Elitär, woke, opportunistisch: Wer ist Kamala Harris?
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Joe Biden unterstützt die Kandidatur von Vizepräsidentin Kamala Harris, sie selbst will antreten und Trump „schlagen“. Doch die einstige Hoffnungsträgerin hat im Amt nicht glänzen können. Schlimmer noch: Bei den Amerikanern ist sie denkbar unbeliebt.
Ob sich die Demokraten hinter der 59-Jährigen versammeln werden, ist noch offen. Der frühere US-Präsident Barack Obama scheint abwarten zu wollen, ob er Harris unterstützt. Andererseits: Wohl nur sie könnte problemlos Zugriff auf die hunderte Millionen Dollar bekommen, die auf dem Biden-Harris-Ticket an Wahlkampfspenden gesammelt wurden. Die Frage, ob der Parteitag der Demokraten am 19. August zur Krönungsmesse für Harris oder zur Open Convention mit mehreren Kandidaten wird, die sich zu Trumps wohligem Behagen gegenseitig zerlegen, ist aber noch nicht entschieden.
Harris wäre die „erste schwarze Frau“ als Präsidentschaftskandidatin, heißt es, dabei wurde sie am 20. Oktober 1964 als Tochter einer Mutter aus Indien und eines Vaters aus Jamaika geboren. Sie wuchs in Kalifornien auf, studierte an der privaten schwarzen Elite-Uni von Howard in Washington, wurde Juristin und Generalstaatsanwältin. Damals vertrat Harris noch eine „Law-and-order“-Linie. Als sie 2017 für den Bundesstaat Kalifornien in den Senat einzog, fiel Harris mit ihrer Erfahrung als Staatsanwältin bei Anhörungen immer wieder mit einem harten und effektiven Befragungsstil auf.
Beliebtheitswerte im Keller
Als Vizepräsidentin bekam sie allerdings wenig Gelegenheit, ihr Profil zu schärfen. Joe Biden neigte dazu, die positiven Themen für sich zu reklamieren, während Harris undankbare Felder wie Immigration oder Gesundheitspolitik bewirtschaften musste. Dennoch steht sie, so viel steht fest, für deutlich linke Positionen: Diversität, Green New Deal, „Klimagerechtigkeit“, Recht auf Abtreibung, Festhalten am Atomdeal mit dem Iran, Distanz zu Israel.

Joe Biden überließ Vizepräsidentin Kamala Harris die undankbaren Themen.
Kamala Harris’ Beliebtheitswerte sind mehr als bescheiden. Allgemein wird sie als konturlose Opportunistin wahrgenommen, die illegalen Einwanderern auch mal ein „Kommt nicht! Kommt nicht!“ entgegenruft. „Harris repräsentiert die Identitätspolitik der Biden-Regierung, die außer mehr Minderheiten in Führungspositionen und symbolischen Gesten gegen Rassismus nichts zu bieten hat“, moserte die den Demokraten grundsätzlich zugeneigte taz. René Pfister vom Spiegel bezeichnete sie Ende Januar als „Last“.
Nicht nur, dass sie im Amt nicht „lieferte“, es häuften sich auch Berichte über ihren herablassenden Umgang mit Mitarbeitern, die ihr scharenweise davonliefen. Tatsächlich liefert Harris ihren Gegnern immer wieder Munition, vor allem mit bizarren Auftritten und inhaltsleerem Wortsalat. Bei einem Treffen mit Sehbehinderten stellte sie sich vor zwei Jahren so politisch korrekt wie schräg vor: „Ich bin Kamala Harris. Meine Pronomen sind ‚sie‘ und ‚ihr‘.“ Die Phrase „what can be, unburdened by what has been“ (was sein kann, unbelastet von dem, was gewesen ist) strapazierte sie in zahllosen Reden.
O-Töne aus der Rhetorikhölle
Geradezu berüchtigt sind die öffentlichen Statements der Frau, die ein Faible für Sneakers hat (am liebsten „Chucks“ von Converse) und ihren Mann 2013 bei einem Blind Date kennenlernte. Hier einige Kostproben.
Den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland erklärte sie in „einfacher Sprache“:
„Also, die Ukraine ist ein Land in Europa. Sie liegt neben einem anderen Land namens Russland. Russland ist ein größeres Land. Russland ist ein mächtiges Land. Russland hat beschlossen, in ein kleineres Land namens Ukraine einzufallen. Das ist im Grunde genommen falsch und widerspricht allem, wofür wir stehen.“
In einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit Polens Präsident Andrzej Duda am 10. März 2022 sagte sie über russische Kriegsverbrechen in der Ukraine:
„Das kommt zu allem hinzu, was wir wissen und noch nicht wissen, basierend auf dem, was wir gerade sehen konnten, und nur weil wir es gesehen haben oder nicht, heißt das nicht, dass es nicht passiert ist.“

Harris: „Die Ukraine ist ein Land in Europa. Sie liegt neben einem anderen Land namens Russland.“
Ihre Definition von Kultur:
„Kultur ist – sie ist ein Spiegelbild unseres Augenblicks und unserer Zeit. Richtig? Und gegenwärtige Kultur ist die Art und Weise, wie wir ausdrücken, wie wir uns im Moment fühlen, und wir sollten immer Zeiten finden, um auszudrücken, wie wir uns im Moment fühlen. Das ist eine Reflexion der Freude. Denn, wissen Sie … sie kommt am Morgen!“
Und zum Handeln in der „Klimakrise“:
„Wir werden zusammenarbeiten und weiterhin zusammenarbeiten, um diese Probleme anzugehen ... und um zusammenzuarbeiten, während wir weiterhin auf der Grundlage der neuen Normen, Regeln und Vereinbarungen arbeiten, die wir einberufen werden, um zusammenzuarbeiten ... wir werden gemeinsam daran arbeiten.“
Bahnbrechendes hatte sie auch zum Thema Verkehr zu sagen:
„Beim Thema Verkehr geht es vor allem darum, dass die Menschen dorthin gelangen können, wo sie hinmüssen!“
Ob Kamala Harris dorthin gelangt, wo sie hinwill, ist fraglich. Sie dürfte jetzt erst einmal unter Druck geraten, denn eines ist noch nicht geklärt: Was wusste die Vizepräsidentin über den Gesundheitszustand von Joe Biden und warum sagte sie nichts? Weil sie buchstäblich nur einen Herzschlag von seinem Amt entfernt war?
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