Berliner mussten tagelang frieren: Wie andere Metropolen Stromausfälle in Stunden lösen
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Warum hat es in Berlin fünf Tage gedauert, bis der Südwesten der Stadt mit seinen 100.000 betroffenen Menschen nach den Anschlägen Linksradikaler wieder Strom hatte? Und wie lange dauert es in anderen Metropolen, bis so ein Stromausfall behoben wäre?
Die Berliner Zeitung analysierte die Infrastruktur in fünf anderen Metropolen – und kam zu einem verblüffenden Ergebnis.
Kiew
Das ist die Stadt, in der das Licht und die Heizung oft schon wieder angehen, bevor sich der Rauch am Himmel verzogen hat. Unter permanentem russischen Raketenbetrieb haben die ukrainischen Stadtwerke eine Art Kriegsbetrieb entwickelt, in dem Schichtpläne, Materiallager und Reparaturkolonnen auf Dauerausnahmezustand getrimmt sind. Wenn Umspann- oder Wärmekraftwerke rund um die Hauptstadt nach nächtlichen Drohnenangriffen brennen und Hochspannungsleitungen zerstört werden, hat die schnelle Versorgung einzelner „Strominseln“ laut ukrainischer Energieversorgung DTEK höchste Priorität. Notfalls wird in der Ukraine improvisiert, was unter deutschen Sicherheitsauflagen undenkbar wäre. Die größte Stadt der Ukraine zeigt, was technisch und organisatorisch möglich ist, wenn die politische Führung, die Bevölkerung und die Energieversorger dieselben Prioritäten teilen. Mitarbeiter und Ingenieure werden in der Ukraine als stille Helden gefeiert.

Abendstimmung in Kiew während eines Stromausfalls: Blick auf den Sonnenuntergang über der ukrainischen Hauptstadt am 29. Oktober 2025.
Mailand
Seit dem großen Blackout vom 28. September 2003, dem schwersten Stromausfall in der italienischen Geschichte, hat das Land viel unternommen, um das Stromnetz robuster und sicherer zu machen. Damals saßen 56 Millionen Italiener plötzlich im Dunkeln – manchmal bis zu 18 Stunden. In Mailand und Rom standen U-Bahnen und Züge still, Ampeln fielen aus, Krankenhäuser liefen auf Notstrom. Seither hat Italien sein Stromnetz modernisiert – mit dem weltweit ersten großflächigen Rollout intelligenter Stromzähler. Dadurch kann das Netz schnell auf Störungen reagieren.
New York City
Die Stadt plant ihre Stromversorgung unter der Annahme, dass Extremereignisse wie Hurrikans, Sturmfluten oder gezielte Sabotageakte jederzeit auftreten könnten. Kritische Infrastruktur soll innerhalb von Minuten, die städtische Grundversorgung innerhalb weniger Stunden wieder verfügbar sein. Die Netztechniker folgen der Logik, dass Ausfälle unvermeidbar sind, aber beherrscht werden müssen. Während Manhattan nahezu vollständig unterirdisch verkabelt ist, verlaufen die entscheidenden Hochspannungsachsen, die als Strombrücken zwischen den Stadtteilen und dem Umland fungieren, überwiegend oberirdisch. Diese Bauweise erleichtert im Notfall den schnellen Zugriff, Sichtprüfungen und zügige Reparaturen. Ein weiterer Schlüssel zur Versorgungssicherheit ist eine automatisierte Schalttechnik. Sie erlaubt es Netzbetreibern, innerhalb weniger Minuten große Stromlasten umzuleiten und so betroffene Stadtteile schnell mit Strom zu versorgen.

Blick auf die Manhattan Bridge von Brooklyn aus an einem klaren Tag, New York City, USA.
Tel Aviv
Israel plant seine Stromversorgung unter der ständigen Annahme, dass gezielte Angriffe möglich und wahrscheinlich sind. Raketenbeschuss, Sabotageakte und Cyberattacken zählen zur Realität des Landes. Entsprechend ist auch das Zeitmaß definiert: Kritische Infrastruktur soll binnen Minuten, die urbane Grundversorgung soll innerhalb weniger Stunden wieder verfügbar sein. Die Israel Electric Corporation hält mobile Umspannwerke, Ersatzmasten und spezialisierte Bereitschaftsteams vor, um bei Ausfällen sofort eingreifen zu können. Besonders kritische Infrastrukturen – darunter Krankenhäuser, Kommunikationsnetze, militärische Einrichtungen und die Wasserversorgung – sind ständig auf Inselbetrieb vorbereitet. Das Berliner Netz dagegen ist vor allem auf Stabilität im Normalbetrieb ausgerichtet, entsprechend existiert kein vergleichbarer sicherheitspolitischer Zeithorizont für die Wiederherstellung.
Singapur
Im Insel- und Stadtstaat südlich von Malaysia zählen Stromausfälle eher zu statistischen Kuriositäten. Im Alltag fällt in Singapur der Strom fast nie aus.

Der singapurische Präsident Tharman Shanmugaratnam.
Die Finanzmetropole betreibt ihr Stromnetz wie ein hochsensibles Versuchslabor, mit mehrfach abgesicherten Leitungen, streng durchgeplanten Wartungsfenstern und einer lückenlosen digitalen Überwachung, die bis in die kleinsten Umspannstationen reicht. Wenn doch einmal ein größerer Ausfall droht, greifen klare, einstudierte Protokolle, verantwortlich ist nicht „irgendwer beim Versorger“, sondern es gibt ein fein abgestuftes System von Zuständigkeiten, das von der Regierung gewollt und bezahlt wird.
Die fünf Beispiele zeigen: Eigentlich ist die Stromversorgung überall besser als in Berlin.
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