Trump, Politik und die Promis: Wer hält zu ihm – und wer hält dagegen?
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In politisch verrückten Zeiten, wandert der Blick nicht nur ins Weiße Haus, sondern auch schnell rüber nach Hollywood. Plötzlich hört man bei Preisverleihungen genauer hin als bei Pressekonferenzen. Dankesreden klingen plötzlich politisch, selbst ein kleiner Anstecker wird zur Botschaft. Wir erinnern uns an die Grammy-Verleihung vergangene Woche. Prominente dienen in solchen Momenten als eine Art moralischer Seismograf, der seit Jahren ziemlich unregelmäßig ausschlägt.
Seit Trumps erster Amtszeit wechseln politische Haltungen so schnell wie Stylings. Wer gestern protestierte, posiert heute neben ihm. Wer sonst unpolitisch wirkte, wird plötzlich zur lautesten Stimme. Klare Lager lösen sich auf, Gewissheiten gleich mit.

Trump mit MAGA-Cap
Wer Orientierung sucht, bekommt vor allem Widersprüche. Ein paar davon hier:
Nicki Minaj
Kaum jemand beherrscht den großen Auftritt so wie sie. Als sie bei einem Trump-Event seine Hand nimmt und sich offen als „Number One Fan“ bekennt, wirkt das wie eine selbstbewusste Geste, die vor allem eines ausdrücken soll: Ich stehe dazu. Noch vor wenigen Jahren warf sie ihm „Terror“ gegen Migrantenkinder vor. Jetzt klingt sie überzeugt. Für ihre Fans vor allem eines: überraschend.

Nicki Minaj bei der Premiere von „Melania“ im Trump Kennedy Center in Washington, D.C.
Lil Pump
Trump sei „cool“, sagt er. Das reicht offenbar. Früher rebellierte Rap gegen das Establishment, heute rebelliert er gegen „Wokeness“. Ein bisschen Trotz, ein bisschen Provokation, viel Show – eben sehr Rap.

US-Präsident Donald Trump holt Rapper Lil Pump bei einem Wahlkampfauftritt mit auf die Bühne.
Caitlyn Jenner
Erst unterstützte sie Trump. Dann folgte Empörung über seine Trans-Politik. Dann fand sie wieder Gefallen an konservativen Werten. Jenners Verhältnis zu Trump wirkt wie eine On-off-Beziehung.

Caitlyn Jenner bei den GLAAD Media Awards 2016 in New York. Später erklärte sie, die Republikaner zu unterstützen.
Kanye West (Ye)
Mal Clinton-Spender, mal MAGA-Kappe, mal eigene Präsidentschaft. Bei ihm sieht Politik aus wie ein sehr teures, sehr öffentliches Experiment. Nur eines bleibt erstaunlich konstant: seine Nähe zu Trump.

Politik trifft Popkultur: Trump, Kanye West und Jim Brown im Oval Office, 2018
Jon Voight
Der Schauspieler redet über Trump wie über einen alten Westernhelden. Viel Pathos, viel Vaterland. Seine Tochter Angelina Jolie engagiert sich derweil für Geflüchtete. Familienessen dürften spannend sein.

Politik trifft Hollywood: Trump und Jon Voight in Washington, 2020.
Sylvester Stallone
Wenn Stallone über Trump redet, klingt es fast wie eine Filmszene. Viel Respekt, viel Pathos, viel Glaube an starke Persönlichkeiten. Er sieht in ihm weniger den Politiker als den Kämpfer – vielleicht auch ein bisschen Rocky im Anzug.

Trump trifft Sylvester Stallone bei einem Galaabend in Florida.
Bad Bunny
Der vielleicht lauteste von allen. Spielt zeitweise gar nicht mehr in den USA aus Angst vor ICE-Razzien bei seinen Fans. Widmet Preise jenen, die ihre Heimat verlassen mussten. „We are humans.“ Kein großes Pathos, nur ein Satz, der sitzt.

Bad Bunny bei der Halbzeitshow des Super Bowl 60 – ein Popauftritt, der zur politischen Bühne wird.
Billie Eilish
Sie spricht über die USA wie über ein kaputtes System, von „stolen land“ und moralischem Versagen – nur kommt das aus einer maximalen Komfortzone. Ihre Kritik wirkt weniger wie eine Analyse als wie ein Generationsgefühl: viel Empörung, wenig Realitätssinn.

Billie Eilish nutzt die Grammy-Bühne bei der Preisannahme für politische Statements.
Mark Ruffalo
Der nette Hulk wird politisch schnell sehr laut. Er nennt Trump einen Verbrecher und ein Risiko für das Land. Seine Tiraden mobilisieren nur die eigene Bubble.

Mark Ruffalo bei einer Anti-Trump-Demonstration in New York in 2025.
Katy Perry
Lange still, dann plötzlich Aktivistin. Ruft Fans auf, Protestbriefe zu schreiben, teilt Vorlagen, organisiert Widerstand per Story. Popstar als Bürgerinitiative.

Katy Perry tritt bei einer Wahlkampfveranstaltung von Kamala Harris in Pennsylvania auf.
Zach Bryan
In seinen Songs taucht ICE namentlich auf, Türen werden eingetreten, Kinder haben Angst. Emotional stark, politisch schlicht. Komplexe Einwanderungsdebatten schrumpfen bei ihm auf drei Minuten Gitarre. Gute Songs, dünne Analyse.

Zach Bryan beim Stagecoach Festival – der Country-Folk-Musiker positioniert sich zunehmend politisch.
Bruce Springsteen
Der alte weiße Mann mit Gitarre, der das Klischee sprengt. Schreibt neue Songs über Abschiebungen und Polizeigewalt. Politisch kaum noch wirksam.

Springsteen auf der Bühne, Trump auf Staatsbesuch – politische Fronten, die selbst Rocklegenden Publikum kosten.
Der Super Bowl: Bad Bunny im Stadion, Kid Rock im Gegenprogramm
Was beim Super Bowl 2026 als größtes Sportereignis des Jahres geplant war, wurde schnell wieder zum politischen Schauplatz.
Im Levi’s Stadium stand Bad Bunny als Headliner der offiziellen Halbzeitshow. Millionen Menschen schauten zu, als der puerto-ricanische Superstar seine Botschaft sang: Spanisch im Stadion, Inklusion im Herzen, Liebe statt Hass. Für viele war es ein kulturelles Statement, ein „Wir alle sind Menschen“-Moment vor einem globalen Publikum. Donald Trump nannte die Performance „schrecklich“, eine „Beleidigung für Amerika“.

Bad Bunny setzt beim Super Bowl ein Zeichen und trägt die Flagge Puerto Ricos auf der Bühne.
Während also drinnen das große Good-Vibes-Programm lief, passierte draußen etwas, das weniger inszeniert war, aber genau deswegen Aufmerksamkeit bekam: Eine alternative Halbzeitshow, organisiert von Turning Point USA, der konservativen Jugendorganisation, die seit Jahren Trumps Themen in die Popkultur trägt.

„All-American Halftime Show“: Turning Point USA organisiert mit Kid Rock und Country-Acts ein konservatives Gegenprogramm zur offiziellen Super-Bowl-Halbzeitshow.
Im Schatten der NFL-Bühne spielte Kid Rock dort seine Version von „Americana“. Keine riesige Arena und kein NFL-Logo, dafür aber eine klare Botschaft: Dies ist die Stimme des anderen Amerikas, derjenigen, die sich vom offiziellen Entertainment-Spektrum nicht repräsentiert fühlen. Country-Acts spielten patriotische Songs, US-Flaggen wehten über dem Gelände, und mittendrin kratzte sich Kid Rock mit rauer Stimme durch seine Gitarrenriffs. Über fünf Millionen Menschen sahen diesen Livestream parallel.
Zwischen Applaus und Protest zeigt sich vor allem eines: Selbst die Promis kommen an Politik nicht vorbei.
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