Tragödie oder Manipulation? Das Geheimnis der Luxusjacht „Bayesian“
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Sie galt als unsinkbar – die Mega-Segeljacht „Bayesian“ des britischen Milliardärs Mike Lynch. 56 Meter lang, elf Meter breit, modernste Technik, mit großem Aufwand sorgfältig gebaut, der höchste Metallmast der Welt.
Und doch sank dieses Super-Schiff innerhalb weniger Minuten in einer Augustnacht des Jahres 2024 nahe der Küste Siziliens. Jetzt wurde das Wrack geborgen. Gibt es seine Geheimnisse preis? Spurensuche.
Da ist der Milliardär Mike Lynch (59). Er war ein international bekannter IT-Spezialist, man nannte ihn den „britischen Bill Gates“. Als junger Mann hatte er seine Doktorarbeit über die „Bayesianische Erkenntnistheorie“ geschrieben, auf der die Software beruht, mit der er reich wurde – und das später einer Firma seiner Frau gehörte und dem Schiff seinen Namen geben sollte.

Der britische Milliardär Mike Lynch
Im Jahr 2011 hatte Lynch seine Softwarefirma Autonomy an den US-Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) verkauft – dieser Deal gilt im Silicon Valley als einer der schlimmsten Übernahmedebakel der Wirtschaftsgeschichte. Und für Insider ist dieses verunglückte Geschäft die mögliche Grundlage für die spätere Tragödie – auch wenn das keiner beweisen kann.
Hewlett-Packard musste 8,8 Milliarden Dollar abschreiben
Elf Milliarden Dollar zahlte HP für die Übernahme, kam mit der neuen Firma aber nicht zurecht. Das US-Unternehmen musste 8,8 Milliarden Dollar abschreiben und verklagte Lynch wegen Betrugs. Der Vorwurf von HP: Lynch und sein früherer Finanzmanager sollen die Amerikaner über den Zustand der Firma getäuscht haben, so der Vorwurf. Lynch stritt vor Gericht jegliches Fehlverhalten ab. Im Juni 2024 sprach ihn eine Jury in San Francisco frei, es blieb ihm ein erheblicher Teil seines Verkaufspreises.
Zum Dank lud Lynch einige Mitarbeiter, Anwälte, Finanzberater, teilweise mit Partnern, zu einer Segeltour ins Mittelmeer ein. Auch seine Frau und die 18-jährige Hannah, Studentin in England, waren mit an Bord, insgesamt 12 Passagiere. Sie wurden von einer zehnköpfigen Crew versorgt, Kapitän war ein erfahrener Skipper aus Neuseeland. Unterwegs erhielten sie die Nachricht, dass der ebenfalls freigesprochene Finanzchef der Firma in England beim Joggen kurz vor seinem Haus von einem Auto tödlich erfasst worden war. Wenige Tage später waren auch Lynch, seine Tochter und einig der Gäste tot.
Gab es einen Zusammenhang zwischen den beiden Tragödien? Wie war es überhaupt möglich, dass ein hypermodernes Schiff durch einen Sturm an der Küste innerhalb weniger Minuten sinken konnte?

Mit einem Aluminiummast von über 70 Metern Höhe brach die „Bayesian“ Rekorde.
„Wir haben nun das Corpus Delicti in Händen“, sagte die italienische Staatsanwältin Concetta Federico der italienischen Zeitung La Repubblica. Nach monatelanger Vorbereitung wurde die havarierte Jacht mit Spezialkränen und acht massiven Stahlgurten aus rund 50 Metern Tiefe geborgen.
Der Tod kam bei Palermo
Die Bayesian hatte am 18. August 2024 eine halbe Seemeile von Porticello an der Nordseite Siziliens geankert, nahe der Inselhauptstadt Palermo. Um 3.57 Uhr zog der Wind plötzlich an, ein Matrose weckte den Kapitän – trotzdem war die Jacht innerhalb von sechs Minuten gesunken. Sie war durch eine Windböe auf die Seite gedrückt worden, der Strom fiel aus, Panik brach aus, das Schiff lief voll Wasser und sank unmittelbar. Der Schiffskoch und sechs weitere Passagiere konnten sich nicht mehr aus dem Inneren des Schiffs befreien. Sie versanken mit ihm. Darunter Lynch und seine Tochter.
Seither wird spekuliert, warum das hochmoderne Schiff so schnell unterging. Ob, wer und wie dieses Schicksal hätte verhindert werden können.
Oder war es gar kein Schicksal?
Die Untersuchungen beginnen jetzt. Vielleicht wird das Geheimnis der Bayesian nie gelüftet.
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