Fellwechsel im Revier: Der Belgier verdrängt den Deutschen Schäferhund
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Sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich: gespannte Haltung und ein wacher Blick. Der Belgische Schäferhund Malinois und der Deutsche Schäferhund wirken gleichermaßen kraftvoll, intelligent und diszipliniert. Und doch gehen ihre Wege im Polizeidienst inzwischen deutlich auseinander. Der Malinois hat den Deutschen Schäferhund in vielen Regionen bereits abgelöst.
Ein Blick auf die Zahlen
In Nordrhein-Westfalen lässt sich der Wandel schwarz auf weiß ablesen. Dort stehen 281 Belgische Schäferhunde im Dienst, aber nur noch 26 Deutsche Schäferhunde. Von insgesamt 307 Tieren gehören damit über neunzig Prozent zur belgischen Rasse. In Sachsen meldeten Behörden zuletzt 68 Malinois gegenüber 24 Deutschen Schäferhunden. Und auch in Hamburg liegt der Anteil der Belgischen Schäferhunde mittlerweile über dem der klassischen Deutschen Schäferhunde. Der Hund, der jahrzehntelang als Inbegriff des Polizeihundes galt, ist zur Minderheit geworden.
Bei der Bundespolizei sieht es ähnlich aus: Hier arbeiten derzeit 422 Diensthunde. 209 davon sind Malinois, 153 Deutsche Schäferhunde. Der Rest verteilt sich auf andere Rassen wie Labrador Retriever oder Mischformen. Der Malinois stellt damit die größte Gruppe unter den Diensthunden dar.
Es ist kein regionaler Ausreißer. Es ist ein Trend.

Der Belgische Schäferhund Malinois gilt heute als bevorzugter Diensthund vieler Polizeibehörden.
Was sich in der Praxis geändert hat
Seit 1988 züchtet die Polizei Nordrhein-Westfalen ihre Diensthunde selbst in der Diensthundeschule in Schloss Holte-Stukenbrock. Über Jahrzehnte setzte man dort selbstverständlich auf den Deutschen Schäferhund. Er galt als vielseitig, belastbar und sehr verlässlich.
Doch mit den Jahren beobachteten Ausbilder und Tierärzte genau, welche Hunde im Training stabil blieben und welche früh ausfielen. Die Anforderungen an die Tiere sind enorm: Ein Diensthund springt über Mauern, sprintet kurze Strecken, stoppt abrupt, dreht sich blitzschnell, arbeitet im Schutzdienst, sucht Sprengstoff oder vermisste Personen. Und das regelmäßig über viele Jahre. Zeigt ein Hund dabei Schmerzen in Hüfte oder Ellenbogen, baut Muskulatur ungleichmäßig auf oder bekommt Rückenprobleme, endet seine Karriere früher als geplant.

Beide Rassen stehen für Disziplin, Intelligenz und Arbeitswillen.
Beim Deutschen Schäferhund treten Hüft- und Ellbogendysplasien laut Verein für Deutsche Schäferhunde vergleichsweise häufig auf. Auch Erkrankungen der Wirbelsäule sind dokumentiert. Das hängt unter anderem mit der Zuchtgeschichte zusammen: Über Jahrzehnte wurde ein stark abfallender Rücken und eine ausgeprägte Hinterhandwinkelung als Schönheitsideal bevorzugt. Im Ausstellungsring mag das beeindrucken – im polizeilichen Dauereinsatz zählt etwas anderes.
Der Malinois ist meist gerader gebaut, leichter und insgesamt kompakter. Im Training beschleunigt er schnell, wechselt abrupt die Richtung und bleibt auch nach mehreren Durchgängen konzentriert. Hundeführer beschreiben ihn als hochmotiviert, manchmal explosiv, aber gut steuerbar.

Im Training zeigt der Malinois seine Stärken: Wendigkeit, Tempo und hohe Konzentration.
Es geht nicht um Image, sondern um Einsatzdauer
Am Ende stellen sich Ausbilder eine einfache Frage: Welcher Hund macht mehrere (in der Regel bis zu acht) Jahre Dienst durch? Wenn ein Hund im Einsatz sprintet, springt, zupackt und trotzdem präzise auf Kommandos reagiert, zählt jede körperliche Reserve. Genau hier sehen viele Behörden Vorteile beim Malinois.
Hinzu kommt ein nüchterner Faktor: der Preis. Einige Bundesländer kaufen ihre Hunde extern ein. Belgische Schäferhunde sind auf dem internationalen Markt häufig verfügbar und in der Anschaffung oft günstiger.

Ein Klassiker mit Herz: der Deutsche Schäferhund.
Und der Deutsche Schäferhund?
Trotz seines Rückzugs aus dem Polizeidienst bleibt der Deutsche Schäferhund die Lieblingsrasse der Deutschen. Rund 250.000 Tiere leben hierzulande – mehr als jede andere Hunderasse. Weltweit gehört er weiterhin zu den populärsten Fellnasen.
Er führt Blinde sicher durch den Alltag, hilft Menschen mit Behinderungen, bewacht Häuser und begleitet Familien. Während er im Revier an Boden verliert, bleibt er im privaten Leben fest verankert.
Der Deutsche Schäferhund bleibt ein Stück deutscher Hundegeschichte – und in vielen Herzen einfach der beste Freund auf vier Pfoten.
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