Großbritannien prüft chemische Kastration für Sexualstraftäter in Pilotprojekt
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Die britische Regierung will Sexualstraftäter künftig auch mit chemischer Kastration an weiteren Übergriffen hindern. In 20 Gefängnissen soll ein entsprechendes Pilotprojekt anlaufen, kündigte Justizministerin Shabana Mahmood laut der Nachrichtenagentur PA an. Sie lasse zudem prüfen, ob eine verpflichtende Anwendung rechtlich möglich sei.
Die Ministerin betonte, dass die Maßnahme nur im Zusammenspiel mit psychologischer Betreuung sinnvoll sei. Es gehe darum, neben dem Sexualtrieb auch jene Faktoren zu adressieren, die zu den Taten führen – etwa das Streben nach Macht und Kontrolle. Mahmood äußerte sich dazu im britischen Parlament.

Die britische Justizministerin Shabana Mahmood
Medikamentöse Triebunterdrückung
Unter chemischer Kastration versteht man den Einsatz hormoneller Medikamente, die den Sexualtrieb deutlich senken. Anders als bei operativen Eingriffen bleiben körperliche Veränderungen aus – die Wirkung ist aber ähnlich. In Deutschland ist die Maßnahme rechtlich zulässig, sofern die betroffene Person einwilligt. Das geht aus einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags hervor.
Anderswo wurde das Verfahren gesetzlich verankert: In Pakistan beschloss das Parlament ein Gesetz, das Gerichten die chemische Kastration von Sexualstraftätern erlaubt. Menschenrechtler und Rechtsexperten kritisierten dies als unverhältnismäßigen Eingriff in die körperliche Selbstbestimmung.
Auch in Italien wird darüber diskutiert: Der stellvertretende Premierminister und Infrastrukturminister, Matteo Salvini, brachte die Option der „chemischen Kastration“ ins Spiel. In eine ähnliche Kerbe schlug die Europaabgeordnete Annalisa Tardino, die sagte: „Wir bleiben bei der Überzeugung, dass Vergewaltiger und Pädophile chemisch kastriert werden sollten und lebenslange Haftstrafen verbüßen müssen.“

Die britischen Justizvollzugsanstalten platzen aus allen Nähten.
Platzmangel im Strafvollzug
Der Vorstoß aus London erfolgt vor dem Hintergrund überfüllter Gefängnisse. Wegen der angespannten Lage mussten in England bereits mehrere Tausend Häftlinge vorzeitig entlassen werden. Die Regierung sucht nun nach Wegen, Rückfalltäter gezielt zu verhindern und langfristig Ressourcen zu sparen.
Ein interner Bericht empfiehlt neben anderen Maßnahmen, die chemische Kastration als mögliches Instrument im Umgang mit Sexualstraftätern ernsthaft zu prüfen. Das derzeit laufende Pilotprogramm soll nun deutlich ausgeweitet werden.
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