Seit 2 Wochen in den Händen der Hamas: Wie geht es den deutschen Geiseln?
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Zwei Wochen ist es mittlerweile her, dass die Terror-Organisation Hamas Israel überfiel, mehr als 1400 Personen tötete und rund 200 Personen entführte. Die ersten zwei Geiseln – zwei Amerikanerinnen aus Chicago – wurden von der Hamas im Gegenzug für Hilfskonvois freigelassen. Aber: Wie geht es den deutschen Geiseln?
Insgesamt geht die Bundesregierung und das Auswärtige Amt von einer einstelligen Zahl deutscher Opfer durch Hamas-Terror aus und von acht deutschen Staatsangehörigen, die entführt worden sind.
Nach einem Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz in Tel Aviv am Donnerstag äußerten die Familien der Entführten die Hoffnung auf Hilfe aus Berlin für die Freilassung ihrer Liebsten. Man hoffe, dass der Bundeskanzler auf Staaten wie Ägypten diplomatischen Druck ausüben könne, was wiederum dazu führen könnte, dass Hamas die Geiseln freilässt. Ein ebenfalls denkbares Szenario: Trade-Offs, also Tauschgeschäfte. So ist etwa denkbar, dass es Gefangenenaustausche mit amerikanischen Hamas-Terroristen gibt oder Freilassungen für die Lieferung von Hilfsgütern.

In Tel Aviv erinnern aufgehängte Bilder an die zahlreichen entführten Menschen.
Geortetes Telefon in Gaza
Zu den Entführten gehört Yarden Roman, eine 35-jährige Deutsch-Israelin. Laut den Angaben ihrer Familie war sie gemeinsam mit ihrem Mann Alon und der dreieinhalbjährigen Tochter Gefen bei ihren Schwiegereltern im Kibbuz Beeri, als die Hamas zuschlug. Die Islamisten verschleppten Yarden, Alon und Gefen aus ihrem Zufluchtsort. Während sie zum Gazastreifen gebracht wurden, gelang es Alon und Gefen, sich aus dem Entführerfahrzeug zu befreien und sich erfolgreich zu verbergen. Yarden hingegen konnte nicht Schritt halten und ging verloren. Ebenso gibt es keine Informationen über den Verbleib ihrer Schwägerin. Die Schwiegermutter, Kinnerat Gat, die ebenfalls entführt wurde, wurde leider tot aufgefunden.
Die 77-jährige Margalit Moses und ihr 79-jähriger Gatte Gadi sind wahrscheinlich aus Nir Oz in den Gazastreifen als Geiseln genommen worden. Ihr Bruder, Chanan Cohan, gibt an, dass Margalit Moses an Krebs erkrankt und in einem schlechten Gesundheitszustand ist. Cohan, ein 85-jähriger Nachkomme deutscher Siedler, der im ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina geboren wurde, verbrachte einige Jahre in Deutschland. Laut ihm besitzen alle Familienmitglieder die deutsche Staatsangehörigkeit. Er betont, dass seine Schwester, ihr Ehemann und die ganze Familie sich immer für den Frieden engagiert hätten.
Während des Angriffs auf den Kibbuz Beeri wurde die Forscherin und Fulbirght-Stipendiantin Shoshan Haran zusammen mit neun Familienmitgliedern entführt. Freunden und Verwandten zufolge sind die Entführten zwischen drei und 65 Jahre alt, Harans jüngste Enkelin ist das jüngste Opfer. Die Jüdische Allgemeine berichtet, dass Shoshan Haran sowie drei ihrer Familienmitglieder deutsche Staatsbürger sind. Zudem haben zwei eine italienische und eines eine österreichische Staatsangehörigkeit. Verwandte versuchten wiederholt, ihre vermissten Angehörigen über Mobiltelefone zu kontaktieren. Ein Handy aus der Gruppe konnte im Gazastreifen geortet werden.
In einer Erklärung von Familien und Freunden heißt es, dass schließlich jemand den Anruf entgegennahm und auf Hebräisch mit arabischem Akzent die Worte „Gilad Schalit Gaza“ sagte – ein deutlicher Hinweis auf den 2006 entführten israelischen Soldaten, der erst nach fünf Jahren durch einen Gefangenenaustausch freigelassen wurde. Zu der Familie der Hinterbliebenen gehört auch Ruth Haran, eine 88-jährige Holocaust-Überlebende.
Kritischer Zustand nach viralem Video
Die wahrscheinlich bekannteste deutsche Geisel: Shani Louk, 22. Die Ravensburgerin wurde bei einem Rave in der Negev-Wüste entführt. Ihre Mutter Ricarda Louk ist überzeugt, dass sie noch lebt und mit schweren Kopfverletzungen in einem Krankenhaus in Gaza liegt, ihr Zustand soll kritisch sein. Shani Louk war es auch, die auf einem Video erkannt wurde, als sie von Hamas-Terroristen auf einem Pick-Up-Truck weggefahren wurde. Die Terroristen spuckten auf sie.

Hoffen auf den Kanzler: Scholz soll helfen, die Geiseln zu befreien.
Yoni Asher aus Israel glaubt fest daran, dass seine Frau Doron Asher zusammen mit ihren beiden Töchtern im Alter von zwei und vier Jahren und seiner Schwiegermutter von der Hamas entführt wurde. Während eines Besuchs bei der Großmutter im Kibbuz Nir Oz nahe dem Gazastreifen startete die Hamas ihren Angriff. Dies berichtete Asher dem TV-Kanal Channel News 12. Auf einem Geiselvideo der Hamas hat er seine Familie identifiziert. Sowohl seine Frau, ihre zwei Töchter als auch die Schwiegermutter besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit.
Aufforderung zum Handeln
Die Angehörigen der deutschen Opfer trafen Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und baten dringlichst um deutsche Unterstützung. Am Sonntag sollen sie eine Kundgebung in Berlin abhalten, auf der sie nochmal an die Bundesregierung appellieren. Einige Familienmitglieder äußerten sich laut Tagesspiegel besorgt über geplante humanitäre Sendungen nach Gaza, solange ihre Verwandten nicht zurückgekehrt sind.

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