Verhandlungen in der Schweiz: Russland stellt Gebietsfragen, Ukraine warnt vor neuen Angriffen
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Hochrangige Vertreter Russlands und der Ukraine setzen heute in der Schweiz neue Verhandlungen über ein Ende des seit vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs fort. Die unter Vermittlung der USA geführten Gespräche beginnen in Genf. Während Kiew nach eigenen Angaben vor allem humanitäre Fragen und Sicherheitsgarantien in den Mittelpunkt rücken will, dringt Moskau auf dauerhafte Gebietsabtretungen durch die Ukraine.
Parallel zu den diplomatischen Kontakten gingen die Angriffe in der Nacht vor dem Auftakt weiter. In der Region Sumy im Norden der Ukraine wurde nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft eine Frau getötet, sechs weitere Menschen seien verletzt worden. In der Hafenstadt Odessa meldete Militärverwaltungschef Serhij Lyssak drei Verletzte. Der Stromversorger DTEK erklärte zudem, russische Angriffe hätten erneut die Energieversorgung der Region Odessa getroffen.
Die Ukraine nahm nach eigenen Angaben ihrerseits Ziele in Russland ins Visier. In der südrussischen Region Krasnodar kam es nach Angaben des dortigen Zivilschutzstabs infolge eines Drohnenangriffs in Ilski zu einem Brand in einer Ölraffinerie.

Bild der Zerstörung nach einem russischen Luftangriff auf Odessa
Schutz der ukrainischen Energieversorgung im Fokus
Die ukrainische Delegation traf bereits am Montag in Genf ein. Geleitet wird sie vom Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow. „Die Tagesordnungspunkte sind abgestimmt, das Team ist bereit zur Arbeit“, ließ Umjerow über die sozialen Netzwerke wissen. Vergangene Woche hatte er außerdem erklärt, eine Teilwaffenruhe zum Schutz der ukrainischen Energieversorgung solle ein Ziel der nächsten Gesprächsrunde sein. Zum ukrainischen Tross gehören neben ihm der Chef des Präsidentenbüros Kyrylo Budanow, Vizeaußenminister Serhij Kyslyzja und der Vizechef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Wadym Skibizkyj.

Kreml fordert Gebietsabtretungen
Aus dem Kreml hieß es, die Verhandlungen müssten über Sicherheits- und Militärfragen hinausgehen und auch Gebietsfragen umfassen. Russland verlangt demnach einen Rückzug ukrainischer Truppen aus den von ihnen kontrollierten Teilen der Gebiete Luhansk und Donezk und will diese dem eigenen Staatsgebiet einverleiben. Das wird nicht nur in Kiew kategorisch abgelehnt. Auch europäische Verbündete der Ukraine warnen davor, Russland für den Angriffskrieg faktisch zu belohnen und dadurch weitere Eroberungsabsichten zu befördern.
Die mehr als 20-köpfige russische Delegation wird von Chefunterhändler Wladimir Medinski angeführt. Mit dabei sind laut russischen Angaben auch der Chef des Militärgeheimdienstes GRU, Igor Kostjukow, und Vizeaußenminister Michail Galusin. Auf dem Flug von Moskau nach Genf musste die Delegation nach Angaben russischer Staatsmedien einen mehrstündigen Umweg nehmen. Weil die Route in die Schweiz zwangsläufig über Nato- und EU-Staaten führt, sei nach Informationen der Agentur Ria Nowosti mit Hilfe der USA eine Überfluggenehmigung erteilt worden.

Der russische Chefunterhändler Wladimir Medinski
Erneuerung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Russland
Die Gespräche in Genf bauen auf vorherigen Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf. Vermittelt wurde der Austausch von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, der seinen Chefunterhändler Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner entsendet. Zusätzlich zum Dreiertreffen sind auch russisch-amerikanische Gespräche über eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten vorgesehen.
Kurz vor Beginn der neuen Runde warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem massiven russischen Angriff auf Energieanlagen. „Russland kann der Versuchung nicht widerstehen und möchte in den letzten Tagen der Winterkälte den Ukrainern einen schmerzhaften Schlag zufügen“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Anders als die Ukrainer seien die Russen nicht kompromissbereit. „Russland verwirft alles, setzt die Sturmangriffe an der Front und die Luftschläge auf unsere Städte und die Energieversorgung fort.“ Deshalb müsse die Führung in Moskau zum Frieden gezwungen werden, etwa mit neuen Sanktionen.
Zugleich forderte Selenskyj einen schnelleren Ausbau der Flugabwehr durch westliche Verbündete. „Es ist notwendig, dass das, worüber wir in München (bei der jüngsten Sicherheitskonferenz) mit den Partnern gesprochen haben, zeitnah umgesetzt wird“, betonte er. Je länger Lieferungen dauerten, desto größer sei der Schaden durch die russischen Angriffe.
Die Ukraine verteidigt sich seit knapp vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion. Seit dem Herbst haben die Angreifer ihre Attacken mit Kampfdrohnen und Raketen auf ukrainische Energieanlagen intensiviert. In einem der härtesten Winter seit Jahren leiden Millionen Ukrainer unter Strom-, Heizungs- und Wasserausfällen.
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