Grippe, Labortheorie, Impfschaden: Für diese Worte konnte man während der Pandemie seine Existenz verlieren
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Die Stimmung gegenüber Andersdenkenden während der Corona-Pandemie war einer freien Gesellschaft nicht würdig. Schon die Nennung einzelner Worte genügte, um gereizt in die Ecke der „Wissenschaftsleugner“ verwiesen zu werden. Man wurde schneller als „Corona-Leugner“ abgestempelt, als man zum Beispiel fragen konnte: „Ist es richtig, alles Vertrauen in Tierarzt Lothar Wieler zu setzen?“ Oder: „Ist Corona nicht eher wie die Grippe?“
Aber Zeiten ändern sich. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind nun ungewohnte Töne von ungewohnten Absendern zu hören. Ein Mitglied des Ethikrats blickt auf die Maskenpflicht zurück: „Vor allem gegenüber jungen Menschen, die häufig Tragefehler begehen, ist fraglich, ob sich Maskenpflichten bei vollständiger Kenntnis des damaligen empirischen Sachstands hätten rechtfertigen lassen“, so Frauke Rostalski. Ihr Fazit verdient aufgrund der Schärfe und Prägnanz ihrer Worte Gehör:
„Was bei alledem verloren geht, ist Vertrauen. Vertrauen in die Politik, die den Bürger als ihren Souverän zu begreifen und ihn deshalb mit den zutreffenden naturwissenschaftlichen Fakten zu versorgen und ihm Einblick in ihre darauf gestützten Entscheidungen zu geben hat. Vertrauen in die Wissenschaft als allein an der Wahrheitsfindung orientierte Instanz. Vertrauen in die Medien als Stachel im Fleisch der Regierenden.“
Der allgemeine Vertrauensverlust verwundert nicht. Es genügten bereits Signalwörter, die jemanden dem Verdacht aussetzten, ein „Querdenker“, „Schwurbler“ oder „Wissenschaftsleugner“ zu sein.
In wichtigen Sachfragen zeigte sich hinterher häufig, dass die Diffamierten sogar recht hatten:
„Wird es eine Impfpflicht geben? Nein!“
Beginnen wir chronologisch: Wer vor dem 14. März 2020 prognostizierte, dass massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens bevorstehen, galt acht Tage lang als Fake-News-Verbreiter, bis zu jenem 22. März, an dem der Lockdown begann. Ab dann war man retrospektiv schlichtweg weitsichtiger Beobachter.

Screenshot X/Twitter
Ähnlich verhielt es sich mit der Impfpflicht: Als einer von vielen Politikern versprach Jens Spahn: „Ich habe im Bundestag mein Wort gegeben: In dieser Pandemie wird es keine Impfpflicht geben“, so der damalige Gesundheitsminister Anfang 2021. Später löschte sein Ministerium den Hinweis von der Webseite, dass keine Impfpflicht kommen werde. Ein entsprechender Tweet existiert allerdings bis heute, in dem das Spahn-Ministerium dogmatisch verkündete: „Eine Impfpflicht wird es nicht geben. Nachrichten und Beiträge, die etwas anderes behaupten, sind falsch.“

Screenshot X/Twitter
Auch hier galt man als Fake-News-Verbreiter, wenn man die 180-Grad-Wende in Sachen Impfpflicht frühzeitig kommen sah oder nur in staatsbürgerlicher Skepsis seine Zweifel an Regierungsversprechen kundtat.
Ein für die Politik und Medien peinlicher Umstand betrifft den Corona-Grippe-Vergleich. Während Medien wie Tagesschau ihn ins Reich der Schwurbeleien verbannten (nicht nur „unseriös, sondern unverantwortlich“), gehörte er zum Wissensstand von RKI-Wissenschaftlern, wie durch die ungeschwärzten RKI-Protokolle nun ans Licht kam: „Bevölkerungsbezogene Maßnahmen zeigen Effekt“, so die RKI-Wissenschaftlerin im März 2020, es sei aber kein kausaler Zusammenhang anzunehmen, denn: „Wir sind ja generell am Ende der Grippesaison“. (NIUS berichtete.)
Labortheorie: erst „Verschwörungstheorie“, später FBI-Position
Ein drittes Beispiel betrifft die Diskussion um den Ursprung des Corona-Virus. Labortheorie oder natürlicher Ursprung? Die längste Zeit der Pandemie hieß es von offizieller Seite aus, die Labortheorie sei eine Verschwörungstheorie, wozu Wissenschaftler um Christian Drosten entscheidend beitrugen, die sich zu Beginn auf einen natürlichen Ursprung festlegten, dies aber nicht nach wissenschaftlichen Umgangsformen. Vielmehr markierten sie Andersdenkende als Verschwörungstheoretiker – eine klar unsachliche, vollkommen unwissenschaftliche Diffamierung. Denn natürlich musste man nie Verschwörungen annehmen, um zum Beispiel wie das FBI die Labortheorie zu vertreten.

„FBI-Direktor Wray bestätigt die Einschätzung des FBI, dass Covid-19 wahrscheinlich auf einen Zwischenfall im Labor zurückzuführen ist.“
Lothar Wieler und die „Hygiene der Tiere“
Auf den ersten Blick unsachlich könnte der Einwand erscheinen, Lothar Wieler sei als Chef des Robert-Koch-Instituts ungeeignet, weil er ein Tierarzt ist. Gerade der Blick zurück zeigt aber, dass sich von der Masse der „Experten“ auffällig oft Humanmediziner positiv unterschieden: also Ärzte, die in ihrem beruflichen Medizineralltag mit tatsächlichen Menschen zu tun haben. Es waren beispielsweise Hausärzte, die aus ihrer alltäglichen Praxiserfahrung schnell zur Erkenntnis kamen, dass die Regierungsverlautbarungen über die Impfung nicht der Wahrheit entsprechen, und sich entsprechend öffentlich äußerten. Zu ihnen gehört etwa der Berliner Arzt Erich Freisleben in der Berliner Zeitung oder Dr. Gunter Frank auf der Achse des Guten. Zu nennen sind hier auch jene Lungenärzte, die warnten: „Frühe künstliche Beatmung ist der größte Fehler im Kampf gegen Corona“.
Es mag nur Instinkt, ja Bauchgefühlen geschuldet sein, doch auch ihnen darf man in einer freien Diskussionskultur Ausdruck verleihen: Wer über die „Hygiene der Tiere“ habilitierte, besitzt möglicherweise einen Blick auf medizinische Belange, der nicht dem Wohl der Menschen verpflichtet ist.

Kennt sich aus mit Impfungen und Tierhygiene: Lothar Wieler. Ausschnitt aus seinem Lebenslauf.
Die Wortwahl der Politik, die Bevölkerung „durchimpfen“ zu müssen, verwies auf Massenabfertigung. Sie lässt nicht an die Behandlung von Menschen gemäß ihrer individuellen Bedürfnisse denken. Im Dezember 2021 protokolliert das RKI: „Politischer Entschluss ist schon längst gefasst, oberste Priorität so viele Leute so schnell wie möglich impfen.“ Daran offenbart sich, dass die Politik aus eigenen Motiven den Ton angab – statt sich humanmedizinisch beraten zu lassen.
Verdächtig war, wer Impfschäden ansprach
Kommen wir zum letzten Beispiel – dem vielleicht wichtigsten, denn es berührt die körperliche Integrität, die Gesundheit von Millionen von Menschen und das Recht auf freie Entscheidung in medizinischen Fragen. Ungefähr ein Jahr musste vergehen, bis Medien über die Schicksale von Menschen mit einem Impfschaden berichteten. Davor wurde man noch entschlossener als irrationaler „Impfgegner“ als heute bezeichnet, wo auch die Politik anerkannt hat, dass es Impfgeschädigte gibt.
Sinn ergab die Einsortierung als „Impfgegner“ nie, denn die meisten Menschen, die sich skeptisch gegenüber den neuen Corona-Impfstoffen äußerten, hatten sich in der Vergangenheit nie ablehnend gegenüber Impfungen generell geäußert – weil sie keine schlechten Erfahrungen gemacht hatten. So viel Fairness wollte ihnen in Politik und Medien aber kaum jemand gewähren: Wer gegen Impfzwang demonstrierte, war „Impfgegner“: von allen wissenschaftlichen Geistern verlassen.
Man ging nach dem Prinzip vor: Als Desinformation gelten auch Informationen, wenn sie die Deutungshoheit der Regierung gefährden. Menschen, die abweichende Meinungen vertraten, die den Zielen der Regierung gefährlich werden konnten, wurden eingeschüchtert, in negative Schubladen einsortiert. Man ließ sie kaum zu Wort kommen, drohte ihnen mit dem Verlust ihrer sozialen Existenz, mit der Aussicht, gekündigt, in privaten und politischen Kreisen gemieden und aussortiert zu werden.
Diskussionen unter fairen Bedingungen ließ man nicht zu. Ein falsches Wort genügte und man war raus. Raus aus einem zivilisierten, sozialen Miteinander, raus aus dem öffentlichen Diskurs und auch raus, wie die Regierung sagen würde, aus „unserer Demokratie“.
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