Aldi Süd startet eigenen Lieferdienst
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Lange hat der Discount-Erfinder Aldi gezögert, auf dem Heimatmarkt in den riskanten Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln einzusteigen. Ebenso wie der Rivale Lidl überließ der Billiganbieter den schnell wachsenden Markt Newcomern wie Flink und etablierten Supermarktketten wie Rewe. Schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass bislang niemand mit solchen Angeboten nachhaltig Geld verdient.
Doch jetzt will sich Aldi Süd nicht länger aufs Zuschauen beschränken. Im Ruhrgebiet startet der Discounter seinen ersten deutschen Testlauf. Kundinnen und Kunden in Mülheim an der Ruhr, Duisburg und Oberhausen können sich ab sofort für den Lieferdienst „meinAldi“ registrieren und sich die online bestellte Ware per Elektro-Lieferwagen nach Hause bringen lassen. Das Angebot reiche „von frischem Obst und Gemüse über Brot, Käse und Milch bis hin zu Drogerieartikeln“, teilte das Unternehmen mit.
In der Branche wird aktuell konsolidiert
Das neue Angebot im Ruhrgebiet sei nur ein lokal und zeitlich begrenzter Testlauf, betonte Aldi Süd. „Zum aktuellen Zeitpunkt ist eine flächendeckende Umsetzung nicht geplant.“ Denn der Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland sei wegen der hohen Kosten für Personal und Logistik im Moment unrentabel.
Auffällig ist: Der Vorstoß fällt in eine Zeit, in der sich in der Branche die Spreu vom Weizen zu trennen beginnt. Insbesondere bei den Schnelllieferdiensten wie Flink, Gorillas oder Bringmeister findet eine knallharte Auslese statt, bei dem immer mehr Unternehmen durch Verkauf oder Rückzug vom Markt verschwinden.
Edeka und Rewe sind längst weiter als die Discount-Marktführer. Vor allem Rewe hat sein E-Commerce-Angebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut und liefert mittlerweile Kunden in mehr als 90 Städten und deren Umland ihre online bestellten Lebensmittel bis zur Haustür. Außerdem ist der Handelsriese am Schnelllieferdienst Flink beteiligt.
„Abgewartet und zugeguckt“
Dass Aldi Süd erst jetzt den Markt prüft, hält der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein nicht für einen Fehler. Im Gegenteil. „Es war schlau von Aldi Süd, nicht übereilt in den Onlinehandel mit Lebensmitteln einzusteigen und dabei viel Geld zu verbrennen. Sie haben abgewartet und zugeguckt, welches Liefermodell so gut funktioniert, dass man damit am Ende tatsächlich Geld verdienen kann. Jetzt probieren sie es aus.“
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Das Aldi-Süd-Konzept ähnelt dem von Picnic. Das heißt, die Zustellung soll nach dem Milchmann-Prinzip erfolgen, bei dem die Lieferfahrzeuge innerhalb eines Liefergebietes feste Routen abfahren. Für die Kunden schränkt dies die Wahl der Lieferzeit ein, doch senkt die stärkere Bündelung der Touren die Lieferkosten.
„Mit dem Milchmann-Modell ist Aldi Süd auf Anhieb beim Thema Profitabilität eine Riesenstück weiter als die Wettbewerber Flaschenpost, Flink oder Rewe“, urteilt Heinemann. Der Discounter habe damit an Standorten mit hoher Bevölkerungsdichte durchaus Chancen, in die schwarzen Zahlen zu kommen. „Aldi wird den Hebel für ein Ausrollen dieses Modells erst umlegen, wenn der Test in diesem Punkt erfolgreich war.“
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