Kiel Institut: Höhere Energiepreise dämpfen die wirtschaftliche Erholung
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Die deutsche Wirtschaft wächst wieder leicht – aber nur auf schwacher Grundlage. Das Kiel Institut erwartet zwar 0,8 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 1,4 Prozent im kommenden Jahr, doch steigende Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Standortprobleme bremsen die Entwicklung. Zudem warnen die Ökonomen, dass der Aufschwung ohne staatliche Schuldenimpulse nicht selbsttragend wäre.
Damit könnte die fast vierjährige Schwächephase der deutschen Wirtschaft zwar allmählich in eine moderate Expansionsphase übergehen. Die Dynamik bleibt jedoch begrenzt. Vor allem die expansive Finanzpolitik des Staates sorgt derzeit für konjunkturelle Impulse.
Zugleich treiben höhere Energiepreise die Inflation wieder nach oben. Für das laufende Jahr rechnen die Forscher mit einer Teuerungsrate von 2,5 Prozent. Auch die sogenannte Kerninflation dürfte im gesamten Prognosezeitraum deutlich über der Marke von zwei Prozent bleiben.
Zusätzliche Risiken ergeben sich aus der geopolitischen Lage. „Durch den militärischen Konflikt im Iran droht der deutschen Wirtschaft Gegenwind“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. Entscheidend sei, dass die Preise für Rohstoffe nicht stärker steigen als derzeit an den Märkten erwartet.

Energiepreise sorgen für Kaufkraftverlust
Nach Berechnungen der Ökonomen führt der Anstieg der Energiepreise zu einem spürbaren Kaufkraftverlust. Die höhere Importrechnung für Rohöl, Mineralölprodukte und Erdgas entspricht demnach rund 0,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Dies belaste die Konjunktur merklich, führe aber nicht zu einem wirtschaftlichen Einbruch.
Auch unabhängig von den Energiepreisen bleiben die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft bestehen. „Mit dem Ballast erheblicher Standortschwächen kann die deutsche Wirtschaft derzeit keine großen Sprünge machen“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef des Instituts. Ohne die durch hohe Haushaltsdefizite finanzierten staatlichen Impulse wäre die wirtschaftliche Dynamik so gering, dass weiterhin nicht von einem selbsttragenden Aufschwung gesprochen werden könne.

Nur begrenzte Wachstumsimpulse bei Exportwirtschaft
Die Exportwirtschaft dürfte ihre Geschäfte zwar wieder leicht ausweiten, liefert jedoch nur begrenzte Impulse für das Wachstum. Für dieses Jahr erwartet das Institut ein Exportplus von 0,3 Prozent, im kommenden Jahr von 1,6 Prozent. Trotz dieser Entwicklung verliert Deutschland weiterhin Anteile am Weltmarkt.
Der private Konsum entwickelte sich seit der Pandemie etwas stärker als die Gesamtwirtschaft. Während die Wirtschaftsleistung derzeit nur rund 0,5 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie liegt, ist der private Verbrauch um fast drei Prozent gestiegen. Steigende Energiepreise bremsen jedoch auch hier die Entwicklung. Für dieses Jahr erwarten die Forscher ein Konsumwachstum von 0,6 Prozent.
Positiver könnte sich der Bausektor entwickeln. Nach Rückgängen in den vergangenen Jahren rechnen die Ökonomen wieder mit steigenden Bauinvestitionen. Sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau erwarten sie in den beiden Prognosejahren jeweils ein Wachstum von 2,4 Prozent.
Bei den Investitionen in Maschinen und Anlagen zeichnet sich zunächst noch ein Rückgang ab. Trotz steigender staatlicher Ausgaben dürften die Ausrüstungsinvestitionen in diesem Jahr um 0,3 Prozent sinken. Erst im kommenden Jahr rechnen die Ökonomen mit einem deutlichen Anstieg von 6,1 Prozent.
Die wirtschaftliche Belebung dürfte sich zudem erst verzögert am Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Spürbar steigende Beschäftigungszahlen erwarten die Forscher erst im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote dürfte zunächst bei 6,3 Prozent bleiben und erst im nächsten Jahr auf 6,0 Prozent sinken.
Parallel dazu steigen die staatlichen Defizite deutlich an. Hintergrund ist die expansive Finanzpolitik, mit der der Staat die Konjunktur stützt. Der Fehlbetrag der öffentlichen Haushalte dürfte im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung von 2,7 Prozent im Jahr 2025 auf 3,7 Prozent im Jahr 2026 und auf 4,2 Prozent im Jahr 2027 wachsen.

Auch weltweit rechnen die Ökonomen mit moderatem Wachstum. Unter der Annahme stabiler Energieversorgung aus dem Persischen Golf könnte die Weltwirtschaft in diesem und im kommenden Jahr jeweils um etwas mehr als drei Prozent zulegen. Impulse erwarten die Forscher insbesondere von Investitionen und vom Boom rund um Künstliche Intelligenz. In Europa dürfte sich die wirtschaftliche Erholung nach einem energiepreisbedingten Dämpfer in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen.
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