Bier seit 1627: Braunschweiger Traditionsbrauerei Wolters stellt Insolvenzantrag
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Die Braunschweiger Traditionsbrauerei Hofbrauhaus Wolters GmbH will sich nach eigenen Angaben mit einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung neu aufstellen.
Nach Unternehmensangaben wurde der entsprechende Antrag am Freitag beim Amtsgericht Braunschweig eingereicht. Der Geschäftsbetrieb soll während des Verfahrens vollständig weiterlaufen.
Als Gründe nennt die Brauerei eine anhaltend schwache Nachfrage sowie deutlich gestiegene Kosten. Die gesamte Bierbranche steht seit Jahren unter Druck: Höhere Energie-, Produktions- und Logistikkosten, gestörte Lieferketten, unsichere Exportmärkte und eine zurückhaltende Kauflaune setzen vielen Brauereien zu. Auch der Bierabsatz in Deutschland ging zuletzt weiter zurück.
„Wolters ist ein traditionsreiches und regional stark verwurzeltes Unternehmen“
Wolters will das Verfahren nutzen, um die eigene Struktur grundlegend zu überarbeiten. Ziel sei eine strategische Sanierung bei uneingeschränkter Fortführung des Unternehmens. Unterstützt wird die Geschäftsführung dabei von der Kanzlei Eckert Rechtsanwälte. Rechtsanwalt Kimon Kantis kommentiert: „Wolters ist ein traditionsreiches und regional stark verwurzeltes Unternehmen. Ein Eigenverwaltungsverfahren eröffnet dem Unternehmen nun die Chance, den strukturellen Herausforderungen der Branche nachhaltig zu begegnen.“
Künftig will sich Wolters stärker auf den regionalen Markt konzentrieren. Außerdem plant das Unternehmen, sein Sortiment über das klassische Biergeschäft hinaus zu erweitern. Besonders der Bereich alkoholfreier Getränke soll ausgebaut werden.
Die Beschäftigten wurden bereits in einer Mitarbeiterversammlung über die Lage informiert. Nach Angaben des Unternehmens sind Löhne und Gehälter der Belegschaft gesichert.
Bierabsatz in Deutschland rückläufig
Im fünftgrößten Biermarkt der Welt stehen die alkoholhaltigen Sorten seit Jahren unter Druck. Selbst die Heim-Europameisterschaft mit vielen trinkfreudigen Fans aus den Gastländern konnte im Jahr 2024 den Absatz nicht retten. Im vergangenen Jahr ging der Absatz um knapp 6 Prozent runter, der Abwärtstrend scheint seit Jahren unaufhaltsam wie das Brauereisterben.
Eine bierselige Sause wie beim Heim-Sommermärchen 2006 erwartet in der Branche folglich niemand. „Aber natürlich ist ein Jahr mit WM besser als ein Jahr ohne WM“, hält Niklas Other vom Getränke-Branchendienst Inside den Unkenrufen entgegen. Große Fußball-Turniere sorgten für „zusätzliche Konsumanlässe“ und belebten die Nachfrage auch nach alkoholfreiem Bier, wie Brauerbund-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele feststellt.
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