Die Verurteilung von Donald Trump hilft Joe Biden in keiner Weise beim Kampf ums Weiße Haus
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Nach der Verurteilung von Ex-Präsident Donald Trump in New York ist eine Reihe an Umfragen erschienen, die die Auswirkungen des Verfahrensausgangs abfragen. Es gibt wenig Bewegung: Demokraten und Republikaner stehen sich weiterhin unversöhnlich gegenüber. Die Fronten bleiben verhärtet. Es bleibt abzuwarten, wie lange die Pattsituation bestehen bleibt und ob und wann sich der Verfahrensausgang in den Wahlumfragen auswirken wird.
Der von Joe Biden und seinen Demokraten erhoffte große Befreiungsschlag bleibt vorerst jedoch aus. Doch auch für Donald Trump sind die neuesten Umfrageergebnisse nicht unbedingt ideal. Gerade bei den Wechselwählern scheint der Ex-Präsident durch den Verfahrensausgang an Boden zu verlieren. Wenn sich der Trend verfestigen sollte, könnte es für Trump und sein Team im November ungemütlich werden, wie eine „CBS News“-Umfrage eindrücklich zeigt.

US-Präsident Joe Biden hält eine Rede auf dem Südrasen des Weißen Hauses in Washington.
Mehrheit der Amerikaner halten Trump-Schuldspruch für fair
Eine knappe Mehrheit von 54 Prozent der Befragten ist der Meinung, dass Trump in New York ein faires Verfahren zuteilwurde. Das Narrativ des Trump-Lagers, dass es sich um einen politischen Schauprozess gehandelt habe, wie man ihn sonst nur von Diktatoren kennt, scheint in der Breite der Bevölkerung nicht zu verfangen, obwohl prominente Republikaner diese Erzählung seit letzter Woche gebetsmühlenartig bemühen. Senator Marco Rubio, Sohn zweier Exil-Kubaner, zog sogar Parallelen zu Fidel Castros Diktatur.

Donald Trump verlässt nach seinem Schuldspruch das Gericht in New York.
Ein noch klareres Bild zeichnet die Umfrage des US-Nachrichtensenders „ABC News“. Hier kommt eine satte 2/3-Mehrheit der Amerikaner zu der Ansicht, dass der Schuldspruch gegen Donald Trump korrekt war. Für Trump eine ziemliche Klatsche.
Zudem schließt sich eine Mehrheit von 57 Prozent der Umfrageteilnehmer dem Urteil der Geschworenen an. Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent findet zudem, dass Trump nach dem Urteil für eine weitere Präsidentschaft ungeeignet ist. Dies könnte für Trump zum Problem werden, da das Urteil viele Wechselwähler abschrecken könnte. Auch andere Erhebungen zeichnen ein ähnliches Stimmungsbild.
Die Gesellschaft ist weiterhin tief gespalten
Wie tief die Gräben sind, zeigt eine Erhebung des Senders „CBS“. 96 Prozent der Demokraten halten das Urteil für richtig. Auch bei den Unabhängigen, die für den Wahlausgang häufig entscheidend sind, gibt es mit 56 Prozent eine knappe positive Mehrheit für das Urteil der New Yorker Jury. Bei den Anhängern der Republikaner sind die Werte genau gegenteilig: 82 Prozent der republikanischen Parteigänger halten das Urteil für falsch. Immerhin 44 Prozent der Unabhängigen schließen sich dieser Einschätzung ebenfalls an. Ein Kantersieg für die Demokraten sind die Werte der „CBS“-Umfrage somit wahrlich nicht.
Trotz des Urteils scheinen sich die persönlichen Werte für Donald Trump und Joe Biden im Vergleich zu dem Zeitraum vor der Urteilsverkündung im Wesentlichen unverändert zu sein. Die bereits erwähnte „ABC“-Umfrage deutet weiterhin ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen an. So hat knapp ein Drittel (31 Prozent) der Amerikaner ein positives Bild von Donald Trump, die Werte rangieren somit weiter auf dem Niveau der Vormonate. Auch bei Joe Biden sind die Zustimmungswerte praktisch unverändert. Der amtierende Präsident rangiert aktuell bei 32 Prozent und somit nur knapp vor Trump. Sowohl Trump als auch Biden weisen verhältnismäßig schlechte Werte auf.
Bisher liegt Trump in den meisten Swing States vorne
In den sieben entscheidenden Swing States (Arizona, Michigan, Wisconsin, Nevada, Georgia, North Carolina und Pennsylvania), die Biden im Jahr 2020 mit Ausnahme von North Carolina knapp gewonnen hatte, liegt Trump laut diversen Umfragen durchweg vor Biden. Ob der Verfahrensausgang hier bald nennenswerte Ausschläge zugunsten der Demokraten herbeiführen wird, bleibt abzuwarten. Aktuelle „Fox News“-Umfragen aus Nevada und Arizona sehen Trump weiterhin deutlich vorne. Der Schuldspruch hat hier vorerst keinerlei Auswirkungen. In Virginia liegen beide Kontrahenten gleichauf. Bitter, denn die Demokraten hatten hier seit 2008 in den Wahlen immer die Nase vorn. Mit Blick auf die diversen Skandale, die Donald Trump umgeben, sind das für Amtsinhaber Joe Biden wirklich verheerende Werte.

Die Präsidentschaftswahl wird sich in diesen sieben Staaten, den sogenannten Swing States, entscheiden.
Generell tut sich Biden seit einiger Zeit sehr schwer, seine Persönlichkeitswerte zu verbessern. Die Inflation hängt dem Präsidenten nach. Er wird für zu alt und zu schwach gehalten. Eine zweite Amtszeit trauen dem greisen Biden nur wenige Amerikaner zu. Erst letztes Wochenende war Biden vor laufenden Kameras wieder ziellos durch das Weiße Haus geirrt. Bei den D-Day-Feierlichkeiten in der Normandie irritierte der Präsident die anderen internationalen Gäste gleich mehrmals. Sowohl Bidens Frau Jill als auch der französische Präsident Emmanuel Macron mussten Biden vor laufenden Kameras im wahrsten Sinne der Worte „einfangen“. Vertrauensbildend sind diese Bilder sicherlich nicht. Auch bei den Demokraten ist man langsam alarmiert. Die Parteiführung macht sich ernsthafte Sorgen, ob der Präsident zu einem harten Wahlkampf überhaupt in der Lage ist, wie diverse geleakte interne Gespräche dokumentieren.
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Migration ist bisher das wahlentscheidende Thema
Hinzu kommt, dass viele Amerikaner der Meinung sind, der Präsident habe die illegale Migration nicht unter Kontrolle und widme sich der Südgrenze der Vereinigten Staaten nur halbherzig. In den meisten Meinungsumfragen rangiert das Thema Migration inzwischen ganz oben – noch deutlich vor der wirtschaftlichen Lage. Gerade hier könnte Trump langfristig Boden gutmachen, auch wenn Biden sich nun verstärkt um den Themenbereich kümmern will. Trumps Pläne für Massenabschiebungen kommen im Volk an.

Flüchtlinge stehen der texanischen Nationalgarde an der amerikanisch-mexikanischen Grenze gegenüber..
Biden und sein Team versuchen nun mit einer Reihe von Erlassen die Lage unter Kontrolle bringen. Biden will hier nun Härte demonstrieren. Auch ist die Anzahl der illegalen Grenzübertritte in den letzten Wochen zurückgegangen – eine kurze Verschnaufpause für das Weiße Haus.
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Minderheiten kehren den Demokraten teilweise den Rücken
Zu einem wirklichen Problem werden hingegen Teile der eigenen Parteibasis. Es zeichnet sich ab, dass viele Minderheiten, die traditionell den Demokraten nahestehen, Biden im Herbst die Gefolgschaft verweigern könnten. Durch den Gaza-Krieg könnten viele arabischstämmige Amerikaner der Wahlurne fernbleiben oder gar zu Donald Trump überlaufen. 2020 hatte Joe Biden gegenüber Donald Trump noch einen Vorsprung von fast 40 Prozentpunkten. Sollten die arabischstämmigen Communitys wirklich in relevanten Swing States am Wahltag der Wahlurne fernbleiben, könnten diese fehlenden Stimmen Donald Trump dort den Wahlsieg bescheren.
Gleichzeitig kann Trump in aktuellen Umfragen bei Schwarzen und Latinos Boden gutmachen. Vorletzte Woche hatte Donald Trump sogar eine große Wahlkampfveranstaltung in der Bronx durchgeführt – eine bewusste Kampfansage an die Demokraten, die dort traditionell unschlagbar sind. Für beide Minderheiten stehen wirtschaftliche Themen im Vordergrund. Hier werden Trump und seinen traditionell wirtschaftsfreundlichen Republikanern höhere Kompetenzwerte zugeschrieben.

Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in der South Bronx in New York City.
Die Demokraten haben keine Vision für das Land
Diese Entwicklungen versetzen Teile der Demokraten inzwischen in einen regelrechten Panikmodus. Der prominente demokratische Parteistratege James Carville hat seine eigene Partei letzte Woche lautstark kritisiert. Er stellte eindringlich fest, dass den Demokraten eine klare Botschaft und Vision für das Land fehle.
„Wir fragen uns ständig, warum die jungen Leute nicht zu den Demokraten zurückkehren“, fragte der 79-jährige Carville in einem Podcast. „Warum kommen die Schwarzen nicht zu den Demokraten zurück? Weil die Botschaften der Demokraten scheiße sind, deshalb.“ Hier trifft der ehemalige Wahlkampfmanager der Demokraten in der Tat den Nagel auf den Kopf. Warum sollte man Biden wiederwählen? Nur um Trump zu verhindern?
New Yorker Urteil beschert Trump einen Spendenrekord
Während es den Demokraten an klaren Botschaften und Geschlossenheit mangelt, hat das New Yorker Urteil die Republikaner regelrecht elektrisiert. Die Partei schart sich um Trump, die Basis ist mobilisiert wie nie. Direkt nach der Urteilsverkündung brachen die Spenden-Server der Republikaner mehrmals zusammen. Inzwischen sammelten die Republikaner über 140 Millionen Dollar im Mai ein. Seit der Urteilverkündung am Donnerstag allein waren es deutlich über 50 Millionen Dollar – ein absoluter Rekord. Viele der Spenden kamen von Kleinspendern, die zum ersten Mal für Trump spendeten.
Die Kampagne von Präsident Joe Biden hat ihre Spendensumme für Mai noch nicht veröffentlicht. Die Summe dürfte jedoch unter der von Donald Trump liegen. Trump und die Republikanische Partei meldeten auch bereits im April Spenden in Höhe von 76 Millionen Dollar und übertrafen damit erstmals die Summe (51 Millionen), die Biden und seine Demokraten in diesem Monat einnahmen. Die Spendenbereitschaft für Trump nimmt in letzter Zeit somit zu. Ein Indikator, dass es um Trump und seine Kampagne tendenziell besser bestellt ist, als seine Gegner hoffen.

Elon Musk und Donald Trump im Jahr 2020 im Kennedy Space Center in Cape Canaveral.
Auch haben finanzkräftige Großspender angekündigt, jetzt aktiv Trump unterstützen zu wollen. Milliardär Elon Musk will zeitnah ein Spendendinner in der Tech-Branche ausrichten und Trump so neue Zielgruppen erschließen. Durch diese potentiellen Zuwendungen wird es Trump möglich sein, seine Kampagnen-Maschine weiter am Laufen zu halten. Gerade in der Mobilisierungsphase kommt es auf jeden Cent an. Sollte Trump hier auch in den nächsten Monaten bis zur Wahl vor Biden liegen, könnte auch das in den relevanten Bundesstaaten wahlentscheidend sein.
Trump kann Popkultur wie kein anderer
Auch digital liegt Trump aktuell vorne. So startete Trump am Wochenende seinen TikTok-Account. In weniger als drei Tagen hat der TikTok-Account von Donald Trump den der Biden-Kampagne bei weitem überholt – ein erster Hinweis auf die Stärke der Marke des ehemaligen Präsidenten auf der auf die Generation Z zugeschnittenen Social-Media-Plattform. Trumps TikTok-Konto hat 5,8 Millionen Follower und 6,2 Millionen Likes, während die Biden-Kampagne etwa 355.000 Follower und 4,6 Millionen Likes hat.

Innerhalb kürzester Zeit konnte Donald Trump 5,8 Mio. Follower auf TikTok einsammeln.
Dies ist für Biden und sein Team bitter, wenn man bedenkt, dass Biden sich besonders um die Generation Z bemüht und bewusst auf TikTok-Influencer zurückgreift, um seine Botschaften in dieser Zielgruppe zu platzieren. Trump scheint die Plattform jetzt ohne große Anstrengung im Handstreich zu erobern.
Das Rennen ist weiterhin vollkommen offen
Das Rennen um das Weiße Haus ist somit weiterhin vollkommen offen. Mag die Verurteilung in New York für Trump ein kleiner Dämpfer gewesen sein, so ist sie doch keine Vorentscheidung. Zu viele Unwägbarkeiten warten auf beide Kandidaten bis November diesen Jahres. So muss Trump beispielsweise erst noch einen Vizepräsidenten küren – eine Chance für den Rotschopf, jedoch auch ein Risiko.
Für Biden wird entscheidend sein, wie sich die wirtschaftliche Lage des Landes entwickelt und ob er die Situation an der Grenze zu Mexiko in den Griff bekommt. Auch muss er den ultralinken Palästinenser-Flügel seiner Partei beschwichtigen und Geschlossenheit herstellen. Das wird sicher eine große Herausforderung für den Präsidenten und sein Team.
Vor allem muss Biden langsam einen Gang hochschalten, aktuell schlafwandelt der Präsident durch die politischen Debatten des Landes. Ein Vorwurf, den man seinem Kontrahenten Trump in der Tat nicht machen kann.
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