Berliner Kliniken erleben „extremsten Tag der Woche”: Mindestens 150 Verletzte in DRK-Klinik wegen Glätteunfällen
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In Berlin durfte bis Freitagnachmittag aufgrund von Umweltauflagen nicht mit Tausalz gestreut werden. Währenddessen sehen sich Berliner Krankenhäuser mit einer riesigen Welle von Verletzten konfrontiert, die nach Glätteunfällen behandelt werden müssen.
Eine Sprecherin des DRK-Klinikums in Köpenick schildert gegenüber NIUS die Situation in der Rettungsstelle: „Seit Montag wurden 150 Patienten nach Glätteunfällen dort behandelt, aktuell sind weitere 40 Menschen nach Stürzen vor Ort. Damit ist heute der extremste Tag in dieser Woche. Für das Team der Rettungsstelle bedeutet das eine extreme Belastung.“
Die häufigsten Verletzungsmuster seien Schmerzen, Prellungen und Brüche nach Stürzen. „Viele Menschen fallen auf Arm, Rücken oder Handgelenke mit den entsprechenden Verletzungen“, so die Sprecherin.
„Kurz vor der Schmerzgrenze“
Auch im BG Unfallkrankenhaus Berlin läuft seit dem Eisregen der Betrieb im Dauerstress. In den OP-Sälen werde bis spät gearbeitet, berichtet Apollo News. Besonders heftig ging es am Donnerstag zu, da wurden 100 Menschen behandelt, die sich auf vereisten Straßen oder Gehwegen verletzt hatten.
Die Palette der Diagnosen reicht laut Krankenhaus von Prellungen über Knochenbrüche bis zu Schädel-Hirn-Traumata. In einem Fall seien die Folgen dramatisch: Nach Angaben, die Apollo News vorliegen, habe ein Patient eine Querschnittslähmung erlitten.
Die Pressesprecherin des BG Unfallkrankenhauses, Angela Kijewski, zeichnet im Gespräch mit Apollo News das Bild eines Hauses, das zwar auf Arbeits- und Wegeunfälle spezialisiert und für größere Schadenslagen gerüstet ist, dessen Kapazitätsgrenzen jedoch inzwischen ausgereizt sind. Man sei „kurz vor der Schmerzgrenze“, sagte sie. Schon in den Tagen nach dem Eisregen habe das BG Unfallkrankenhaus häufig 50 bis 70 Glätteverletzte pro Tag versorgen müssen. Für das Wochenende erwartet das Krankenhaus eine zusätzliche Belastung, weil bei geschlossenen Hausarztpraxen erfahrungsgemäß mehr Menschen in die Kliniken ausweichen.
Bürgermeister flehte Parlament an
Während die Kliniken mit den Folgen der Glätte kämpfen, wird in der Stadt darüber gestritten, wie man die Risiken schneller senken kann. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte am Donnerstag mit einem dringenden Appell gewarnt: „Wir erleben in Berlin extreme Wetterbedingungen – mit Eisregen und anhaltendem Frost. Ich appelliere an das Abgeordnetenhaus, den Einsatz von Tausalz in Berlin in Ausnahmen möglich zu machen“, schrieb er auf der Plattform X und Instagram.

Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) flehte seine eigene Regierung an, den Einsatz von Streusalz zu ermöglichen.
Aus der SPD kam Gegenwind. SPD-Politikerin und Umweltexpertin Linda Vierecke sagte dem Tagesspiegel, sie sei „skeptisch hinsichtlich eines Schnellschusses“. Ihre Begründung: Verkehrssicherheit müsse auch ohne Tausalz gelingen, weil Salz dem Stadtgrün schade.
Am Nachmittag kam dann die nötige Eil-Meldung. „Der Berliner Senat erlaubt vorübergehend den Einsatz von Tausalz auch auf Gehwegen“, erklärte das rbb-Inforadio. Die Verkehrsverwaltung habe eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen, so der rbb.
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