Rupert Lowe fordert millionenfache Abschiebungen: Wie „Restore Britain“ die politische Rechte in Großbritannien aufwirbelt
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Björn HarmsNachdem innerhalb der politischen Rechten in Großbritannien jahrelang eher Stillstand herrschte, geht es momentan Schlag auf Schlag. Gleich mehrere Neugründungen spalteten sich in den vergangenen Monaten von Nigel Farages Reform UK ab, wenngleich ihre politische Bedeutung stets begrenzt blieb. Nun taucht ein weiterer Konkurrent auf, der sich explizit rechts von Reform UK positioniert und der in den Umfragen führenden Partei durchaus gefährlich werden könnte.
Mit einem eindrucksvollen Video meldete sich am 13. Februar der ehemalige Reform-UK-Politiker Rupert Lowe zu Wort und verkündete die offizielle Gründung von Restore Britain. Lowe sitzt derzeit als Fraktionsloser im britischen Unterhaus. Der 68-Jährige formierte Restore Britain zunächst als politische Bewegung, nachdem er im März vergangenen Jahres wegen Mobbingvorwürfen aus der Partei von Nigel Farage ausgeschlossen wurde.
Das Video zur nun folgenden Gründung einer „nationalen politischen Partei“ verfehlte seine Wirkung nicht: Mittlerweile wurde es fast 36 Millionen Mal angeschaut. Lowe wählte einen symbolträchtigen Ort, der die gewünschten Bilder lieferte: den Bauernhof. Das sei genau der Ort, der verdeutliche, was Großbritannien tatsächlich ausmache, wie Lowe es formulierte.
„Harte Arbeit, Verantwortung, Einsatz, Pflichtbewusstsein, Fürsorge. Das ist das England, das ich kenne, und das ist das England, das ich liebe. Auf einem Bauernhof denkt man nicht in Wahlperioden, Schlagzeilen oder Umfragewerten. Man denkt in Jahreszeiten. Man denkt in Generationen, daran, was man denen hinterlässt, die nach einem kommen. Und genau deshalb gründe ich hier auf diesem Bauernhof heute ‚Restore Britain‘ als nationale politische Partei.“
Lowe fordert millionenfache Abschiebungen
In dem knapp siebenminütigen Video skizziert Lowe seine Vision für die Partei und das Land. Er warnt seine Anhänger, dass „das, was notwendig ist, unglaublich schmerzhaft sein wird“. Den Wählern jedoch verspricht er erstmals eine „echte Alternative“. Das Parteiprogramm, wie Lowe es beschrieb, konzentriert sich kompromisslos auf Migration.
„Jeder einzelne illegale Migrant wird sicher inhaftiert und anschließend abgeschoben. Die Botschaft wird unmissverständlich sein: Wenn Sie sich ohne unsere Erlaubnis in diesem Land aufhalten, werden Sie auf absehbare Zeit entfernt. Es müssen weit mehr Menschen Großbritannien verlassen, als neu ankommen. Wenn ein ausländischer Staatsangehöriger kein Englisch sprechen kann, in einer Sozialwohnung lebt, Leistungen bezieht, sich weigert zu arbeiten, sich nicht integriert, Straftaten begeht oder sogar aktiv unsere Lebensweise hasst und uns schaden will, dann muss er gehen – oder zum Gehen gezwungen werden. Restore Britain wird unsere Gemeinschaften wieder sicher machen – für Frauen und Kinder. Das verspreche ich Ihnen. Wenn das bedeutet, dass Millionen gehen müssen, dann gehen Millionen.“
Schon im Oktober hatte Restore Britain ein 105-seitiges Papier mit dem Titel „Massenabschiebungen – Legitimität, Rechtmäßigkeit und Logistik“ veröffentlicht, in dem konkrete Maßnahmen und juristische Feinheiten beschrieben werden, wie Großbritannien alle Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus abschieben könnte. Auf X bezeichnete Lowe das Dokument am Montag als „Abschiebe-Poesie“. „100 Seiten mit detaillierten Schritten zur Abschiebung jedes einzelnen illegalen Einwanderers, der in unserem Land lebt.“

Lowe will millionenfache Abschiebungen.
Lowe und Farage verbindet eine persönliche Fehde
Genau eine solche millionenfache Remigration lehnt Nigel Farage, der Chef von Reform UK, als undurchführbar ab. „Es ist eine politische Unmöglichkeit“, erklärte er jüngst in einem Interview. Einzelne Reform-Politiker wie Matt Goodwin werfen „Pro-Restore-Accounts“ auf X sogar „offenen Rassismus“ vor.
Von rechter Seite wird Farage hingegen angelastet, sich bereits zu sehr an das politische Establishment angepasst zu haben. In den vergangenen Monaten sind mehr als 20 ehemalige oder aktuelle Abgeordnete der Tory-Partei zu Reform UK gewechselt. Einige von ihnen waren unmittelbar an Regierungen beteiligt, die für die Masseneinwanderung der vergangenen Jahre verantwortlich waren.
Zuletzt sorgte beispielsweise der Übertritt der ehemaligen britischen Innenministerin Suella Braverman für Aufsehen. „Wir haben die alte, verstaubte Konservative Partei durch eine neue Mitte-Rechts-Kraft ersetzt, die etwas mehr Energie, etwas mehr Enthusiasmus und etwas mehr Feuer hat“, sagte er kürzlich der BBC. Auf die Frage, ob die Reform-Partei nicht zu viele ehemalige Konservative aufnehme, entgegnete Farage: „Wir brauchen die Erfahrung von Menschen, die an vorderster Front standen – das ist das Einzige, was uns fehlt.“

Suella Braverman trat kürzlich von den Tories zu Reform UK von Nigel Farage über.
Hintergrund des Streits zwischen Reform und Restore ist auch eine persönliche Fehde. Rupert Lowe hatte in seiner Zeit als Reform-Politiker öffentlich Kritik am Führungsstil von Farage geübt und die Partei als mangelhaft strukturiert beschrieben. Die Partei müsse weniger impulsiv und mehr professionell geführt werden, mahnte Lowe, und kritisierte Farage als „messianisch“ in seiner Rolle.
Kurz nachdem Lowe öffentlich Kritik geäußert hatte, gab Reform UK eine Erklärung heraus, in der Vorwürfe erhoben wurden, wonach es Beschwerden gegen Lowe gebe. Er habe Mitarbeiter gemobbt und seinem Parteikollegen Zia Yusuf mehrfach mit Gewalt gedroht. Die Partei kündigte eine Untersuchung an und entzog ihm die Fraktionszugehörigkeit (den „whip“) im Parlament. Lowe wies diese Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete sie als politisch motivierte „Schmierenkampagne“. Eine polizeiliche Untersuchung wurde schließlich ohne Anklage eingestellt.
Restore Britain soll nicht von Berufspolitikern geführt werden
Nach seinem Ausschluss von Reform UK setzt Lowe nun auf Fundamentalopposition zum bestehenden System. Er will nach Möglichkeit gar keine Berufspolitiker mehr in seiner Partei haben.
„Die Männer und Frauen, die bei dieser Wahl für Restore Britain antreten, werden keine Berufspolitiker sein. Ich verspreche Ihnen: Es werden keine gescheiterten Minister sein. Sie werden nicht durch die politischen Fehler der Vergangenheit belastet sein. Sie kommen aus der Wirtschaft, aus dem Militär, aus der Wissenschaft, der Medizin, dem Bildungswesen und der Industrie, und sie werden echte Gemeinschaften im ganzen Land vertreten.“
Wer aber ist der Mann, der hier das politische System in Großbritannien revolutionieren will?
Bevor er in die Politik einstieg, war Lowe vor allem als Geschäftsmann und Fußballfunktionär bekannt. Lange Zeit arbeitete er in der City of London als Investmentbanker bei Morgan Grenfell, der Deutschen Bank oder der Barings Bank. In den späten 1990er und 2000er Jahren war er zudem Vorsitzender des Fußballclubs FC Southampton. Erst im gesetzten Alter wandte er sich aktiv der Politik zu. Im März 2023 stieg er bei Reform UK ein und gewann durch seine kompromisslose Sprache zunehmend an Popularität. Im Januar 2025 forderte X-Chef Elon Musk sogar Nigel Farage zum Rücktritt als Parteivorsitzender auf und sprach sich öffentlich für Lowe aus.
Wirtschaftlich betrachtet vertritt Lowe als ehemaliger Investmentbanker und Geschäftsmann einen klassisch-britischen Liberalismus. Für ihn steht der Individualismus einem kollektivistischen Gedanken gegenüber. „Der Staat schafft keine Werte“, so Lowe in einem kürzlich geführten Interview auf dem Youtube-Kanal von Peter McCormack. „Er verteilt und verbraucht sie. Wohlstand entsteht im privaten Sektor. Doch statt diesen zu schützen, wird er systematisch ausgepresst. Gleichzeitig wächst eine Abhängigkeitskultur, in der Nicht-Arbeit oft attraktiver ist als Arbeit.“

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Rupert Lowe (Mitte) und Nigel Farage (2.v.l.) posieren mit anderen Abgeordneten von Reform UK.
Lowe betrachtet den Staat als Feind
Gleichzeitig wählt Lowe regelmäßig drastische Worte, um seine Abscheu zum derzeitigen politischen System zu demonstrieren: „Der britische Staat ist zum Feind seiner Wähler geworden“, führte er im Interview aus. Lowe meint damit vor allem einen ausufernden Bürokratismus, der sich unter allen Vorgängerregierungen weiter verselbstständigt hätte.
„Der Staat ist immer größer geworden, gleichzeitig aber ineffizienter und arroganter. Er hat den Respekt vor den Wählern verloren. Das zeigte sich besonders nach dem Brexit-Referendum von 2016. Die Entscheidung der Bevölkerung wurde bewusst unterlaufen. Denn die Menschen haben nicht aus wirtschaftlichen Gründen für den Austritt gestimmt, sondern weil sie ihr Land zurückhaben wollten. Doch die Bürokratie akzeptierte dieses Votum nicht und sabotierte es.“
Ein bemerkenswerter Aspekt bei der Gründung von Restore Britain ist die Beteiligung hochrangiger konservativer Persönlichkeiten wie Susan Hall und Sir Gavin Williamson. Beide hatten zuvor beratende Rollen inne, als Restore Britain sich noch als Bewegung verstand. Gleichzeitig wird immer wieder über eine Mitarbeit von englischen Prominenten wie dem Moderator Jeremy Clarkson oder „Monty Python“-Gründer John Cleese spekuliert.

Rupert Lowe als Abgeordneter im britischen Unterhaus.
In den sozialen Netzwerken hat Restore Britain ein Momentum
Die markigen Worte in der Migrationspolitik locken auch vermehrt junge Anhänger an. Seit dem Wochenende werden TikTok, Instagram und X mit Memes und Edits von jungen „Restore Britain“-Anhängern geflutet. Die Stimmung in den sozialen Netzwerken ähnelt der Wahlkampagne von Donald Trump 2015/2016. Doch ob die Partei tatsächlich durchschlagenden Erfolg erzielt, bleibt fraglich.
2021 leitete in Frankreich auch der Journalist Éric Zemmour seine Präsidentschaftskandidatur mit einem spektakulären Video ein. Markige Worte und die Positionierung rechts von Marine Le Pen halfen jedoch nicht. Das Ergebnis bei der Wahl blieb enttäuschend. Zudem verkompliziert das britische Mehrheitswahlrecht die Lage, auch wenn die Partei in den ersten Umfragen auf bis zu zehn Prozent kommt.
In Großbritannien gewinnt in jedem Wahlkreis der Kandidat mit den meisten Stimmen, selbst wenn das nur 30 bis 35 Prozent sind. Alle anderen Stimmen verpuffen politisch. Für eine neue Bewegung wie Restore Britain bedeutet das: 10 oder 15 Prozent landesweit sind wertlos, wenn sie nicht örtlich gebündelt auftreten. Um das Problem zu umgehen, will der 68-Jährige unter anderem mit lokalen Vertretern anderer Parteien zusammenarbeiten. Wie einst Zemmour in Frankreich könnte jedoch auch Lowe feststellen, dass markige Worte und digitales Momentum noch keine Mehrheiten schaffen – erst recht nicht in einem Wahlrechtssystem, das nur Sieger kennt.
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