Trump fordert: Ukraine soll Friedensplan bis Donnerstag akzeptieren
Ein Beitrag von
- Im Ukraine-Krieg erhöht der US-Präsident den Druck auf die Ukraine.
- Es steht eine vorläufige Frist bis kommenden Donnerstag im Raum. Kremlchef Putin ist skeptisch.
- Zuvor hatten Trump und Merz sich in einem Telefonat ausgetauscht.
US-Präsident Donald Trump erwartet von der Ukraine, dass sie den von den Vereinigten Staaten vorgelegten Plan für ein Ende des Ukraine-Krieges bis kommenden Donnerstag im Wesentlichen akzeptiert. „Wenn alles gut läuft, neigt man dazu, die Fristen zu verlängern“, sagte Trump in einem Gespräch mit Fox News Radio zwar auf die Frage, ob die USA der Ukraine eine „lockere Frist“ gesetzt hätten, um dem Plan zuzustimmen. „Aber Donnerstag ist unserer Meinung nach ein geeigneter Zeitpunkt.“ Am Abend telefonierte Trump mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu dem Friedensplan.

In den vergangenen Wochen besuchte der ukrainische Präsident immer wieder die USA, um über den Krieg und eine Lösung zu debattieren.
Der Washington Post zufolge verknüpften die USA das Ultimatum mit einer Drohung. Sollte sich das von Russland angegriffene Land gegen den Friedensplan sträuben, müsse es mit dem Verlust der US-Unterstützung rechnen, berichtete das Blatt unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Selenskyj schwört Landsleute auf schwierige Zeit ein
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schwor in einer Videoansprache seine Landsleute „auf einen der schwersten Momente in der Geschichte unseres Landes“ ein. „Gerade könnte die Ukraine vor einer sehr schweren Wahl stehen: Entweder die Würde verlieren oder das Risiko eingehen, den Schlüsselpartner zu verlieren. Entweder die schwierigen 28 Punkte (des US-Friedensplans) oder ein äußerst schwerer Winter“, sagte der Staatschef.

In der Ost-Ukraine sind die Fronten weiter verhärtet. Im Bild: T-90-Panzer der Russen
Putin offen für Verhandlungen, aber dennoch skeptisch
Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich nach Vorlage des US-Friedensplans offen für Verhandlungen. Der US-Plan könne die Grundlage sein für eine friedliche Lösung, sagte Putin bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates. Er bestätigte erstmals, dass ihm der Text vorliegt. Es handele sich um eine neue Fassung von dem, was bereits früher diskutiert worden sei – etwa auch bei seinem Treffen mit Trump in Alaska im August. Zugleich äußerte der Kremlchef einmal mehr Zweifel, dass die Ukraine sich auf die Vorschläge einlasse. „Warum?“, fragte Putin selbst die per Video zugeschalteten Sicherheitsratsmitglieder. „Die Ukraine ist dagegen“, antwortete der Kremlchef selbst. Das Land und seine europäischen Verbündeten pflegten weiter die Illusion, Russland auf dem Schlachtfeld eine strategische Niederlage zufügen zu können.
Friedensplan der USA sieht 28 Punkte vor
Der Entwurf des US-Plans besteht aus 28 Punkten (NIUS berichtete). Darin muss die Ukraine Zugeständnisse machen. Zwar würde die Souveränität des Landes bestätigt, und auch Sicherheitsgarantien der USA würden weiter gewährt. Die Ukraine müsste aber in ihrer Verfassung auf einen Beitritt zur Nato verzichten und Gebiete dauerhaft abtreten. Die Krim und die ebenfalls besetzten Gebiete Donezk und Luhansk sollen als faktisch russisch anerkannt werden.
Merz telefoniert mit Trump
Kanzler Merz telefonierte erstmals mit Trump über den US-Friedensplan. Das Telefonat sei „vertrauensvoll und verbindlich“ gewesen und es seien „nächste Schritte“ der Abstimmung auf Ebene der Berater verabredet worden, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius anschließend.

Merz traf am Samstagmorgen in Südafrika ein.
Merz ist den Angaben zufolge der erste europäische Nato-Verbündete der USA, der mit dem Präsidenten über den Plan gesprochen hat. Die Europäer waren von dem Vorstoß Trumps überrascht worden. Sie arbeiten nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen nun an einem eigenen Vermittlungspapier, das noch in Abstimmung sei. Merz und andere führende Staats- und Regierungschefs aus Europa werden an diesem Samstag auch am Rande des G20-Gipfels im südafrikanischen Johannesburg zu Krisengesprächen zusammenkommen. Das kündigten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa nach einem Gespräch mit Selenskyj an.
Kontaktlinie soll Ausgangspunkt für Verständigung sein
Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer waren sich zuvor bei einem Telefonat mit Selenskyj einig gewesen, „dass jede Vereinbarung, die die europäischen Staaten, die Europäische Union oder die Nato betrifft, einer Zustimmung der europäischen Partner beziehungsweise eines Konsenses der Alliierten bedarf“, wie es in einer schriftlichen Erklärung hieß. Merz, Macron und Starmer wollten weiterhin das Ziel verfolgen, „vitale europäische und ukrainische Interessen“ langfristig zu wahren. Dazu gehöre unter anderem, dass die sogenannte Kontaktlinie zwischen den Truppen beider Seiten Ausgangspunkt einer Verständigung sein müsse. Zudem müssten die ukrainischen Streitkräfte imstande bleiben, die Souveränität der Ukraine wirkungsvoll zu verteidigen.
Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, schloss Grenzverschiebungen kategorisch aus. „Die territoriale Integrität der Ukraine und eine Änderung der ukrainischen Grenzen sind keine Themen, die zur Diskussion stehen sollten“, sagte die Diplomatin in Washington. Kiew vertrete weiter die Position, den russisch-ukrainischen Krieg an der aktuellen Frontlinie zu stoppen. „Es mag detailliertere Gespräche darüber geben, wo genau diese Linie verläuft, aber das ist derzeit Teil dieses Dialogs“, sagte Stefanischyna.
USA, Russland und China bei G20 nicht prominent vertreten
An dem Treffen am Rande des G20-Gipfels werden nach Angaben von EU-Beamten neben Merz und den EU-Spitzen die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Italien und Großbritannien erwartet. Zudem sind Irland, Finnland, die Niederlande, Spanien und Norwegen eingeladen, die in diesem Jahr als Gastländer bei der G20-Gruppe führender Industrie- und Schwellenländer dabei sind. Die Diskussion zum Ukraine-Krieg dürfte das Treffen überschatten.
Mit den USA, China und Russland sind die drei mächtigsten Staaten der G20-Gruppe jedoch nicht auf Chefebene vertreten: Der chinesische Präsident Xi Jinping schickt die Nummer zwei im Staat, Ministerpräsident Li Qiang. Putin stufte die Präsenz in Johannesburg noch deutlich weiter herunter und lässt sich vom stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung, Maxim Oreschkin, vertreten. Die US-Regierung unter Trump boykottiert den Gipfel komplett.
Auch bei NIUS:
Korruptionsskandal in Kiew: Ukrainischer Justizminister entbunden – Vertrauter Selenskyjs im Zentrum der Ermittlungen
Mehr NIUS:
Transgender-Abgeordneter in den USA zu 33 Jahren wegen sexueller Ausbeutung von Kindern verurteilt
Gipfel in der Schweiz: Iran unterbricht Verhandlungen mit den USA
Großbritannien: Krankenschwester verliert Zulassung nach Facebook-Posts über illegale Einwanderung
Mehrere Schwerverletzte bei Zusammenstoß zweier Züge in England
Trump verspottet Meloni nach G7-Treffen: Italiens Außenminister sagt USA-Reise ab
Wut über Migrationspolitik: Belfast brodelt nach versuchter Hinrichtung
Iran-Gespräche: Vance reist vorerst nicht zu Verhandlungen in die Schweiz
Entgegen aller Klima-Horrorprognosen: Viel mehr Korallenriffe als bisher gedacht kommen mit höheren Temperaturen zurecht
Mehr NIUS:
Mehrere Schwerverletzte bei Zusammenstoß zweier Züge in England
Trump verspottet Meloni nach G7-Treffen: Italiens Außenminister sagt USA-Reise ab
Wut über Migrationspolitik: Belfast brodelt nach versuchter Hinrichtung
Iran-Gespräche: Vance reist vorerst nicht zu Verhandlungen in die Schweiz
Entgegen aller Klima-Horrorprognosen: Viel mehr Korallenriffe als bisher gedacht kommen mit höheren Temperaturen zurecht
G7-Staaten kündigen neue Sanktionen gegen Russland an
Mit Nummer 47 und seinem Namen: Merz schenkt Trump Deutschland-Trikot
Acht Tote bei Absturz von B-52-Bomber in Kalifornien
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare