für Steaks und Wurst und Hamburger auf dem Grill geworben werden darf.
In Amsterdam sind die Plakatwände auch zur WM frei von Werbung für Wurst, Fleisch, Hamburger und Grills. SUV-Reklame ist ebenfalls verboten und Billigflug-Angebote auch. Stattdessen hängen dort Plakate für das Rijksmuseum und Klavierkonzerte.
„Sieg für Klima und Gesundheit“
Die niederländische Hauptstadt hat Außenwerbung für Fleisch und „fossile Produkte“ konsequent verbannt, von Litfaßsäulen, Tramhaltestellen, U-Bahn-Stationen. Grüne Stadtpolitikerinnen feiern es als „wichtigen Sieg für Klima und Gesundheit“. „Für Werbung großer Unternehmen, die die Klimakrise vorantreiben, ist in Amsterdam kein Platz mehr“, sagte die grüne Stadtabgeordnete Jenneke van Pijpen. In deutschen Medien wird Amsterdam als Vorbild gehandelt. Die Begeisterung ist groß.

Die grüne Stadtabgeordnete Amsterdams Jenneke van Pijpen
Es lohnt sich allerdings, die Frage zu stellen, die kaum jemand stellt. Wer entscheidet eigentlich, welche legalen Produkte noch öffentlich beworben werden dürfen und welche nicht?
Keine Werbung wegen Klimazielen
Die Begründung für das Verbot ist so simpel wie ideologisch: Wer als Stadt CO2-Neutralität bis 2050 anstrebt und gleichzeitig mit öffentlichen Werbeflächen Geld an Hamburger-Konzernen und Billigfliegern verdient, habe ein Glaubwürdigkeitsproblem. „Warum sollte die Stadt Geld damit machen, unseren öffentlichen Raum an etwas zu vermieten, gegen das wir aktiv Maßnahmen ergreifen?“, fragte beispielsweise Anneke Veenhoff von GroenLinks rhetorisch, um das Verbot schönzureden.
In Deutschland gibt es ebenfalls viele Städte, die sich Klimaziele gesetzt haben. Die meisten sogar „ambitionierter“ als Amsterdam. Berlin will bis 2045 klimaneutral werden, Hamburg bis 2040 und München sogar schon 2035. Insofern dürfte es wohl bald auch in Deutschland heißen: Fleisch, Wurst, Grill und Flugreisen? Keine öffentlichen Werbeflächen mehr für derartiges Teufelszeug. Das trifft Fleischhersteller, aber auch genauso Fastfood-Ketten wie McDonald’s oder Hersteller von Grills. Und danach werden sich noch weitere böse Unternehmen und Produkte finden lassen, die auch aus den Städten verbannt werden müssen. Das ist kein Randthema. Es greift in grundlegende Freiheitsrechte von Unternehmen und Bürgern ein und diffamiert ein Stück Lebensgefühl, das gerade jetzt zur Fußball-WM Millionen Menschen begeistert und glücklich macht.

Das Verbot würde auch Fastfood-Ketten treffen.
Der „Tobacco-Moment“ jetzt auch für Burger und Billigflieger
Die Begründung für das Verbot geht aber noch weiter. Werbung im öffentlichen Raum funktioniere anders als TV oder Instagram. Man kann sie nicht wegklicken. Sie hängt einfach da, täglich, überall, für alle. Und genau diese passive Allgegenwärtigkeit normalisiere Konsummuster. Ja, das mag sein. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass dieser Konsum normal ist und es auch schon immer war. Es geht also nicht nur um Klimaziele, sondern darum, Menschen eine „neue Normalität“ einzuimpfen, die sie selbst gar nicht wollen. Politisch wird das gerne „Nudging“ genannt; klarer ist hier: Umerziehung.
Vorbild der Werbe-Gegner ist die Tabakwerbung, die das Rauchen jahrzehntelang als männlich, glamourös und selbstverständlich inszeniert habe, bis es verboten wurde. Genau diesen „Tobacco-Moment“ wollen Aktivisten jetzt für Fleisch, Wurst, Burger und Billigflieger. Ob es wirkt, ist eine ganz andere Frage. Bei Tabak hat das Verbot nicht dazu geführt, dass weniger geraucht würde. Im Gegenteil: Es gab sogar einen Boom neuer Produkte wie Vapes, die vor allen Dingen von Jugendlichen konsumiert werden, die nie die alte Tabakwerbung auf Plakaten, in Spots oder Anzeigen gesehen hatten.
Fleisch ist aber kein Alkohol. Kein Tabak. Keine Droge. Fleisch ist ein milliardenfach konsumiertes legales und streng kontrolliertes Lebensmittel, das in jedem Supermarkt verkauft wird, das Millionen Menschen täglich essen und das auch in Amsterdam weiterhin verkauft werden darf. Nur beworben werden soll es nicht mehr. Zumindest nicht auf städtischen Flächen. Das ist schon eine bemerkenswerte Konstruktion. Die Stadt kassiert weiter Steuern von der Fleischindustrie. Die Supermarktketten dürfen intern weiter werben. Restaurants und Metzgereien sind ausgenommen. Nur die öffentliche Außenwerbung trifft das Verbot, weil die Stadt dort das Hausrecht hat. Die Botschaft dahinter ist trotzdem eindeutig: Fleisch essen ist zwar erlaubt, aber nicht mehr gesellschaftlich erwünscht. Und wer es dennoch tut, sabotiert das Ziel der Klimaneutralität.

Deutschland hat Tabakwerbung aus dem öffentlichen Raum weitgehend verbannt: Seit 2022 ist Plakatwerbung für klassische Tabakprodukte untersagt, seit 2024 gilt dieses Verbot auch für E-Zigaretten.
Deutschland verbietet auch – aber anders
In deutschen Städten sind solche Werbeverbote keine unvorstellbare Sache. Das Timing gerade jetzt zur Fußball-WM wäre auch äußerst ungeschickt. Aber nach der WM sind ja noch vier Jahre Zeit bis zur nächsten. Und da lässt sich so einiges beschließen. Denn vieles ist schon beschlossen worden, was ebenfalls dem Ziel der Klimaneutralität dienen soll. Besonders im grün regierten Baden-Württemberg verstehen sich verschiedene Städte als Vorreiter. In Tübingen muss eine Verpackung auf Becher und Teller und Besteck bezahlt werden. Und für Gastrobetriebe gilt eine Mehrwegpflicht. Freiburg hat ebenfalls in diesem Jahr eine Verpackungssteuer eingeführt. Konstanz auch. Da heißt das Ganze allerdings „Abfallvermeidungs-Steuer“.
Aber auch in anderen Bundesländern gibt es ähnliche Bestimmungen und Vorschriften. In Düsseldorf genauso wie in Bad Kreuznach oder Hilden gilt ein Einwegverbot bei öffentlichen Veranstaltungen und städtischen Festen. In Hamburg beispielsweise sind Einweggrills verboten, genauso wie in Köln oder in Mannheim und in Düsseldorf. Gütersloh hat Luftballons bei städtischen Anlässen verboten und in Tuttlingen in Baden-Württemberg wurde dieses Jahr Konfetti beim Fasnachtsumzug offiziell verboten.
Der Schritt zum Verbot von unliebsamer Werbung ist also auch in Deutschland alles andere als weit. Und natürlich wird es viele Befürworter geben, die die „progressive“ Politik unserer europäischen Nachbarn gerne als Vorbild nehmen. Vielleicht erleben wir gerade die letzte Fußball-WM, bei der noch völlig „ungeniert“ für Fleisch, Wurst und Grillvergnügen geworben werden darf …
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Andreas Moring
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