Wie die Welt auf eine neue Generation von Kernkraftwerken setzt
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Das Schweizer Bundesamt für Energie hat in der letzten Woche ein brisantes Papier im Internet veröffentlicht. Darin wird aufgeschlüsselt, wie die Welt auf eine neue Generation von Kernkraftwerken setzt.
Deutschland kommt darin auch vor, weil nur Deutschland sämtliche Reaktoren stillgelegt hat. Der Rest der Welt setzt auf Kernkraft. Verfasst wurde das Grundlagenpapier im Auftrag der Schweizer Bundesregierung von den führenden Kernforschern der Schweiz, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet. Es handelt sich um die umfangreichste Untersuchung zur Kernkraft der letzten zehn Jahre. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:
Kernkraft erlebt ein großes Comeback
Die internationale Atomenergieagentur geht in ihrem neuesten Jahresausblick davon aus, dass sich die installierte Kernkraftkapazität bis 2050 mehr als verdoppeln wird. Sie korrigierte ihre Prognose damit zum dritten Mal in Folge nach oben. Das höchste Wachstum verzeichnet China, wo derzeit 27 Kernkraftwerke gebaut werden. Es folgen Indien (7) und die Türkei (4). In Europa befinden sich derzeit 9 Anlagen im Bau, insgesamt sind in zwölf EU-Ländern Kernkraftwerke geplant.

Die chinesische Kernfusionsanlage HL-2M„ Tokamak, die den Spitznamen Künstliche Sonne“ trägt.
Bauzeiten werden kürzer
Kernkraftwerke der neuesten Generation können in weniger als sechs Jahren Bauzeit fertiggestellt werden – vorausgesetzt, dass eine funktionierende Lieferkette für die wichtigsten Komponenten aufgebaut werden kann. Die beiden neuesten Kernkraftwerke in Europa, die Anlagen in Olkiluoto (Finnland) und Flamanville (Frankreich), nahmen allerdings viel mehr Zeit in Anspruch – nämlich 18 beziehungsweise 16,5 Jahre. Es handelte sich um Pionierprojekte.
Kernkraft wird immer sicherer
Bei Kernkraftwerken, die heute gebaut werden, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Kernschaden und die Freisetzung erheblicher Mengen an Radioaktivität um ein Vielfaches kleiner als bei bestehenden nachgerüsteten Kraftwerken. Sie verfügen über sogenannte passive Sicherheitssysteme, die nicht auf externe Energiezufuhr und Eingriffe durch den Betreiber angewiesen sind. Das Austreten schwerer Unfallfolgen mit Kernschmelze, die zur Freisetzung radioaktiver Substanzen führen könnte, wird von den Wissenschaftlern praktisch ausgeschlossen.

Christian Keller, Bürgermeister von Grafenrheinfeld, steht vor den Kühltürmen des stillgelegten Kernkraftwerkes.
Reaktoren werden immer kleiner
Kernrektoren im Kleinformat (SMR) könnten bereits 2035 bis zu 9 Prozent der weltweiten Kapazität ausmachen. Aufgrund der geringen Größe sind die Kapitalkosten geringer, die Reaktoren können in einer Fabrik gefertigt werden und nicht im Freien. In westlichen Ländern sollen erste SMR, die wie Großreaktoren Wasser als Kühlmittel verwenden, ab 2030 oder sogar noch früher kommerziell betrieben werden.
Neue Generation von Kernkraftwerken
Die meisten der derzeit gebauten Reaktoren werden mit Wasser gekühlt. Die abgeführte Wärme wird dazu genutzt, Strom zu produzieren. Neue Reaktoren jedoch sollen mit Gas, flüssigem Metall wie Natrium oder Blei oder geschmolzenem Salz gekühlt werden. Viele dieser neuartigen Reaktortypen sind laut dem Bericht vielversprechend. Die Hoffnung ist, dass diese eine höhere Effizienz aufweisen, weniger Brennstoffe benötigen und die Menge an hochradioaktivem Abfall reduziert werden kann. Schade, dass Deutschland die neue Generation von Kernkraftwerken nicht mehr erleben wird.
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