Tausende Flüchtlinge pro Tag: Lampedusa ruft den Notstand aus
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Der Stadtrat der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa hat angesichts Tausender neu angekommener Bootsmigranten den Notstand ausgerufen.
Das gab Bürgermeister Filippo Mannino am Mittwochabend bekannt, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Er verlangte mehr Unterstützung für die kleine Insel, die unter „großem Stress“ stehe. Die Bürger Lampedusas seien verzweifelt. „Jeder hat in irgendeiner Weise den Migranten geholfen, die Hilfe brauchten. Aber jetzt ist es wirklich an der Zeit, nach einer strukturellen Lösung zu suchen“, sagte Mannino weiter. Zunächst war unklar, welche konkreten Auswirkungen die Ausrufung des Notstands in der Kommune hat.

Ex-Regierungschef Giuseppe Conte
Die Ereignisse sorgen auch dafür, dass Italiens Politik in Europa mehr Druck macht. Der ehemalige Regierungschef und Präsident der 5-Sterne-Bewegung, Giuseppe Conte, bezeichnete in einer Erklärung die Situation als „außer Kontrolle“. Lampedusa würde kollabieren. „Wir sind isoliert, Frankreich und Deutschland liegen falsch“, fügt der Politiker hinzu.
5000 Flüchtlinge in Lampedusa angekommen – an einem einzigen Tag
Seit Montag haben Tausende Bootsmigranten die Insel zwischen Sizilien und Nordafrika erreicht – allein am Dienstag kamen mehr als 5000 Menschen an, wie aus Zahlen des Innenministeriums in Rom hervorging. Italiens Rechtsregierung beschloss bereits im April wegen der hohen Migrationszahlen über die Mittelmeerroute landesweit einen Notstand.
Lampedusa liegt 190 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt und gehört seit Jahren zu den Brennpunkten der Migration nach Europa. Das dortige Erstaufnahmelager mit Platz für rund 400 Menschen ist erneut völlig überfüllt. Knapp 6800 Migranten befinden sich derzeit auf der Insel – die meisten in dem Camp.
Am Hafen spitzte sich die Lage am Mittwochnachmittag zu. Hunderte Migranten versuchten nach übereinstimmenden Medienberichten, den Hafen zu verlassen und Absperrungen zu durchbrechen. Wie auf Videos zu sehen war, drängte die Polizei die Menschen zurück. Die zuständige Finanzpolizei wollte sich am Abend dazu auf Nachfrage nicht äußern.
Lampedusa: der Ort, an dem Europa stirbt
Im ersten Halbjahr 2023 sind mehr als 50.000 Menschen nach Italien eingereist, die allermeisten davon illegal. Auch deshalb rief die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni einen Ausnahmezustand aus – und erntet aktuell Kritik aus den eigenen Reihen, weil sie ihren Wählern versprach, Migration zu reglementieren.
NIUS-Reporter Jan A. Karon ist nach Lampedusa, Sizilien und Brüssel gereist und hat mit Flüchtlingen, Politikern, Marineadmiralen und Anwohnern gesprochen. Am Ende seiner 50-minütigen Reportage steht fest: Süditalien ist der Ort, an dem Europa stirbt – und in der Migrationspolitik gibt es nur Verlierer. Sehen Sie das Video hier:
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Philippe Fischer
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