Interview mit Ex-Geisel Tal Shoham und Geiselvater Ilan Gilboa Dalal: „Wir haben Tag für Tag gekämpft und ich bin glücklich, dass wir es bald geschafft haben“
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505 Tage verbrachte Tal Shoham in Hamas-Gefangenschaft in Tunneln tief unter der Erde – gemeinsam mit Guy Gilboa Dalal und Evyatar David, die nun freikommen sollen. NIUS-Chefredakteur Julian Reichelt hat am Sonntagnachmittag mit Shoham und Guys Vater Ilan Gilboa Dalal über die schreckliche Zeit des Wartens gesprochen, über ihre aktuellen Gefühle und darüber, wie Hamas Hunger als Folterinstrument einsetzt.
Sehen Sie hier das Video-Interview:
Julian Reichelt: Zwei Fragen aus verschiedenen Perspektiven an Sie beide: Was hat Sie durch diese schreckliche Zeit gebracht – Sie, Tal, durch die 505 Tage in Gefangenschaft im Untergrund? Und Ilan, Ihr Sohn ist seit 740 Tagen dort, was hat Ihnen geholfen, durch diese Tage in Angst um das Leben Ihres Sohnes zu kommen?
Ilan Gilboa Dalal: „Seit dem Tag, als Guy gekidnappt wurde, leben wir in einem tiefen Loch im Herzen. Wir wachen manchmal morgens mit großer Angst auf und können an nichts anderes denken als an die Frage, wann er endlich freikommt. Manchmal hatten wir nicht mal die Kraft, aus dem Bett zu kommen. Aber dann erinnerte ich mich daran, dass mein Sohn gerade in einem Tunnel unter der Erde ist und auf uns zählt, dass wir seine Stimme sind, und dass wir machen müssen, was immer wir können, um ihn aus der Hölle zu holen, in der er sich befindet. Tatsächlich war es keine Option, zusammenzubrechen und aufzugeben. Mein Sohn brauchte uns. Wir haben jeden Tag gekämpft und ich bin glücklich, dass wir es geschafft haben und es bald vorbei sein wird.“

Guy Gilboa Dalal in einem Hamas-Video, das ihn in Gaza zeigt.
Tal Shoham: „Als sie mich am 7. Oktober ins Auto warfen und ich begriff, dass sie mich kidnappen und nicht töten werden, traf ich mit mir selbst die Abmachung, dass mein Leben wertvoll ist, egal, was passiert. Ich habe angefangen, es spirituell zu sehen. Ich glaube an Menschlichkeit und ich glaube daran, dass das Leben ein Ziel hat und an das Heilige. Ich wollte alles in meiner Kraft Stehende tun, um mein Leben zu würdigen, egal wo und egal, was sie mit mir machten.
Nach 50 Tagen erfuhr ich, dass meine Familie am Leben ist, und beschloss, dass meine Kinder einen Vater haben würden, zu dem sie zurückkommen könnten, und meine Frau einen Mann haben soll, und das hat mich jeden Tag angetrieben. Immer Schritt für Schritt. Darüber habe ich immer wieder mit Guy und Evyatar gesprochen. Dass bei all den grausamen Sachen, die uns passieren, unsere einzige Mission war, die Grausamkeit auszuhalten in der Hölle, in der wir waren. Tag für Tag und Minute für Minute. An jedem einzelnen der 505 Tage für mich und leider zwei Jahre für Guy und Evyatar.“

Der ausgemergelte Evyatar David wurde gezwungen, sein eigenes Grab zu schaufeln.
Julian Reichelt: Hat Hamas Hunger als Folterinstrument genutzt? Wie haben sie das gemacht?
Tal Shoham: „Die meiste Zeit meiner Gefangenschaft wurde ich ausgehungert, bis auf 200 bis 300 Kalorien am Tag – zusammen mit Guy und Evyatar. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass sie Boxen mit humanitärer Hilfe aus Ägypten und der Türkei gestohlen haben, aber sie haben uns nichts von diesem Essen abgegeben. In den Tunneln nutzten sie Brot, das sie gestohlen hatten, sie hatten humanitäre Hilfe gestohlen für Monate im Voraus. Sie haben es einmal sogar zugegeben, dass sie uns hungern ließen, damit wir auch so leiden würden, wie ihre Leute – obwohl sie selbst deren Hilfspakete gestohlen hatten. Das ist nicht logisch. Der zweite Grund, warum sie uns haben hungern lassen, ist, dass sie Druck auf die israelische Gesellschaft ausüben wollten, wenn diese die Fotos von uns hungernden Geiseln sahen. Das ist Teil ihrer sadistischen psychologischen Kriegsführung.
Wir bekamen mehr Essen, nachdem die Geiseln Eli Sharabi und Or Levy freigelassen worden waren. Deren Zustand schlug auf sie zurück, dann gaben sie uns mehr Essen. Das war aber gefährlich für uns, Evyatar und ich waren sehr unterernährt und hatten ein lebensgefährliches Vitamin-C-Defizit.“
Live: Übergabe der 20 lebenden Geiseln an Israel: Hamas hat Männer zu Übergabe-Stellen gebracht
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