Palästinenser flüchten vor drohender Bodenoffensive: Israelische Soldaten bereits in Stellung
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Menschen in Autos machten sich auf Lastwagen, mit Eselskarren und zu Fuß auf der einzigen Hauptstraße des Gebiets Richtung Süden auf. Die im Gazastreifen herrschende Hamas versuchte, fliehende Zivilisten davon abzuhalten, dem israelischen Aufruf zur Räumung des Nordens zu folgen. Sie sollten nicht auf die „Propagandanachrichten“ reinfallen, hieß es.
IDF-Sprecher am Samstagmorgen: Soldaten bereiten sich auf nächste Phase vor
Nach dem Ablauf der von Israel gesetzten Frist zur Evakuierung von Gaza-Stadt äußerte sich am Sanstagmorgen ein israelischer Militärsprecher in einer Video-Pressekonferenz zur Lage, berichtet ntv. Demnach sagte der Sprecher: „Wir haben eine signifikante Bewegung palästinensischer Zivilisten in Richtung Süden festgestellt. Rund um den Gazastreifen bereiten sich israelische Soldaten der Reserve in Formation auf die nächste Phase der Einsätze vor.“
Soldaten seien „überall“ rund um den Gazastreifen postiert, im Süden, im Zentrum und im Norden. Der „Endzustand dieses Krieges“ werde darin bestehen, die Hamas und ihre militärischen Fähigkeiten zu zerschlagen und die Situation grundlegend zu verändern, „so dass die Hamas nie wieder in der Lage sein wird, israelischen Zivilisten oder Soldaten Schaden zuzufügen“.

Palästinenser fliehen vor der angekündigten Bodenoffensive.
Im Gazastreifen herrscht unter der palästinensischen Bevölkerung laut Augenzeugen Angst angesichts der drohenden Bodenoffensive gegen die islamistischen Hamas-Terroristen. Nach Ablauf der vom israelischen Militär gesetzten Frist zur Massenevakuierung des nördlichen Gazastreifens befürchten die Vereinten Nationen eine „katastrophale Situation“, sollte die Armee in das dicht besiedelte Küstengebiet einmarschieren. Die UN forderten Israel am Freitag auf, die Anweisung zur Evakuierung der etwa 1,1 Millionen Menschen zu widerrufen. UN-Generalsekretär António Guterres forderte sofortigen Zugang zum Gazastreifen für humanitäre Hilfe. „Auch Kriege haben Regeln“, sagte er am Freitag in New York.
Israelische Geiseln tot gefunden
Laut Hamas-Angaben sollen Luftangriffe der israelischen Streitkräfte 70 Menschen auf der Flucht in den Süden des Gazastreifens getötet und 200 weitere verletzt haben. Drei Konvois seien getroffen worden. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Vom israelischen Militär gab es keine Bestätigung. Die Berichte würden geprüft, hieß es dort.

Bewohner des Gazastreifens inspizieren die Reste eines Gebäudes, das bei israelischen Luftangriffen zerstört wurde.
Israels Militär flog unterdessen weitere Bombenangriffe auf Hamas-Ziele und unternahm zudem erste begrenzte Vorstöße in den Gazastreifen. Dabei hätten die Soldaten am Freitagabend Leichen vermisster Landsleute entdeckt, berichtete die Zeitung Jerusalem Post am frühen Samstagmorgen. Angaben zur Anzahl der Toten gab es zunächst nicht. Laut einem israelischen Armeesprecher sei Ziel dieser Einsätze, „das Gebiet von Terroristen und Waffen zu säubern“. Dabei habe man auch versucht, Vermisste zu finden. Boden- und Panzertruppen hätten nach Spuren gesucht und „Terrorzellen ausgeschaltet“.
Nach Angaben des militärischen Arms der Hamas sollen 13 der rund 150 aus Israel verschleppten Geiseln bei den israelischen Luftangriffen auf das Küstengebiet getötet worden sein. Darunter seien auch ausländische Staatsangehörige, behaupteten die Al-Kassam-Brigaden. Auch dies konnte nicht unabhängig überprüft werden. Israels Armee wollte dem Bericht nach eigenen Angaben nachgehen.
Netanjahu: erst der Anfang der Offensive gegen Hamas
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die derzeitigen Gegenangriffe im Gazastreifen nach dem Hamas-Terror mit Hunderten getöteten Israelis nur als „Anfang“ der Offensive gegen die militanten Islamisten. „Wir werden die Hamas zerstören und gewinnen, aber es wird Zeit brauchen“, sagte er am Freitagabend in einer Ansprache an die Nation. „Unsere Feinde haben gerade erst begonnen, den Preis zu zahlen. Ich werde unsere Pläne nicht näher erläutern, aber ich sage Ihnen, das ist erst der Anfang.“
Das jüdische Volk habe seit Jahrzehnten nicht mehr solche Schrecken erlebt, so Netanjahu.

Orly Louk, die Tante der noch immer vermissten Shani Louk in Israel. Außenministerin Baerbock will sich bei ihrem Solidaitätsbesuch mit ihr treffen.
Terroristen im Auftrag der Hamas hatten am Samstag vergangener Woche ein Massaker unter israelischen Zivilisten in Grenzorten und auf einem Musikfestival angerichtet, das schlimmste seit Israels Staatsgründung. Mehr als 1300 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Zahl der bei den israelischen Gegenangriffen getöteten Palästinenser im Gazastreifen gab das dortige Gesundheitsministerium am Freitagabend mit mindestens 1900 an. Darunter seien 614 Kinder und Jugendliche. Mindestens 7696 Menschen wurden demnach verletzt.
Biden zeigt sich besorgt über humanitäre Lage der Palästinenser
Saudi-Arabien und Ägypten kritisierten den Aufruf des israelischen Militärs zur Massenevakuierung des nördlichen Gazastreifens. US-Präsident Joe Biden versicherte Israel erneut die Solidarität der Vereinigten Staaten, äußerte sich aber auch besorgt zur Lage im Gazastreifen. „Wir dürfen die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass die überwältigende Mehrheit der Palästinenser nichts mit Hamas oder den abstoßenden Attacken der Hamas zu tun hat und dass sie in der Folge auch leiden“, sagte Biden am Freitag.

Eli Cohen, Außenminister von Israel, und Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin von Deutschland, sprechen mit Journalisten in Netivot. Die Außenministerin hat Israel und seiner Bevölkerung die deutsche Solidarität versichert.
Baerbock zu Gesprächen in Ägypten
Außenministerin Annalena Baerbock hält sich zur Fortsetzung ihrer Krisengespräche im Nahen Osten in Ägypten auf. Nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt wollte sich die Grünen-Politikerin am Samstagmittag in der Hauptstadt Kairo mit Außenminister Samih Schukri treffen. Aus Delegationskreisen hieß es, neben der regionalen Lage nach den Hamas-Angriffen auf Israel würden bei den Gesprächen in Ägypten auch die Bemühungen um die Freilassung der von den Islamisten nach Gaza verschleppten Geiseln im Mittelpunkt stehen.
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