England will Churchill auf Banknoten durch Igel ersetzen
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Claudio CasulaEs hört sich an wie ein vorgezogener Aprilscherz: Künftig sollen auf den Geldscheinen der Bank of England Wildtiere statt historischer Persönlichkeiten abgebildet werden.
Seit mehr als 50 Jahren werden historische Persönlichkeiten auf den £5-, £10-, £20- und £50-Banknoten abgebildet. Auf den derzeit im Umlauf befindlichen Geldscheinen sind – nach Wert aufsteigend – Sir Winston Churchill, die Schriftstellerin Jane Austen, der Maler William Turner und der Informatiker Alan Turing (knackte im Zweiten Weltkrieg die deutsche Chiffriermaschine Enigma) zu sehen.
Damit soll Schluss sein. Bei einer öffentlichen Konsultation der Bank of England setzte sich das Thema Natur mit 60 Prozent klar durch, vor Architektur und Wahrzeichen, bedeutenden historischen Persönlichkeiten, Kunst, Kultur und Sport, Innovation und wichtigen Meilensteinen. Allerdings haben nur 44.000 Personen an der Umfrage teilgenommen, nicht eben viel angesichts von 69 Millionen Briten.
Austern statt Austen?
Künftig werden also statt des großen Staatsmannes Winston Churchill, der mit Großbritannien zeitweise allein gegen Nazi-Deutschland kämpfte, einheimische Wildtiere (Haustiere sind ausgeschlossen) wie Otter, Dachs, Makrele, Fuchs, Biber oder Robbe die britischen Banknoten zieren.
Welche genau, wird noch entschieden. Eine Kommission soll Vorschläge erarbeiten, die Öffentlichkeit dann die endgültige Auswahl treffen.

In wenigen Jahren haben die Briten statt Jane Austen buchstäblich einen Igel in der Tasche.
Während Victoria Cleland, Chefkassiererin der Bank of England, erklärte, der „wichtigste Grund für die Einführung einer neuen Banknotenserie ist immer, sie widerstandsfähiger gegen Fälschungen zu machen“, und meinte, „Natur ist aus Sicht der Echtheitsprüfung eine sehr gute Wahl“, sind vor allem Konservative entsetzt.
Nur der König darf bleiben
Nur König Charles III. wird weiterhin auf der Vorderseite der Banknoten erscheinen, alle anderen historischen Köpfe müssen weichen. Insbesondere Winston Churchill, dessen Andenken immer wieder von Linksradikalen geschändet wird, etwa durch Besudelung seiner Statue in London (Parolen wie „Rassist“ oder „Stoppt den Genozid“), liegt ihnen am Herzen, sie prangern Geschichtsvergessenheit an.
So schrieb der Reform UK-Politiker Robert Jenrick: „Es sagt alles, dass Rachel Reeves [britische Schatzmeisterin, Anm. d. Red.] Winston Churchill auf unseren Banknoten durch ein Eichhörnchen ersetzt.“ Der Journalist und Ex-CNN-Moderator Piers Morgan reagierte auf der Plattform X angefressen: „Wie bitte? Wir wollen unseren größten Briten aller Zeiten, den Mann, der uns vor den Nazis gerettet hat, durch einen verdammten Igel ersetzen? Das ist lächerlich.“

Piers Morgans Reaktion bei X: „Das ist lächerlich!“
Ein anderer Twitter-User meinte: „Sir Winston Churchill ist der größte Premierminister in der britischen Geschichte. Wie können Keir Starmer und Rachel Reeves es wagen, auch nur daran zu denken, ihn von den Pfundnoten zu entfernen? Die Labour-Partei sinkt mit jedem Tag auf ein neues Tief.“
Die Politik ist diesmal nicht schuld
Allerdings ging die Initiative nicht von der Labour-Regierung aus. In Großbritannien ist die Gestaltung der Banknoten eine operative Aufgabe der Zentralbank. Verantwortlich ist innerhalb der Bank insbesondere der Bereich „Banknotes“, geleitet vom Chief Cashier, dessen Unterschrift auch auf den Scheinen erscheint. Das ist derzeit Victoria Cleland, die aber wohl kein Feind Churchills ist. 2013 posierte sie jedenfalls mit einer Banknote, die das Konterfei des legendären Premiers zeigt.

Victoria Cleland, Direktorin für Banknoten, verteidigt die Entscheidung, Persönlichkeiten wie Churchill durch Tiere zu ersetzen.
Personen können polarisieren. So gab es 2013 eine Kontroverse, weil Kritiker der Bank vorwarfen, dass – abgesehen von Königin Elizabeth II. – keine Frauen auf den Banknoten vertreten waren. Außerdem habe es noch nie eine historische Persönlichkeit schwarzer Herkunft oder aus einer ethnischen Minderheit auf den Geldscheinen der Bank gegeben. Mit Tiermotiven kann sich die Bank eher nicht in die Nesseln setzen.
Obwohl: Die Tierschutzorganisation RSPCA hat bereits vorgeschlagen, auch Großbritanniens „weniger geliebte“ Tiere – etwa Tauben, Möwen und Füchse – auf den neuen Banknoten abzubilden. Laut den Tierschützern könnte dies helfen, die Wahrnehmung dieser oft „missverstandenen“ Tiere zu verändern und Menschen dazu bringen, den Wert aller Wildtiere zu erkennen.
Für geschichtsbewusste Europäer ist die Entscheidung, Churchill durch einen Igel oder ein anderes Wildtier zu ersetzen, einfach nur bitter. Sie reiht sich ein in einen besorgniserregenden Trend, die eigene Geschichte und ihre prägenden Gestalten zu entwerten. Unter den zahlreichen Aphorismen, die von Winston Churchill bekannt sind, lautet einer: „Wir sind alle Würmer, nur glaube ich, dass ich ein Glühwürmchen bin.“ Als hätte er’s vorausgesehen.
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Claudio Casula
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