Bei Alice-Schwarzer-Lesung: Tumulte im Hamburger Schauspielhaus
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Ausgerechnet am Weltfrauentag wird die größte deutsche Feministin ausgebuht: Alice Schwarzer wollte am Sonntag im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg aus ihrem neuen Buch „Feminismus pur.99 Worte“ lesen, wie zuvor in Berlin (NIUS berichtete).
Doch das Event sorgte für Tumulte: Schon vor Beginn hatten vor dem Gebäude mehr als 100 Menschen – teils mit FFP-2-Masken – lautstark gegen die Lesung protestiert. Während der Veranstaltung liefen mehrfach Zuschauer auf die Bühne und riefen etwas ins Publikum, wurden jedoch ausgebuht. Alice Schwarzer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und blieb sitzen. Anschließend sagte die 83-jährige EMMA-Herausgeberin:
„Wir sind da, um voneinander zu hören, uns auszutauschen. Wir müssen überhaupt nicht einer Meinung sein.“

Im Protest gegen die Frauenrechtlerin wurde „CIS-Feminismus“ und nicht genügend Anerkennung des Selbstbestimmungsgesetzes beklagt.
„Offener Brief“: Die Lieblingswaffe der Empörten
Zuvor hatten mehrere hundert Theatermacher in einem offenen Brief das Schauspielhaus aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Ihre Begründung: Schwarzer kämpfe „seit Jahren gegen Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von Trans-Menschen und Sexarbeiter*innen“. Sie positioniere sich gegen das Selbstbestimmungsgesetz und beharre auf biologistischen Vorstellungen von Geschlecht.
Doch das Theater blieb standhaft und veröffentlichte nach einer Anfrage der Deutschen Presse-Agentur ein Statement: „Seit 50 Jahren äußert sich Alice Schwarzer zu sehr vielen Themen – zu so vielen, dass wir es problematisch finden, sie auf eine ihrer Positionen zu reduzieren, so diskussionswürdig einige von ihnen sind.“ Alice Schwarzer sei eine streitbare und streitfreudige Person, die nicht nur die Debatte suche, sondern sich Diskussionen auch stelle. Manche Thesen Schwarzers spiegelten in der Gesellschaft kursierende Aussagen, „deshalb sollten sie diskutiert werden – und es kann ihnen auch widersprochen werden“. Meinungsvielfalt sei essenziell für die Demokratie. „Alice Schwarzer den Mund zu verbieten und ihr keine Möglichkeit zu geben, ihre Sicht der Dinge offen zu diskutieren, tragen wir nicht mit.“
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