Nahel (17) und Thomas (16): Der Umgang Frankreichs mit getöteten Jugendlichen zeigt die Doppelmoral der herrschenden Eliten
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In Frankreich hat es im Sommer gebrannt. Erinnert sich wer?
Nachdem ein Polizist den 17-jährigen Nahel M. im Rahmen einer Verkehrskontrolle Ende Juni erschossen hatte, setzten Jugendliche in ganz Frankreich Vororte in Brand. In einer Woche wurden mehr als 1000 Gebäude und 200 Schulen zerstört, 5000 Autos angezündet, ganze Stadtviertel demoliert.
Rebellion der Vorstädte
Schnell war klar: Hier erschoss ein weißer Polizist den jungen Migranten aus dem Pariser Vorort. Die Tat sei ein Beleg für strukturellen Rassismus – und rassistische Strukturen. Medien wie die Libération titelten, dass die Banlieues, also die prekären französischen Vorstädte, sich erheben und rebellieren. Und Politiker der Linken um Jean-Luc Mélénchon besuchten sogar verständnisvoll die Randalierer, sodass Fotos von Sakkoträgern neben Schwervermummten entstanden.
Eine unheilige Allianz, die nimmermüde wurde, die „Perspektivlosigkeit“ und „angestaute Wut“ der jungen Migranten zu betonen.

Zerstörte Vororte während der Ausschreitungen im Juli

Ausgebrannte Busse in einem Vorort von Paris
Verständnis für den gewalttätigen Mob
Keine 24 Stunden nach der Tötung von Nahel gedachten ihm Politiker in der französischen Nationalversammlung mit einer Schweigeminute. Es folgten Trauermärsche und Beileidsbekundungen von Präsident Emmanuel Macron.
Und obwohl sich später herausstellte, dass der Polizist Florian M., der Nahel erschoss, ein unbescholtener Beamter war, der wohl deshalb schoss, weil Nahel in seinem Auto gerade im Begriff war, die zweite Verkehrskontrolle zu durchbrechen und bereits zuvor Fußgänger und Radfahrer mit seiner Raserei gefährdet hatte, wurde man als Beobachter Zeuge, wie eine Öffentlichkeit eingeübt auf den Vorfall reagierte: mit Verständnis für den delinquenten Jugendlichen, mit Verständnis für den gewalttätigen Mob – und mit Verachtung gegenüber der Polizei.

Keine Woche nach der Tat gab es einen Trauermarsch für Nahel.
Wenn das Zusammenleben zum Überlebenskampf wird
Nun sind seit dem zweifellos tragischen Tod von Nahel fünf Monate vergangen und in Frankreich gibt es erneut einen Jugendlichen, um den das Land trauert, diesmal gewissermaßen unter umgekehrten Vorzeichen.
Es handelt sich um den 16-jährigen Thomas, einen weißen Schüler, dem bei einem Angriff maghrebinisch-arabischer Vorortgangster bei einem Ball in Crépol die Kehle durchgeschnitten wurde. Wie die Regionalzeitung Le Dauphiné Libéré berichtet: aus antiweißen Motiven.
NIUS berichtete: „Wir wollen Weiße abstechen“: Migranten-Gang überfällt Dorffest in Frankreich
Thomas ist eines der etlichen autochthonen französischen Opfer, die in den letzten Jahren von Migranten getötet wurden. Und man muss es eindeutig sagen: Ihr Andenken, egal ob sie Lola, Matthieu, Axelle oder nun Thomas heißen, ist weniger wert als das von Migranten wie Nahel.
Linke Politiker ignorieren den Fall geradezu – und die Schweigeminute für Thomas wurde nicht am Folgetag abgehalten, sondern zehn Tage später. Nicht im Parlament, sondern an Thomas’ Schule. Diese Opfer passen nicht ins Weltbild eines mantrahaft gepredigten Vivre Ensemble, dem positiv konnotierten Codewort für multikulturelles Zusammenleben, das sich für manche Teile der Gesellschaft immer mehr zum Überlebenskampf entwickelt.
Medialer Aufmarsch gegen Rechts
Natürlich führte Thomas’ Tötung auch nicht dazu, dass ganze Städte kurz und klein geschlagen und Supermärkte geplündert wurden. Die Wut manifestierte sich in vereinzelten Aufmärschen rechter Gruppierungen, die mit Bengalos und Sprechchören durch Städte wie Lyon zogen. Sie positionierten sich gegen den Islam und die Einwanderung. Vereinzelt wurden Graffitis mit Aufschriften wie „Francocide“, „Thomas? Lola? Und morgen du“ oder „Thomas. Getötet, weil er weiß war“ gesprüht.
Auch in Roman-sur-Isère, dem Wohnort der mutmaßlichen Täter, demonstrierten Patrioten auf diese Art und Weise. Auch wurden Gedenkplakate im öffentlichen Raum angeklebt. Es kamen keine Personen zu Schaden, es wurden keine Geschäfte geplündert, keine Denkmäler geschändet und keine antisemitischen Parolen geschmiert.

Mauer in Lyon: „Thomas, getötet weil er weiß war“

Francocide richtet sich gegen die Tötung von autochthonen Franzosen durch Menschen mit Migrationshintergrund.
Mehr noch: Ohne soziale Medien hätte man vermutlich kaum von diesen Demonstrationen erfahren – auch das ist ein qualitativer Unterschied zum einwöchigen Ausnahmezustand im Juli, in den die Banlieue-Jugendlichen Frankreich versetzten.
Und damit zurück zu den Medien: Im Fall von Thomas machten sie sich zu Sprachrohren völlig realitätsfremder linker Narrative. Statt danach zu fragen, wie es sein kann, dass ein Überfallkommando von jungen Männern, die Chaid, Yasir, Faycal, Kouider oder Nassir hießen, auf einem Ball messern und Menschen töten kann, oder danach fragen, was es über die Grande Nation als Land aussagt, dass diese Täter „Wir wollen Weiße abstechen“ riefen, prangerten sie, natürlich, die rechten Aufmärsche an.
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Eine publizistische Bankrotterklärung
So auch in Deutschland. Die ZEIT schrieb: „Woran merkt man, dass etwas kippt? In Frankreich ist es nach dem Tod eines 16-Jährigen auf einem Dorffest erneut zu Ausschreitungen gekommen. Den Rechtsextremen spielt das in die Hände.“ Und die Tagesschau warnte vor einer Instrumentalisierung von Rechtsextremen.
Medien wie die ZEIT oder die Tagesschau – aber auch politische Behörden wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes – folgen dabei der gleichen Logik wie es die französische Öffentlichkeit tut. Ihnen sind Opfer von zweifellos schlimmen rassistischen Anschlägen aus Mölln oder Solingen, die 30 Jahre zurückliegen, wichtiger als die Namen derer, die in den vergangenen acht Jahren auch wegen einer völlig gescheiterten Migrationspolitik getötet wurden: Maria, Ece, Sascha, Jonas, Ann-Marie, Danny und Mia.
Diese Öffentlichkeit steht sinnbildlich für den Wesenszustand der westlichen Länder Deutschland und Frankreich, die jeglichen moralischen Anstand und Gewichtungspflicht geopfert haben für die Obsession, unbedingt auf der richtigen (sprich: linken) Seite stehen zu wollen. Wenn Publizisten und Regierungsstellen sich darum sorgen, dass irgendwo 80 Rechte aufmarschieren – davor aber nicht die Tötung und den anti-weißen Rassismus thematisieren –, ist die Umschreibung „haltungsbesoffen“ noch ein Untertreibung. Es ist eine Bankrotterklärung.
Nahel und Thomas, sie sind nicht gleich; die Reaktionen auf ihren Tod offenbaren, dass es kein einiges Frankreich gibt, sondern zwei voneinander losgelöste Realitäten.
In der linken Weltsicht, die den Diskurs bisher dominierte, sind weiße Franzosen, die abgeschlachtet werden, weniger wert als Migranten aus prekären Vierteln, die bei Polizeikontrollen ums Leben kommen. Patrioten mit Fackeln sind schlimmer als Brandschatzhorden. Und die gesamte Opfer- und Täterhierarchie, die dieser Einteilung zugrunde liegt, offenbart eine Doppelmoral herrschender Eliten, die moralische Überlegenheit höher hängen als die Interessenvertretung der eigenen Bevölkerung.
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Jan A. Karon
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