Der neue Superstar Europas: Wirtschaftswunderland Polen
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Da kann Deutschland nur staunen: Polen wird für dieses Jahr ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent vorausgesagt, in Warschau wächst als Symbol wirtschaftlicher Stärke ein Hochhaus nach dem anderen in den Himmel, wie die Welt schreibt. Neue Autobahnen werden gebaut, das erste Kernkraftwerk des Landes wird aus dem Boden gestampft, ein neuer Zentralflughafen soll entstehen. Die polnische Verwaltung ist fast durchgehend digitalisiert, die Innenstädte sind herausgeputzt, die Löhne steigen, Industrie- und Dienstleistungsarbeitsplätze entstehen.

An der Ostsee möchte Polen ein neues AKW bauen.
Viele Polen ziehen in ihre Heimat zurück
Mittlerweile ziehen sogar Polen, die das Land nach dessen EU-Beitritt 2004 und der vollständigen Aufhebung von Arbeitsmarktbeschränkungen 2011 verlassen hatten, in ihre Heimat zurück. Grund sind gute berufliche Perspektiven und eine hohe Lebensqualität. Im vergangenen Jahr sind erstmals mehr Menschen aus Deutschland nach Polen als umgekehrt von Polen nach Deutschland gezogen. Das Wirtschaftswunderland Polen hat im vergangenen Jahr sogar die Schweiz von Platz 20 der weltgrößten Volkswirtschaften gestoßen.
Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt Polen auf ein Bruttoinlandsprodukt von 1,04 Billionen US-Dollar (rund 883 Milliarden Euro). Kein Zufall also, dass Polen von der US-Regierung als Teilnehmer zum diesjährigen G-20-Gipfel in Miami eingeladen worden ist.
Immer mehr Polen kaufen deutsche Betriebe
Ein anderes Phänomen, das die Wucht der polnischen Wirtschaftsentwicklung zeigt: Über viele Jahre kannten Investoren nur eine Richtung – aus Deutschland in das Nachbarland Polen. Doch jetzt kaufen immer mehr Polen deutsche Betriebe. Vom Medien- und Finanzdatenunternehmen Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen, dass Unternehmen aus Polen im vergangenen Jahr 22 Übernahmen in Westeuropa angekündigt haben – ein Rekordwert. Für dieses Jahr sind weitere vier Transaktionen in Arbeit.

Jacek Świderski wurde mit E-Commerce in Polen erfolgreich.
Die Zahlen weisen zudem auf eine wachsende Zahl von Übernahmen in Deutschland hin, mit neuen Deals in Branchen wie Automobil-, IT- und Lebensmittelindustrie. Der polnische Tech-Manager Jacek Świderski, der in den 1990er Jahren in Deutschland studierte, sagt in einem Bloomberg-Interview: „Für mich war es unvorstellbar, dass die polnische Wirtschaft in Bezug auf Fachkompetenz, Servicequalität oder Betriebsgröße zur deutschen aufschließen könnte. Unsere eigene Transaktion zeigt ebenso wie andere Übernahmen polnischer Unternehmen, wie weit wir gekommen sind.“
Christopher Fuß, Experte für den polnischen Markt bei Germany Trade and Invest (GTAI), sagt: „Polen wächst ungefähr dreimal schneller als der europäische Durchschnitt. Nicht nur dieses oder letztes Jahr, sondern das sehen wir seit vielen, vielen Jahren.“ Verblüffend: Mindestens 9.500 Firmen mit mindestens einem deutschen Eigentümer haben inzwischen einen Standort in Polen, darunter sind Riesen wie Bosch, Mercedes und Zalando. Übrigens ist Polen der größte Nettoempfänger von EU-Geldern. Das ist die Basis für viele Investitionen, Zukäufe und Neugründungen.
Problem in Polen – die Bevölkerung schrumpft
Bei aller wirtschaftlichen Prosperität – Polen hat ein tiefliegendes strukturelles Problem: Das 13. Jahr in Folge ist die polnische Bevölkerung geschrumpft. Das zeigen die neuesten Zahlen des polnischen Statistischen Hauptamtes (GUS). Die staatliche Statistikbehörde verzeichnete im vergangenen Jahr 168.000 mehr Sterbefälle als Geburten: 238.000 Geburten standen 406.000 Todesfällen gegenüber. Polen zählt nur noch 37,33 Millionen Einwohner. Dieser Trend dürfte sich weiter beschleunigen, denn Polens geburtenstarke Jahrgänge sind im Rentenalter, die Frauen bekommen durchschnittlich immer weniger Kinder. Tatsächlich droht Polens Bevölkerungsrückgang die wirtschaftliche Dynamik auszubremsen.
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