Studie in fünf europäischen Ländern: Spanier und Schweizer zahlen Zahnärzte selbst – und haben gute Zähne
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Was in Deutschland für Empörung sorgt, ist in Spanien und der Schweiz längst Alltag. In beiden Ländern zahlen die Patienten ihre Zahnarztbesuche selbst. Eine internationale Studie in fünf europäischen Ländern belegt: Bei der Mundgesundheit liegen beide Länder trotzdem vor Deutschland.
Vorschläge aus den Reihen der CDU zur Reform der Sozialsysteme haben zu heftigen Kontroversen geführt. Die jüngste Forderung des CDU-Wirtschaftsrats, die Zahnbehandlung als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen, lehnte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ab. Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte schon vor erheblichen Folgekosten eines solchen Schrittes gewarnt, weil Zahnkrankheiten Diabetes, Demenz oder Herzinfarkt begünstigen könnten.
Spanier verstehen die Aufregung nicht
Die Spanier reiben sich angesichts solcher Schreckensszenarien verwundert die Augen, bemerkt das Handelsblatt. In Spanien kommt die gesetzliche Versicherung nur für Notfälle und für das Zahnziehen auf. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre übernimmt sie die Zahnvorsorge, die oft in den Schulen stattfindet.

Die Spanier haben in drei von vier Altersgruppen gesündere Zähne als der Durchschnitt der untersuchten Länder.
Das verblüffende Ergebnis: Die Spanier haben in drei von vier Altersgruppen gesündere Zähne als der Durchschnitt der untersuchten Länder. Deutschland lag dagegen nur in zwei der vier Gruppen über dem Schnitt. Gemessen wurde das in der Studie am sogenannten T-Health-Index, der die gesamte Mundgesundheit bewertet und gesunde, gefüllte, kariöse und fehlende Zähne gewichtet.
Die Schweizer pflegen ihre Zähne besser
Schauen wir in die Schweiz. Dort kann von mangelnder Vorsorge keine Rede sein, wie Simon Wieser, Professor für Gesundheitsökonomie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), in der FAZ erläutert: „Wenn die Leute ihre Arztrechnungen selber zahlen müssen, pflegen sie ihre Zähne besser und unterziehen sich regelmäßiger einer professionellen Zahnreinigung.“
Die Zahnpflege wird in der Schweiz öffentlich gefördert – auch ohne Krankenversicherung. In Zürich zum Beispiel kommen sogenannte Schulzahnpflege-Instruktoren fünfmal im Jahr in Kindergärten und Grundschulen (bis zur sechsten Klasse), um den Kindern zu zeigen, auf welche Weise sie ihre Zähne putzen sollten. Außerdem ist es gesetzlich vorgeschrieben, die Kinder einmal im Jahr zahnärztlich untersuchen zu lassen, um Erkrankungen sowie Zahn- und Kieferfehlstellungen frühzeitig zu erkennen. Dafür erhalten die Eltern einen Gutschein, den sie dem Arzt vorlegen.
Furcht vor steigenden Krankenkassenbeiträgen
In den vergangenen Jahren gab es in der Schweiz einige kantonale Volksinitiativen, um die Zahnpflegekosten unter dem Dach der allgemeinen obligatorischen Krankenversicherung zu bündeln. Doch die Bürger stimmten stets mehrheitlich dagegen. Dies dürfte mit der Selbstverantwortung zu tun haben, die in der Schweiz traditionell großgeschrieben wird, sowie mit der Furcht vor steigenden Krankenkassenbeiträgen. Schon heute klagen viele Schweizer über die hohen und stetig wachsenden Beiträge, die sie – anders als in Deutschland – vollständig selbst tragen müssen.
Für eine vierköpfige Familie kommen da trotz Selbstbehalt leicht 1200 Franken zusammen. Die Gesundheitskosten machen zuletzt fast zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Schweiz aus (in Deutschland sind es 11,7 Prozent).
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