2000 Dienstleistungen in einer App: Was wir von Griechenland lernen können
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Die „Griechenland-Krise“ zwischen 2010 und 2018 ist legendär und unvergessen: Deutschland war der wichtigste Player bei den Rettungspaketen, die Griechenland damals aus der Staatsschuldenkrise herausgeführt hat.
Deutschland übernahm Kredite und Bürgschaften für Hilfspakete von gut 50 Milliarden Euro. Griechenland musste gerettet werden, um einen wirtschaftlichen Kollaps abzuwenden und die Stabilität innerhalb der EU wiederherzustellen.
Verwaltung rasant modernisiert
Griechenland wurde gerettet und hat sich längst erholt – und wie! Vor allem beim Bürokratieabbau hat Hellas uns nicht nur eingeholt, sondern überholt. Im Tagesspiegel berichtet Alexandros Papaioannou, Griechenlands Botschafter in Deutschland: „Wir haben unsere Verwaltung innerhalb weniger Jahre vom 19. ins 21. Jahrhundert katapultiert. Das 20. Jahrhundert haben wir praktisch übersprungen. Bis vor ein paar Jahren musste man für jede Kleinigkeit mit einem riesigen Stapel Dokumente zum Amt gehen. Das war ein Albtraum.“
2019 wurde in Athen das Ministerium für digitale Transformation gegründet. Von da an ging es schnell. In der Pandemie gab es eine App, um Impftermine zu vereinbaren – ein Testlauf für die digitale Verwaltung. 2022 ging dann die Plattform gov.gr online und wird stetig weiter ausgebaut. Mittlerweile können mehr als 2000 staatliche Dienstleistungen in einer einzigen App erledigt werden.

Nicht nur schön, sondern auch pragmatisch: Die Griechen zeigen, wie Bürokratieabbau geht.
Neue Papiere in einer Woche
Was das bedeutet, berichten die deutschen Auswanderer Jule Schmid und Axel Steinmüller. Sie sind vor vier Jahren aus Sachsen-Anhalt nach Kreta gezogen. „Unsere Steuernummer haben wir 2021 noch über einen Steuerberater beantragt. Das war sehr viel Papierkram“, sagt Steinmüller. Mittlerweile gehe das problemlos online. Auch das Tempo habe sich erhöht. „Wir haben damals über einen Monat auf die Ausstellung gewartet. Bekannte von uns hatten sie jetzt in unter einer Woche.“
Was kann Deutschland von Griechenland lernen? Botschafter Papaioannou: „Wenn jede Behörde ihre eigene Anwendung entwickelt, dann wird das ein furchtbares Chaos“, sagt er. Die entscheidende Frage sei daher: Wie bringt man alles zusammen? Überall müssten die gleichen Regeln gelten, sonst funktioniert es nicht. Auf die Frage, was der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger als Erstes tun sollte, sagt Griechenlands Botschafter: „Wenn man nur das Vorgehen ins Netz verlagert, dass man vorher auf Papier erledigt hat, ist nicht viel gewonnen. Ohne Bürokratieabbau keine effiziente Digitalisierung.“
Weise Griechenworte, denen nichts hinzuzufügen ist.
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