Chronik des Versagens: So grob fahrlässig handelte das RKI bei Herzmuskel-Entzündungen
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Die ungeschwärzten Protokolle der RKI-Krisensitzungen offenbaren zwar kein gigantisches Komplott, sehr wohl aber Dilettantismus und Fahrlässigkeit, wie sich am Umgang mit der Herzkrankheit Myokarditis/Herzmuskelentzündung zeigt.
Myokarditen stuft das RKI als ernste Angelegenheit ein. Eine Herausforderung für das Paul-Ehrlich-Institut, das für das Monitoring der Impfnebenwirkungen zuständig ist, bestehe darin, „relevante Dinge herauspicken, z.B. Myokarditis bei jungen Männern, Sinusvenenthrombosen, usw.“, wie es an einer Stelle heißt. Sprich: Das RKI ordnet Myokarditen als schwerwiegende Nebenwirkung ein.

Die Journalistin Aya Velázquez stellte mit dem Wissenschaftler Stefan Homburg und dem Buchautor Bastian Barucker die geleakten Dokumente vor.
Aus guten Gründen: Die Gelbe Liste Pharmindex, ein Arzneimittelverzeichnis für Deutschland, informierte im Jahr 2020, dass nach kardiologischer (das Herz betreffender) Studienlage, „Patienten mit viralbedingten Myokarditiden meist eine ungünstige Prognose aufweisen. Circa 40 Prozent der betroffenen Patienten versterben innerhalb von 10 Jahren zumeist an einem kardialen Tod. Jeder zehnte Patient stirbt an einem plötzlichen Herztod.“ Nun ist hier von einer viralbedingten Myokarditis die Rede. Warum durch die Impfung ausgelöste Herzmuskelentzündungen automatisch weniger ernst zu nehmen wäre, erschließt sich jedoch nicht.
Myokarditen „stellen aktuell ein Signal dar“
Mai 2021: Ein halbes Jahr nach Beginn der Impfkampagne bemerkt das RKI Myokarditen, also Herzmuskelentzündungen, als Folge der Corona-Impfungen. Am 07.05.2021 wird protokolliert, dass sie gehäuft bei Männern unter 30 auftreten, so häufig, dass sie ein „Signal“ darstellen. Weil man medizinischen Mechanismus noch nicht erklärt hatte, wisse man aber noch nicht, ob das Signal als offizieller Sicherheitshinweis aufgenommen wird.

Screenshot: RKI-Protokolle, Mai 2021.
Das RKI beschloss also, die gehäuft auftretenden Myokarditen weiter zu beobachten, wusste aber nicht wie: „Soll beobachtet werden, aber wie bemerkt man dies? Leistungsabfall?“ Auf die Idee, eigene Forschungen anzustellen, wollte beim RKI offenbar keiner kommen. Es hätte einem wissenschaftlichen Institut freilich keine Schwierigkeiten bereitet, sogenannte randomisiert-kontrollierte Studien durchzuführen: Geimpfte und ungeimpfte Probandengruppen hätten mit Blick auf Myokarditen nach höchsten Evidenz-Standards miteinander verglichen werden können. Das tat man aber nicht.
Juli 2021: Das RKI benötigt Daten zu Myokarditis bei Kindern, weil Moderna zugelassen werden soll – also jener Impfstoff, über den das RKI später in der Sitzung 29.10.2021 protokollieren wird: „Deutlich erhöhtes Myokarditis Risiko nach Spikevax.“ Das RKI wird die benötigte Daten nicht auswerten – und trotzdem gegen die Zulassung nicht rebellieren. Es wirkt in solchen Momenten, als gäben Politik und Pharmaindustrie Tempo und Richtung vor, denen sich das RKI kraftlos unterwirft.

Screenshot vom Corona-Protokoll vom 09.07.21
Warnende Studie aus Israel ignoriert
Oktober 2021: Impfpolitische Folgen hatte das seit Mai RKI-bekannte Myokarditis-Signal schließlich nur für „Spikevax“ von Moderna: Er wurde jüngeren Menschen nicht mehr empfohlen. Als Alternative riet man ihnen zum Impfstoff von BioNTech/Pfizer: Comirnaty. Dabei war dieser lediglich „in etwas geringerem Maße“ betroffen, wie einige Medien, darunter die Frankfurter Rundschau, mit Verweis auf eine im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie im Oktober berichteten. Diese aus Israel stammende Studie kam zu dem Ergebnis: „30 Tage nach der zweiten Impfdosis betrug das Verhältnis der Raten bei vollständig geimpften Empfängern im Vergleich zu ungeimpften Personen 2,35.“ Mit Pfizer-BioNTech erkrankten also mehr als doppelt so häufig als Ungeimpfte.
Dementsprechend schlussfolgerten die Wissenschaftler aus Israel, so die Frankfurter Rundschau, „dass Herzmuskelentzündungen nach einer Covid-Impfung mit einem mRNA-Vakzin zwar sehr selten auftreten, aber doch deutlich häufiger als normalerweise zu erwarten wäre.“ Auch die düstere Prognose wurde berichtet: Eine „komplette Heilung“ ist nach der deutschen Herzstiftung bei (nur) 70 Prozent der Fälle zu erwarten. „Langzeitfolgen können Herzrhythmusstörungen oder selten eine Herzinsuffizienz sein“, hieß es weiter. Diese Tatsachen sprechen dafür, dass man Jugendlichen weder Moderna noch Pfizer/BioNTech hätte verabreichen dürfen.

Lauterbach impft Kinder am 17.12.21.
Dezember 2021: Am 01.12.2021 protokollierte das RKI: „Das Risiko war 4-mal höher beim Moderna als beim Biontech Impfstoff. In Deutschland gibt es noch wenig entsprechende Daten. Diese werden aufgearbeitet. Dies ist auch relevant für eine empfohlene Booster-Impfung“. Was war aus dem Vorhaben dieser Aufbereitung geworden? Offenbar nichts! Die Studienergebnisse wurden augenscheinlich einfach ignoriert.
Kinder-Durchimpfung bar jeder Vernunft
Januar 2022: Ab diesem Jahr tauchte das Wort Myokarditis bzw. Herzmuskelentzündung in den Protokollen nicht mehr auf. Stattdessen empfahl die Bundesregierung im Namen der STIKO sogar den Booster für Kinder und Jugendliche. „Damit soll die Zahl der Infektionen in der Bevölkerung vermindert werden“, so das Argument: Kinder wurden also erhöhten Myokarditis-Risiken ausgesetzt, denen das RKI nicht weiter nachging – mit der spekulativen Begründung, damit der Bevölkerung etwas Gutes zu tun.

Screenshot von der Website der Bundesregierung
Mit dieser Argumentation und in Ignoranz gegenüber den RKI-internen Bedenken wurde 2G gegen junge Menschen ab 18 Jahre durchgesetzt, nötigte die Regierung also junge Menschen dazu, erhebliche Gesundheitsrisiken einzugehen. Der Druck entfaltete die politisch gewünschte Wirkung: Weite Teile der jungen Bevölkerung wurden geimpft, wie das Impf-Dashbord der Regierung dokumentiert.
Selbst zwei Drittel der unter 18-Jährigen wurden zweimal geimpft, ein Viertel von ihnen wurde obendrein geboostert. Etwa eine Million unter 12-Jährige wurde doppelt geimpft. Erschreckend: Eine kürzlich publizierte Oxford-Studie, die ungeimpfte mit geimpften Kindern verglich, kam zu dem Ergebnis, dass nur geimpfte Kinder und Jugendliche (bis 15 Jahre) Herzmuskelentzündung bekamen, die ungeimpften hingegen nicht (NIUS berichtete).
„Spahn plant trotzdem ein Impfprogramm“
Bis heute beteuert das RKI, dass das Myokarditis-Risiko hauptsächlich den Moderna-Impfstoff betreffe, weil es beim Impfstoff von Pfizer/BioNTech weniger auftrete. Das Argument ist denkbar schwach: Statt die Risiken des Moderna-Impfstoffs und die des Pfizer/BioNTech-Impfstoffs nur miteinander zu vergleichen, hätte das RKI sie mit dem Hintergrundrisiko, also dem der Myokarditis-Rate bei Ungeimpften, vergleichen müssen.

Für Jens Spahn war die Impfung der „Ausweg aus der Pandemie“.
Statt dies zu tun – Daten aus Israel waren ja da –, betont das RKI mit fettgedruckter Schrift lapidar eine reine Möglichkeit einer infektionsbedingten Myokarditis, ohne das diesbezügliche Risiko mit Zahlen zu präzisieren. „Allerdings können auch bei Infektionen mit SARS-CoV-2 Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen auftreten“. Damit drückt sich das RKI um die genannte Studienlage, der zufolge das Risiko bei Ungeimpften wesentlich geringer ist.
Die entschwärzten Corona-Dokumente lüften eine plausible Ursache, warum alle wissenschaftlichen Bedenken in den Wind geschlagen wurden. Am 19.05.2021 heißt es: „Impfung von Kindern: Auch wenn STIKO die Impfung für Kinder nicht empfehlen wird, BM Spahn plant trotzdem ein Impfprogramm.“
Kleine Opfer einer skandalösen Politik
Der damalige Bundesgesundheitsminister Spahn ist nicht der einzige Politiker, der gegen RKI-Bedenken die Kinder-Impfungen plante und erfolgreich forderte. Für Karl Lauterbach sprach im November 2021 – nach Veröffentlichung der israelischen Studie – „nichts“ gegen die Impfung für Kinder, wie er seinerzeit auf Twitter verkündete. Markus Söder schockte mit Befürwortung einer „Kinder-Impfpflicht“.
Am 4.06. protokolliert das RKI, als hätte es ein schlechtes Gewissen, weil es dem eigenen wissenschaftlichen Anspruch nicht gerecht wird: „RKI sollte sich die Freiheit nehmen, unabhängige Überlegungen anzustellen und dann damit auf das BMG zuzugehen.“
Die mutmaßlichen Opfer dieser Politik waren Kinder wie die kleine Olivia, die im Alter von zwölf Jahren geimpft wurde, sich davon aber nicht erholte.

Taz, 15. 3. 2022 – auch im Jahr 2023 ist sie noch ein Pflegefall.
Verfolgt man anhand der RKI-Dokumente, wie das RKI das Thema Myokarditis behandelte, offenbart sich ein fatales Behördenversagen. Im Mai 2021 erkannte das RKI Risikosignale für Herzmuskelentzündungen, insbesondere bei jungen Männern. Statt den Warnsignalen pflichtgemäß nachzugehen, unternahm das RKI nichts – auch dann nicht, als in deutschen Medien belastbare, warnende Studiendaten aus Israel thematisiert wurden. Das RKI etablierte stattdessen mit „2-G“ einen indirekten Impfzwang auch für junge Menschen ab 18. Millionen Kinder und Jugendliche wurden dem erhöhten Risiko einer Myokarditis ausgesetzt.
Die medizinischen, juristischen und politischen Folgen dieser unverantwortlichen Politik warten auf konsequente Aufarbeitung. NIUS-Zuschriften zeigen: Sehr viele Bürger schöpfen dank des RKI-Leaks Hoffnung.
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