Skandal-Erlass von Rotherham: Die Hälfte aller Verurteilten des Prostitutionsrings wieder auf freiem Fuß
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Der Ort Rotherham in Zentralengland ist zum Sinnbild schwerster organisierter Kriminalität geworden: 2014 wurde publik, dass eine pakistanischstämmige Bande bis zu 1500 Kinder und Jugendliche missbraucht, vergewaltigt und in die Prostitution getrieben haben soll. Dafür wurden 2017 22 Männer zu langen Haftstrafen verurteilt. Doch nun stellt sich heraus: Die Hälfte von ihnen ist bereits wieder auf freiem Fuß, teils wurden ihre Strafen verkürzt. Das geht aus einer Exklusivrecherche der Daily Mail hervor.
Demnach seien elf von 22 Männern – trotz ihrer Beteiligung an Missbrauch und Menschenhandel – entlassen worden. Ein zwölfter Verurteilter, Zalgai A., soll Ende Januar darüber informiert worden sein, dass die Bewährungskommission seine Entlassung nach einer mündlichen Anhörung empfohlen hat. Er verbüßte eine neuneinhalbjährige Haftstrafe, weil er mitverantwortlich war, ein 14-jähriges Mädchen gegen ihren Willen in seiner Wohnung festgehalten und missbraucht zu haben. Eine Bewährungskommission hatte entschieden, dass er keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit darstellt.
Besonders brisant: Drei weitere Täter der organisierten Bande, Nasar D., Matloob H. und Mohammed S., könnten in den kommenden Monaten auf freien Fuß kommen. Die drei Männer wurden wegen Vergewaltigung, Anstiftung zur Unsittlichkeit mit einem Kind und Freiheitsberaubung zu 14 Jahren und 6 Monaten und jeweils 13 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah erwiesen an, dass sie ein 13-jähriges Mädchen gegen ihren Willen sexuell missbraucht hatten. Ihre Anhörungen, in denen eine frühzeitige Entlassung verhandelt wird, finden in den kommenden Monaten statt. Die Daily Mail berichtet, D., H. und S. könnten im Frühsommer entlassen werden.

Nach dem Publikwerden des Justizskandals formierten sich rechte Proteste in Rotherham.
Schutz der Öffentlich „unsere oberste Priorität“
Über den Grund für die vorzeitigen Entlassung teilte die Kommission gegenüber Daily Mail mit, dass man „eine riesige Menge an Beweisen sorgfältig prüfe“ und Hinweise für die Verhaltensänderung der Straftäter evaluiere. „Die Mitglieder lesen Hunderte von Seiten der Urteilsschrift im Vorfeld einer mündlichen Anhörung“. Die Beurteilung, ob Häftlinge wieder auf freien Fuß kommen, basierten zudem auf Aussagen von Bewährungshelfern, Psychiatern, Psychologen und Justizvollzugsbeamten, aber auch persönlichen Eindrücken, die die Kommission von den Tätern in langen Gesprächen gewinnt. Der Schutz der Öffentlichkeit ist „unsere oberste Priorität“, wird zitiert.
Die Recherche der Daily Mail hat in den sozialen Medien für große Empörung gesorgt. Der britische Journalist David Atherton schrieb auf X, das Urteil sei eine „Schande“. Dem konservativen britischen Architekten Chris Rose zufolge, sei der Erlass „beleidigend für die beteiligten Opfer und Whistleblower“. Der britische Justizminister Alex Chalk kann nun binnen 28 Tagen die Bewährungskommission bitten, ihr Urteil zu überdenken.

Der britische Justizminister Alex Chalk hat nun 28 Tage Zeit, die Bewährungskommission aufzufordern, das Urteil zu überdenken.
Der Missbrauchsskandal von Rotherham gilt als einer der größten Justizskandale Großbritanniens. Zwischen 1997 und 2013 soll ein organisierter pakistanischstämmiger Prostitutionsring bis zu 1500 vorwiegend britische Mädchen zu Opfern sexueller Gewalt gemacht haben. In vielen Fällen schlugen, vergewaltigten und missbrauchten die Täter selbst ihre Opfer.
Nachdem der Skandal durch einen Untersuchungsbericht der Professorin Alex Jay 2014 publik wurde, trat der gesamte Stadtrat von Rotherham zurück. In der Untersuchung heißt es: „Von Beginn an habe es Hinweise darauf gegeben, dass sexuelle Ausbeutung von Kindern in Rotherham sich zu einem zunehmenden Problem entwickelte. Mehr als ein Drittel der Opfer seien den Jugendschutzbehörden bekannt gewesen.“ Demnach hätten Polizisten, Beamte und Sozialarbeiter jahrelang weggeschaut und seien nicht eingeschritten, weil sie sich fürchteten, als „rassistisch“ bezeichnet zu werden.
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