Codes, Kühltruhen, Küchengeheimnisse: Ging es bei Epsteins Trockenfleisch-Wahn in Wahrheit um Menschenfleisch?
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Eric SteinbergGibt es neben Epsteins Codes für Pädophilie-Verbrechen noch weitere Geheimsprache, die Abscheuliches vertuscht? In den sozialen Medien glauben viele Nutzer, in den Dokumenten einen Beweis für Kannibalismus gefunden zu haben. Während manche Hinweise in diesem Zusammenhang sich bereits als inhaltsloses Geschwurbel herausgestellt haben, wirken andere auch nach genauerer Betrachtung noch immer skurril.
War Epstein nicht nur an Sexualstraftaten mit Kindern beteiligt, sondern tischte für die globalen Eliten ebenso Menschenfleisch auf?
So intensiv wie aktuell wurde im Netz jedenfalls noch nie über Trockenfleisch diskutiert. Wir haben es jedoch nicht mit einem Trendlebensmittel zu tun, die Aufregung dreht sich um die Erwähnungen von „Jerky“ in den Epstein-Dokumenten. Insgesamt 380 Mal taucht das Wort, das übersetzt für Trockenfleisch steht, in den Dokumenten auf – und soll ein Code für Menschenfleisch sein.
Ähnliche Geheimcodes wurden bereits aufgelöst
Nachdem in den vergangenen Tagen schon Verbindungen zum „Pizzagate“ gezogen wurden, das 2016 bereits nahelegen sollte, Eliten seien in pädophilen Netzwerken verstrickt sind, entwickelt sich rund um das Trockenfleisch nun ein neuer Verschwörungsansatz. Wurden die Pizza-Connection vor allem durch das gleiche Wording und verwendete Codes wie „Hotdog“ für Junge oder „Pizza“ für Mädchen wiederentdeckt, vermuten manche in den Files noch eine zweite Geheimsprache entdeckt zu haben.
Am meisten befeuert wurde die Kannibalen-Theorie durch Mail-Verkehr zwischen dem ehemaligen Koch des Milliardärs, Francis Derby und einem geschwärzten Kontakt. In der Kommunikation geht es darum, dass Derby darüber berichtet, Epstein esse jetzt wieder „regular food“. Es könne also sein, dass er nun mehr „jerky“ esse. Epstein hätte insgesamt noch sechs Pakete in der Gefriertruhe für seinen nächsten Trip.

Für die meisten der ultimative Beweis, bei genauerem Hinsehen jedoch nur ein weiteres Indiz für seine Machenschaften.
Sucht man Derby bei Google, findet man heraus, dass es sich bei ihm tatsächlich um einen Koch handelt, der in New York für das exklusive Restaurant mit dem Namen „The Cannibal“ arbeitete.
Was dabei besonders ins Auge sticht, ist der Name des Restaurants, die Erwähnung von „regulärer Nahrung“ und das für viele Internetnutzer verdächtige Verhalten, Trockenfleisch einzufrieren.
Sein Trockenfleisch prüfte Epstein im Labor
Ist das schon der ultimative Beweis für Verbrechen? Nicht wirklich. Derby ist nämlich ein echter Koch, das mittlerweile geschlossene „Cannibal“-Restaurant gehörte zur gehobeneren New Yorker Küche. Ebenso ist es bei Trockenfleisch nicht ungewöhnlich, vor allem bei selbst verarbeitetem, frischem Fleisch, es in der Gefriertruhe aufzubewahren.
Aber: Die Erwähnung von „jerky“ ist in diesem Fall nicht die einzige, die skurril erscheint. So schreibt Steve Hanson, allem Anschein nach ebenfalls ein Koch, dass der Hund sein Trockenfleisch aufgefressen hätte. Er werde einem Mann namens Francis mailen, noch etwas mehr davon zu produzieren, denn er brauche etwa 170- 225 Gramm, die er ins „lab“ schicken wolle. „lab“ dürfte in diesem Fall die Abkürzung für Labor sein, fraglich ist jedoch: Warum sollte man Trockenfleisch, ob selbst hergestellt oder kommerziell erworben, noch einmal zur Untersuchung ins Labor schicken?
Epstein fragt in einer anderen Unterhaltung noch einmal nach, ob Hanson das auch wirklich umsetzte: „Did we analyze the jerky?“

Der Hund fraß nicht die Hausaufgaben, dafür aber Hansons „Trockenfleisch“.
Der Nachschub geht nicht aus
Hat Epstein vielleicht auf eine karnivore Ernährung umgestellt? Dann zumindest wäre der Zeitraum für eine solche eben doch sehr lang. Epstein und seine Getreuen thematisieren „jerky“ über Jahre immer wieder. Stammen die Mails zwischen Derby und der unbekannten Person etwa aus dem Jahr 2012, schreibt Epsteins Ex-Freundin Karyna Shuliak noch im Juni 2016: „Would it be possible for you to make another batch of beef jerky für JE please? he is running out…“ Eine große Leidenschaft für Trockenfleisch oder doch ein dunkleres Geheimnis?
Dass Epstein immer einen Vorrat an Jerky zur Verfügung hate, schien ihm sehr wichtig zu sein. In einem anonymen Mailverkehr aus dem August 2012 geht es erneut um seinen Trockenfleisch-Konsum. Darin heißt es: „He left on Wed last week and hat quite a bit of jerky that we sent with him. he must be going through it like crazy.“ Sein Gegenüber versichert, er wolle noch weiteres Trockenfleisch herstellen.
70 Pfund Fleisch für zwei Wochen
Ebenfalls im August schreibt Francis Derby, dass Epstein immer noch auf Diät sei, er esse jedoch eine gute Menge an „Beef Jerky“. In zwei Wochen habe man 70 Pfund (ca. 32 kg) an Steaks für Trockenfleisch verwendet, „no joke“. „Lyn please put it out in small amounts and make sure you keep refilling it when he finishes“, heißt es darin weiter.
Eine beachtliche Menge: Pro Tag wären das über 2,2 Kilo an frischem Fleisch. Zusätzlich zu anderen proteinreichen Nahrungsmitteln, die Epstein laut den Mails zu dieser Zeit konsumierte.

Das Fleisch wurde für Epstein in rauen Mengen hergestellt.
Festzuhalten ist auf jeden Fall bereits: Epstein hatte Köche, die ihm ständigen Nachschub an Fleisch garantieren mussten. Fragt sich nur, welcher Sorte: „I need to know if hes out of jerky and things like this before it happens“.
Derby schreibt im November 2012 sogar an einen unbekannten Empfänger, er wolle extra vorbeischauen, um mehr Trockenfleisch herzustellen, zusätzlich berichtet er: „We can also cover chocolate cream pie if you can agree to pay me through this pay period“. Schokoladenkuchen in Verbindung mit Trockenfleisch? Eine eher seltsame Kombination…
Aber nicht nur Epstein selbst schien ein großer Fan des Fleisches zu sein. In den Mails finden sich ebenso viele Nachrichten seiner Kontakte, die etwa schwärmen: „Delicious lunch, beef jerky…mmmm.“
Weil nicht nur er es begehrte, teilte der Milliardär seine Leidenschaft, sein Fleisch. In einer Nachricht aus dem Mai 2016 fragt er einen geschwärzten Kontakt: „Is there a time I could come by – say hi and drop off the beef jerky?“ Eine zweite Mail zeigt die Auslassungen von Epstein-Ex Karyna Shuliak über den Nachschub: „(geschwärzt) has more at her place, please get it from her as well and bring it all with you“.
Ein Running Gag ohne Auflösung
Dem amerikanischen Unternehmer und Milliardär Reid Hoffmann schreibt Epstein 2013: „Many threads for our next call. planes. Charity, mapping orthogonal dimensions, beef jerky“. Immer wieder tauscht das Wort in Zusammenhängen auf, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben – wie ein Running Gag, den jedoch niemand erklärt.

Eine seltsam anmutende Kombination von Gesprächsthemen.
Eine weitere Unterhaltung, die Fragen aufwirft: „Jojo is here and will walk the jerky over to Jeffrey“, schreibt ein unbekannter Absender. Üblicherweise benutzt man für den Transport von Gegenständen oder wie in diesem Fall Fleisch eher die Vokabeln „bring“, „carry“ oder „take“. Totes Fleisch läuft nicht mehr…
Geht es vielleicht um Drogen? Der Gedanke eines Codewortes in dieser Hinsicht liegt auf den ersten Blick nahe, passt jedoch nicht zu den übrigen Ausführungen. Einfrieren etwa macht in diesem Zusammenhang noch weniger Sinn als beim Trockenfleisch. Die Beschäftigung mehrerer Köche allein zur Herstellung einer Droge macht bei einem Milliardär, dessen kleinstes Problem wohl die Beschaffung von Rauschmitteln sein dürfte, keinen Sinn.
Nicht nur die Tropckenfleisch-Vorliebe wirkt mysteriös
Wie bereits erwähnt, finden sich in den Dokumenten neben Jerky auch noch andere Verbindungen zu Lebensmitteln, die im Kontext seltsam erscheinen. In einer Mail von 2018 wird Epstein von seinem Urologen, Harry Fisch, informiert, er habe „refills available“. „After you use them, wash your hands and lets go get pizza and grape soda“. Eine Kombination, die im Austausch der beiden Männer immer wieder verkommt. Ein australisches Paar beschreibt die ungesunde Nahrungswahl ebenso und fügt hinzu: „No one else can understand“.

Pizza und Traubenlimonade sind in den Files eine noch beliebtere Mahlzeit als Trockenfleisch.
Was zusätzlich unverständlich bleibt: Ein Foto, auf dem Epstein oder seine Kontaktpersonen Trockenfleisch verzehren, Pizza oder Grape Soda konsumieren, ist bisher noch nicht aufgetaucht. Ein Foto, oder eine Mail, aus der eindeutig hervorgeht, dass Epstein und seine Bekanntschaften Menschenfleisch konsumieren, allerdings auch nicht. Fragwürdig ist jedoch, warum die Inhalte überhaupt geschwärzt wurden, wenn es doch sowieso nur um Trockenfleisch geht.
Handfeste Beweise gibt es nicht – aber einen faden Beigeschmack
Insgesamt manifestiert sich so der Eindruck, dass es sich bei Jerky um einen Code, definitiv aber nicht um Trockenfleisch handelt. Handfeste Beweise für Kannibalismus finden sich in den Dokumenten nicht. Dass die vielen Erwähnungen in Kombination mit der Verwendung anderer Tarnbegriffe aus dem Pizzagate nur Zufall sind – ebenfalls unwahrscheinlich. Ob das Trockenfleisch eine noch grausamere Wahrheit als das Pizza-Gate beinhaltet, könnten die nächsten Wochen ans Tageslicht fördern. Vorausgesetzt, es werden noch einmal neue Files veröffentlicht oder bereits bekannte entschwärzt.
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Eric Steinberg
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