Rabbi spricht Tacheles: „Der Islam will den Kontinent erobern. Die Enkelkinder der Juden werden aus Europa auswandern“
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Der Rabbiner Dr. Dov Maimon geht von einer düsteren Zukunft für jüdisches Leben in Europa aus. „Die Juden werden [langfristig] keinen Platz mehr haben in Europa. Das ist das, was schon in Marokko, Tunesien oder Algerien passiert ist“, sagte Maimon in einem Gespräch mit dem Fernsehsender i24NEWS. „Ich weiß von den französischen Juden, dass ihre Enkelkinder nicht in Frankreich bleiben werden.“ Praktisch niemand oder nur sehr, sehr wenige würden glauben, „dass ihre Nachfahren in Frankreich leben können angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs, des demografischen Wandels, dem Wiedererstarken des Antisemitismus.“
Angst vor den Linken
Maimon wurde auch konkreter in seiner Prognose. „Wenn man sich in einer Gefahrensituation befindet, wie Juden in Frankreich, sollte man die Augen öffnen und sich ehrlich machen. Wenn Macron dabei ist, die Linkspartei von La France Insoumise (LFI) zu umwerben und Katar fragt, die olympischen Spiele zu sichern, dann weiß man, was das für uns bedeutet.“
Damit spielt Maimon auf die Allianz zwischen Macrons Mitte-Partei Ensemble und zahlreichen Linksströmungen an, die vor dem zweiten Wahlgang entstanden sind, um einen Wahlsieg des Rassemblement National zu verhindern. In Frankreich gibt es den Begriff des „Islamogauchisme“, also einer Zusammenarbeit politisch linker und islamistischer Strömungen. Diese stellen zahlreichen Kommentatoren zufolge gerade für Juden in Frankreich eine große Gefahr dar.
„Sie wollen Europa erobern“
Der Staat Katar hat mit Frankreich ein strategisches Abkommen getroffen, im Zuge dessen 2.000 Polizisten, Soldaten und ein gepanzertes Fahrzeug während der Olympischen Spiele ab dem 26. Juli nach Frankreich entsandt werden. Seit einigen Tagen patrouillieren Streitkräfte des Wüstenstaats die Champs-Elysées und andere Orte der französischen Hauptstadt. Für Maimon: kein Grund zur Freude. „Stellen Sie sich vor: Die katarische Armee und katarische Panzer fahren durch die Straßen von Paris. Was bedeutet das eigentlich? Katar ist das Land, das Hamas finanziert. Katar ist der größte Geldgeber des gesamten Islamismus in Europa.“
In einem Gedankenexperiment verwies Maimon darauf, der Staat Israel hätte etwa Armeekräfte nach Frankreich geschickt. „[Die Menschen] würden Bomben werfen, sie würden die Panzer angreifen. Also haben wir hier eine Art Zugeständnis, eine Kapitulation, die besagt: Wir sagen, dass der Katarer der Einzige ist, der die Unruhen in den Vororten stoppen kann.“

Französische Polizisten führen Personenkontrollen in einem französischen Vorort durch.
Solche Aufstände in französischen Banlieues würden laut Maimon inzwischen von „Drogenbaronen“ gestoppt. Weiter führte der Professor aus: „Die Gefahr kommt in Wirklichkeit von den Islamisten, die Europa erobern wollen. Sie wollen Europa erobern.“ Seit dem 7. Oktober hätten sie „Rückenwind“. Der Tag, an dem Hamas Israel überfiel und mehr als 1.100 Israelis tötete, sei für Islamisten ein „mythologischer Moment, der ihnen plötzlich ihre Würde und ihren Willen zur Welteroberung zurückgab.“
Es gibt keinen Ort, der wirklich sicher ist
In Europa würden besagte Islamisten „mit Soft Power, mit Hard Power, mit der Bedrohung durch Unruhen oder mit Terroranschlägen“ vorgehen. Gleichzeitig gebe es „Leute im Anzug und mit Krawatte, die alle Positionen innerhalb der Institutionen einnehmen und diese erobern.“ Deshalb habe man es mit einem Phänomen zu tun, das viel größer ist und eine Erklärung dafür sei, weshalb Juden nach Israel zurückgingen. „Im Jahr 2000 konnte man noch nach London oder New York gehen. Heute gibt es wirklich keinen Ort, wohin man gehen könnte, wo man restlos sicher wäre.“ Also werden die Juden, trotz allem, nach Israel kommen.
In Frankreich war es in den vergangenen Monaten häufig zu Gewalt gegen Juden gekommen, die Opfer propalästinensischer Attacken wurden. Besonders schockierten zwei Vergewaltigungsfälle: Im April sperrte der Mitarbeiter der Pariser U-Bahn eine jüdische Frau in seiner Wohnung in Gennevilliers (Hauts-de-Seine) ein und vergewaltigte sie, um „Palästina zu rächen“. Im Juni vergewaltigten zwei 13-Jährige ein zwölfjähriges Mädchen im Pariser Vorort Courbevoie – aus antisemitischen Motiven.

Marine Le Pen und Jordan Bardella, Spitzenpolitiker der Rechtspartei Rassemblement National, bei einer Demonstration gegen Antisemitismus.
Genaue Zahlen der Ausreisewilligen seien für Maimon schwer zu schätzen, aber es dürfte sich laut Maimon um Hunderttausende handeln. „Israel wird alles tun, was es tun kann, um sie aufzunehmen.“ In der Rückkehrwelle sieht Maimon dabei auch das Scheitern des europäischen Patriotismus und den Schutz jüdischen Lebens nach dem Holocaust. „Der einzige Nationalismus, mit dem sich [Juden] identifizieren können, ist der israelische.“ In Israel habe man eigene junge Leute, „die voller Enthusiasmus sind, die vielleicht an der Front sind, kämpfen, manchmal verletzt sind, aber die kämpfen und unglaubliche Dinge erreichen, die mit voller Energie zurückkommen und ein Land aufbauen wollen“. Dieses Land sei ein „klares Projekt der nationalen Solidarität“. Man fühlt: „Die Energie ist überall in Israel.“
Dov. Maimon ist ein in Paris geborenen Rabbi, der inzwischen in Jerusalem lebt. Er arbeitet unter anderem als Senior Fellow der Nichtregierungsorganisation Jewish People Policy Institute und organisiert Ausreisen französischer Juden nach Israel. Maimon lehrte an zahlreichen Universitäten und trat in verschiedenen Medien, darunter Jerusalem Post oder Times of Israel, als Gastautor auf.
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