„Lampedusa muss frei sein“: Inselbewohner protestieren gegen Flüchtlings-Lage
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Etwas mehr als 6.000 Menschen leben auf Lampedusa. Die italienische Mittelmeer-Insel ist ungefähr so groß wie Langeoog. Seit dem vergangenen Montag sind mehr als 9.000 Migranten mit Booten dort an Land gegangen. Die Bilder der überwiegend jungen Männer am Hafen, im Auffanglager und in der Stadt schockte ganz Europa.
Sie schocken aber vor allen Dingen die Menschen, die auf Lampedusa leben. NIUS ist vor Ort und dokumentiert den Protest der Insel-Bewohner.
Mehr als 1.000 kamen am Samstag in den Hafen, um gegen ein neues Flüchtlingscamp im Westen der Insel zu demonstrieren. Ihre Sorge: Wenn das aktuelle Lager, der sogenannte „Hotspot“, für 400 Menschen ausgelegt ist und tausende mit Booten kommen – dann werden es bei einem zweiten Lager zehntausende Migranten, die Lampedusa ansteuern. Dass die Zahl der Migranten sinkt, glaubt hier niemand. Das, was die Menschen in der vergangenen Woche erlebt habe, macht ihnen Angst.

Protest im Hafen: Die Einwohner von Lampedusa wehren sich gegen ein neues Auffanglager
„Die Sache ist ganz einfach: Wir sind heute hier, weil wir wissen, dass im Westen Zelte ankommen und aufgebaut werden“, sagte der Protestführer Giacomo Sferlazzo über das geplante neue Lager. „Die Menschen von Lampedusa sind müde, nachdem wir dieses Szenario 30 Jahre lang miterlebt haben.“
Sferlazzo betonte bei seiner Rede mehrfach, dass die Insel nicht rassistisch sei und der Protest sich nicht gegen Flüchtlinge per se richte – sondern gegen die unhaltbaren Zustände und die politische Gleichgültigkeit, mit denen man sich konfrontiert sieht.
Die Menschen fühlen sich vernachlässigt
Attila Lucia, Vize-Bürgermeister der Stadt, ist drastischer in seinen Worten. Der Mann mit der Scherpe in den italienischen Landesfarben sagt: „Flüchtlinge sind nicht willkommen. Lampedusa muss frei sein. Wir wollen vom Tourismus und der Fischerei leben, nichts weiter!“ Niemand in Italien wolle afrikanische und asiatische Eindringlinge, die Geduld auf der Insel habe ein Ende.

Attila Lucia, stellvertretender Bürgermeister auf der Insel
Ein anderer Protest-Wortführer sagt emotional: „Wir wollen das kleine Stück Leben, das uns berührt, das kleine Stück Würde, das wir haben, erhalten. Wir wollen es genießen, sonst müssen wir das Land wechseln.“ Der Wirt der örtlichen Bar Roma sagte gegenüber NIUS, dass sich die Einwohnerschaft vernachlässigt fehle. Es fehle an medizinischem Personal und Lehrern und alle Mittel, die bereit gestellt werden, seien für Flüchtlinge. Ohnehin habe man auf der Insel das Gefühl, dass die große Politik sich nur für die Insel interessiere, wenn wieder Migranten ankommen – man sonst aber ignoriert werde.
Für den heutigen Sonntag haben sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die italienische Premierministerin Georgia Meloni angekündigt. Die beiden Politikerinnen kamen am Vormittag mit dem Flugzeug auf der kleinen italienischen Mittelmeerinsel an. Von der Leyen und Meloni sahen sich in dem sogenannten Hotspot im Landesinnern um und tauschten sich mit einigen Migranten aus, wie auf Bildern des Fernsehsenders RaiNews24 zu sehen war. „Wir geben unser Bestes“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa Meloni.
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Jan A. Karon
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