Auswandern: Die Traumziele der Deutschen – und ihre Tücken
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- Deutschlands Auswanderungsquote ist die dritthöchste aller Industrienationen.
- Vor allem viele hochqualifizierte Menschen verlassen das Land.
- Viele Deutsche fragen sich, wohin man am besten auswandern kann.
Immer mehr Deutsche wandern aus. Allein zwischen 2016 und 2022 waren es knapp 1,8 Millionen. Die Zahl derer, die im selben Zeitraum zurückgekehrt sind, beläuft sich auf 1,3 Millionen. Macht summa summarum eine Netto-Abwanderung von mehr als 500.000 Menschen. Die Auswanderungsquote der Bundesrepublik ist damit die dritthöchste aller Industrienationen. Zugleich sind im vergangenen Jahr knapp 2,5 Millionen Ausländer eingewandert.
Das Problem daran: Während sich die Gruppe der Zuwanderer vor allem aus Flüchtlingen und Migranten speist, die häufig über wenig Bildung, entsprechend geringe Qualifikationen und ebenso geringe finanzielle Mittel verfügen, handelt es sich bei den deutschen Auswanderern zumeist um qualifizierte Fachkräfte und Akademiker.
Dreiviertel der Menschen, die Deutschland den Rücken gekehrt haben, verfügen über einen Hochschulabschluss. Heißt: Der Fachkräftemangel verschlimmert sich trotz Rekordzuwanderung immer weiter. Im Jahr der Flüchtlingskrise 2016 verließen zudem 4000 Millionäre das Land. 3000 mehr als noch 2015. In all den Jahren zuvor hatte diese Zahl im eher niedrigen dreistelligen Bereich gelegen. Als Gründe werden nicht nur steuerliche Vorteile genannt, sondern in den letzten Jahren auch verstärkt gesellschaftliche und religiöse Spannungen.
Die Abwanderung von besonders vermögenden Bürgern steht also in direktem Zusammenhang mit der zugleich stattfindenden Zuwanderung und den damit verbundenen kulturellen und religiösen Umwälzungen.
Die Top-Auswanderungsländer der Deutschen
Die Deutschen zieht es dabei vor allem ins benachbarte Ausland. Platz 1 und Platz 2 der beliebtesten Auswanderungsziele der Deutschen gehen an die Schweiz und Österreich. Es folgen Spanien, Frankreich und die Niederlande. Schweden und Dänemark sind ebenfalls nach wie vor beliebte Ziele der Deutschen, aber auch Länder wie Polen und Ungarn mausern sich zunehmend zum Geheimtipp.
Die Entscheidung für ein Land hängt jedoch nicht nur von den politischen und gesellschaftlichen Umständen ab, sondern auch von den Voraussetzungen, die Zuwanderer für eine Aufenthaltsgenehmigung erfüllen müssen.
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Wir listen daher nachfolgend die Zuwanderungsvoraussetzungen für einige der Top-Auswanderungsziele der Deutschen auf:
Schweiz – hoher Verdienst, geringe Steuerlast
Die Schweiz ist bei den Deutschen vor allem aufgrund ihrer hohen Verdienstmöglichkeiten und Steuervorteile beliebt. Wer als Deutscher mit einem gültigen Reisepass oder Personalausweis in unser Nachbarland einreist, erhält zunächst automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung für sechs Monate. Ein Visum ist nicht erforderlich.

Eine Kuh ist auf der Alp Sunnistafel im Gafia-Tal bei St. Antönien zu sehen.
Wer als Deutscher dauerhaft in der Schweiz leben möchte, muss sich innerhalb von acht Tagen bei der zuständigen Wohnortgemeinde melden und einen gültigen Reisepass, Geburtsurkunde, Krankenversicherungsnachweis, Passfoto und einen mindestens für ein Jahr gültigen Arbeitsvertrag vorweisen. Mit diesem Arbeitsvertrag erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung von zunächst fünf Jahren. Nach dieser Zeit kann ein Antrag auf eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis gestellt werden. Wer die Schweizer Staatsbürgerschaft anstrebt, muss sich jedoch gedulden. Zwölf Jahre muss man hierfür dauerhaft in der Schweiz gelebt haben. Zum Vergleich: In Deutschland sollen es künftig gerade einmal fünf Jahre sein.
Das Schweizer Durchschnittsgehalt liegt mit rund 81.000 Euro deutlich über dem deutschen mit rund 49.000 Euro. Dabei ist allerdings auch zu bedenken, dass die Lebenshaltungskosten deutlich über jenen in der Bundesrepublik liegen. Dafür lockt die Schweiz mit deutlich geringeren Steuersätzen. Aber Achtung: Diese variieren von Kanton zu Kanton zum Teil erheblich. Dafür greift der Höchststeuersatz auf Bundesebene erst bei rund 755.000 Franken. In Deutschland beginnt dieser für Singles bereits ab einem Einkommen von knapp 55.000 Euro!
Österreich – geringe Sprachbarriere, aber weniger Einkommen
Auch nach Österreich zieht es viele Deutsche. Das hängt auch, ähnlich wie bei der Schweiz, mit der geringen sprachlichen Barriere zusammen. Österreichs Einwanderungssystem ist dem deutschen sehr ähnlich. Deutsche Staatsangehörige können auch hier mit einem gültigen Reisedokument (zum Beispiel Reisepass oder Personalausweis) einreisen. Ein Aufenthaltstitel oder Visum ist für EU-Bürger im Rahmen der europäischen Freizügigkeit nicht erforderlich. Sie sind grundsätzlich dazu berechtigt, sich länger als drei Monate dort aufzuhalten.
Wer sich jedoch dauerhaft in Österreich niederlassen will, muss über einen Job in unserem Nachbarland oder aber über ausreichende Existenzmittel für sich und seine Familienangehörigen verfügen, und natürlich über einen umfassenden Krankenversicherungsschutz, sodass er während seines Aufenthalts nicht auf Sozialleistungen angewiesen ist.

Eine Maschine der Austrian Airlines am Flughafen Wien-Schwechat.
Grundsätzlich ist man verpflichtet, sich spätestens nach vier Monaten bei der zuständigen Meldebehörde zu melden und eine Anmeldebescheinigung zu beantragen. Nach fünf Jahren gibt es die dauerhafte Niederlassungserlaubnis. Nach 10 Jahren ununterbrochenem Aufenthalt in Österreich ist die Einbürgerung möglich – sofern man sich nichts zu Schulden kommen lassen hat.
Das Brutto-Einkommen der Österreicher liegt mit knapp 33.000 Euro deutlich unter dem der Deutschen. Der Spitzensteuersatz liegt hier derzeit bei 55 Prozent, beginnt aber erst bei einem Einkommen von über einer Million Euro pro Jahr. Jedoch werden auch Einkommen über 31.000 bis 60.000 Euro bereits mit 42 Prozent versteuert.
Unter den friedlichsten Ländern der Welt belegt Österreich den fünften Platz und liegt damit vor der Schweiz (Platz 10) und Deutschland (Platz 15). Allerdings liegt der Anteil verurteilter ausländischer Straftäter mit 41 Prozent sogar über dem Wert Deutschlands (37,4 Prozent).
Spanien – hohe Arbeitslosigkeit, dafür Sonne satt
Dort leben, wo andere Urlaub machen – dieses Prinzip gilt für viele Deutsche, die sich dafür entscheiden, nach Spanien auszuwandern. Auch hier ist eine Einreise dank der europäischen Freizügigkeit zunächst problemlos möglich. Hält man sich jedoch länger als drei Monate in Spanien auf, muss man sich bei der Abteilung für Ausländer der Nationalpolizei anmelden. Dort erhält man die Identifizierungsnummer für Ausländer – die sogenannte NIE („Número de Identidad de Extranjero“). Die NIE ist unter anderem notwendig, um ein Bankkonto eröffnen zu können oder ein Haus zu kaufen.
Sie ist ein Leben lang gültig und dient auch als Steuernummer. Voraussetzung zum Erhalt der NIE ist ein gültiger Arbeitsvertrag oder der Nachweis einer Selbstständigkeit, mit der man seine Lebenshaltungskosten decken kann. Darüber hinaus muss man sich beim Einwohnermeldeamt des Wohnortes anmelden.
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Das spanische Durchschnittseinkommen liegt mit 33.000 Euro unter dem in Deutschland. Dafür sind die Lebenshaltungskosten im Schnitt auch geringer. Die Arbeitsmarktlage in Spanien ist derzeit nicht besonders gut. Als Nicht-Akademiker hat man vor allem als Pflegekraft oder in der Tourismusbranche, zum Beispiel als Mitarbeiter im Gastronomie- und im Hotelgewerbe, gute Chancen. Ansonsten fehlt es vor allem an Ärzten, Ingenieuren, IT-Spezialisten und Elektrotechnikern. Als „Non-Resident“ kann man seine Arbeitseinkünfte fünf Jahre lang zum festen Steuersatz von 24 Prozent besteuern lassen. Im Global Peace Index rangiert Spanien allerdings gerade einmal auf Platz 32.
Dänemark – schwieriger Wohnungsmarkt, dafür hohe Lebensqualität
Auch Dänemark erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Deutschen. Voraussetzung für die Auswanderung nach Dänemark ist zunächst einmal die dänische Sprache. Dies gelingt mit einem Intensivkurs relativ schnell. Auskunft darüber gibt die Dänische Botschaft.
Bei einer Auswanderung nach Dänemark ist vor allem zu beachten, dass es dort sehr viel Wohneigentum gibt. Die Wohnungssuche gestaltet sich daher in der Regel noch schwieriger als in Deutschland. Auswanderungsportale werben deshalb dafür, zunächst ein Ferienhaus anzumieten und sich dann von dort aus nach geeigneten Objekten umzusehen. Da es wenige Makler in Dänemark gäbe und die meisten Wohnobjekte durch Infotafeln im Vorgarten oder über Kontakte vermietet werden, sei es fast unmöglich, von Deutschland aus ein geeignetes Wohnobjekt zu finden. Dafür sind die Mieten in Dänemark, abgesehen von Kopenhagen, günstiger als in Deutschland.
Das dänische Durchschnittseinkommen betrug im letzten Jahr knapp 63.000 Euro und liegt damit über dem der Bundesrepublik. Hiervon gehen im Schnitt 22.400 Euro Steuern ab. Allerdings müssen keine Sozialversicherungsbeiträge entrichtet werden. Macht einen Netto-Jahresverdienst für kinderlose Singles von rund 40.600 Euro. Im Global Peace Index landen unsere nordischen Nachbarn auf Platz 2 und liegen damit 13 Plätze vor Deutschland. Die sozialdemokratische Regierung fährt darüber hinaus einen harten Asylkurs. Im ersten Halbjahr 2023 stellten gerade einmal 1.800 Menschen einen Asylantrag in Dänemark.
Frankreich – Sehnsuchtsort mit großen Problemen
Wie auch in Spanien ist die Arbeitslosigkeit in Frankreich höher als in Deutschland. Dennoch sind gewisse Berufe hoch gefragt, dazu zählen unter anderem IT-Spezialisten, Ingenieure, Elektrotechniker, Lehrer, Erzieher und Pflegepersonal. Für weniger qualifizierte Kräfte bietet auch hier die Tourismusbranche eine gute Alternative. Mitarbeiter in der Gastronomie und Hotellerie werden aufgrund des hohen Touristenaufkommens immer gesucht. Informationen über Mangelberufe erhält man darüber hinaus beim französischen Arbeitsamt. Das französische Brutto-Einkommen liegt bei knapp 38.000 Euro – und damit mehr als 10.000 Euro unter dem deutschen Niveau. Einkommen ab 150.000 Euro werden mit 45 Prozent besteuert.
Da Frankreich Mitglied der Europäischen Union ist, dürfen sich deutsche Staatsbürger uneingeschränkt im Land aufhalten und dort arbeiten. Für die Einreise braucht man nur einen gültigen Reisepass oder Personalausweis. In Frankreich ist es zudem nicht notwendig, seinen Wohnsitz zu melden, allerdings ist dies auf freiwilliger Basis im Rathaus des Wohnortes möglich. Wer in Frankreich dauerhaft wohnt und arbeitet, ist verpflichtet, eine Sozialversicherungsnummer zu besitzen, die auch als Steuernummer dient.

Ein Paar steht auf der Debilly-Fußgängerbrücke an der Seine und betrachtet den Sonnenuntergang hinter dem Eifelturm.
Wer mindestens fünf Jahre in Frankreich lebt, seinen Lebensunterhalt verdient und keine Straftaten begangen hat, kann die französische Staatsbürgerschaft beantragen. Es gibt die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft. Die deutsche Staatsbürgerschaft darf man theoretisch also behalten.
Mit Platz 66 im Global Peace Index befindet sich Frankreich weit abgeschlagen zwischen Serbien und Panama. Das liegt nicht zuletzt an den immer wieder aufflammenden sozialen Unruhen und der allgegenwärtigen Bedrohung durch den islamischen Terrorismus.
Island – das friedlichste Land der Welt
Wer ins friedlichste Land der Welt ziehen will, muss nach Island auswandern. Aber Island hat noch weitaus mehr Vorteile: Es ist nicht nur die viertglücklichste Nation der Welt, sondern auch die büchervernarrteste: Die Isländer schreiben, lesen und verkaufen mehr Bücher pro Kopf als jedes andere Land.
Gerade einmal 372.500 Menschen leben dort, darunter rund 1.800 Deutsche. Insgesamt 17.487 Menschen wanderten allein im vergangenen Jahr in das kleine Land ein. So viele wie noch nie. Auch hier darf man die ersten drei Monate ohne Aufenthaltsgenehmigung bleiben. Ein Jobnachweis ist zunächst nicht vonnöten. Wer länger bleiben will, benötigt eine 10-stellige persönliche Identifikationsnummer, die sogenannte Kennitala. Diese muss im zuständigen Meldeamt beantragt werden. Da diese manchmal erst nach neun Wochen ausgehändigt wird, sollte man diese in der Regel direkt nach der Ankunft in Island beantragen. Gesucht werden hier vor allem qualifizierte Fachkräfte wie Ärzte und Professoren. Andere Stellen dürfen nur besetzt werden, wenn hierfür kein Isländer infrage kommt. Nachteil: Die Steuern in Island sind relativ hoch. Dafür beträgt das Durchschnittseinkommen knapp 64.000 Euro.
Nach sieben Jahren kann die Einbürgerung beantragt werden. Allerdings sind die Hürden mitunter relativ hoch. Außer man heiratet einen Isländer, dann kann die Einbürgerung bereits nach drei Jahren beantragt werden. Zudem wird seit 2007 ein Nachweis der Arbeitsfähigkeit, des legalen Lebensunterhalts sowie der vollständigen Steuerzahlung benötigt. Ein Bezug von Sozialleistungen in den letztren drei Jahren vor der Antragstellung ist genauso wenig erlaubt wie eine Insolvenz. Seit 2009 ist auch das Bestehen einer Sprachprüfung erforderlich. Vorstrafen im Ausland verlängern die Wartefrist. Außerdem wird eine Stellungnahme der Wohnorts-Polizeidienststelle und des Staatsschutzes eingeholt.
Mögliche Geheimtipps: Polen und Ungarn
Vor allem im Zuge der deutschen Migrationspolitik rücken auch Länder wie Polen und Ungarn als Auswanderungsziele in den Fokus der Deutschen. In wenigen Ländern der EU ist die Zahl der Asylbewerber so gering wie hier (abgesehen von Ukraine-Flüchtlingen). Auch die eher traditionell-konservative Anti-Woke-Politik erntet bei immer mehr Bundesbürgern Zustimmung, wenngleich Autokraten wie Ungarns Staatschef Viktor Orbán hierfür immer wieder in der öffentlichen Kritik stehen. Zwar kann das Durchschnittseinkommen in Ungarn und Polen von jeweils knapp 16.000 Euro nicht begeistern, dafür sind die Lebenshaltungskosten aber deutlich geringer als hier. In Polen leben ungefähr 100.000 Deutsche. In Ungarn stellen sie mit ca. 220.000 Personen sogar die größte nationale Minderheit. Städte wie das polnische Danzig oder auch das ungarische Budapest putzen sich mehr und mehr heraus. Der durchschnittliche Einkommenssteuersatz beträgt in Polen 22 Prozent. In Ungarn zahlt man pauschal als Privatperson 15 Prozent Einkommenssteuer (flat-tax).
Für einen dauerhaften Aufenthalt benötigt man in Ungarn – neben einem gültigen Personalausweis oder Reisepass – einen Arbeitsvertrag oder einen Nachweis über eine Selbstständigkeit, einen Mietvertrag, einen Nachweis über ausreichend finanzielle Mittel und einen Beleg der Krankenversicherung, der aussagt, dass man dazu berechtigt ist, Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch zu nehmen. Wer fünf Jahre am Stück in Ungarn gelebt hat, erhält eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.
Abschreckend für viele ist jedoch die Sprachbarriere. Ungarisch gilt als eine der schwersten Sprachen überhaupt. Durch die deutsche Zuwanderung hat sich hier jedoch über Jahre hinweg eine deutsche Infrastruktur gebildet, die vieles einfacher macht. In Polen sind zumindest die Orts- und Hinweisschilder in den Gebieten mit deutschen Minderheiten zweisprachig. Deutsch ist hier eine von 15 offiziell anerkannten Minderheitensprachen.
Im Global Peace Index platziert sich Ungarn gerade einmal drei Plätze hinter Deutschland auf Platz 18. Polen rangiert auf Platz 29 und damit immerhin noch vor Spanien. Die Weihnachtsmärkte müssen dort zumindest nicht umzäunt werden.
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Anabel Schunke
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